Steinhoff-Gläubiger torpediert Milliardenumschuldung

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11.01.19
Finanzierungen

Steinhoff-Gläubiger torpediert Umschuldung

Ein Gläubiger von Steinhoff will die bereits beschlossene 7,7 Milliarden Euro schwere Umschuldung des angeschlagenen Möbelkonzerns blockieren. Mit ihm duelliert sich Steinhoff bereits an anderer Stelle vor Gericht.

Ist die geplante Steinhoff-Umschuldung in Gefahr? Der angeschlagene Möbelkonzern gab bekannt, dass der Steinhoff-Gläubiger LSW bereits getroffene Beschlüsse angefochten hat. Mitte Dezember hatte sich Steinhoff nach langen Verhandlungen mit 90 Prozent seiner Gläubiger auf eine umfassende Schuldenrestrukturierung geeinigt. Es war ein wichtiger Meilenstein bei der geplanten Sanierung des von einem Bilanzskandal betroffenen Unternehmens. Gläubiger hatten bis Mitte Januar dieses Jahres jedoch Zeit, Einspruch zu erheben.

Die genauen Auswirkungen der Anfechtung werden von Steinhoff derzeit noch geprüft, sagte ein Steinhoff-Sprecher gegenüber FINANCE. Einer Pressemitteilung zufolge könne der Sanierungsplan jedoch nicht umgesetzt werden, bis die Anfechtung der Beschlüsse ausgeräumt sei. Ob dadurch möglicherweise sogar die geplante Umschuldung ernsthaft in Gefahr geraten könnte, konnte Steinhoff zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht kommentieren. 

Steinhoffs Widersacher Andreas Seifert

Der Widersacher ist für Steinhoff ein alter Bekannter. Hinter LSW steht der Österreicher Andreas Seifert, der auch Mehrheitsgesellschafter bei dem Möbelhaus XXXLutz ist. Seifert ist ein ehemaliger Geschäftspartner von Steinhoff, streitet sich mit dem Konzern jedoch schon länger in mehreren Ländern vor Gericht, wie ein Steinhoff-Sprecher sagte.

In Deutschland wurde dem Sprecher zufolge im vergangenen Jahr ein Rechtsstreit um die damalige Steinhoff-Tochter Poco beigelegt. Steinhoff hatte in diesem Zusammenhang seinen 50-Prozent-Anteil für 271 Millionen Euro an XXXLutz verkauft.

Aktuell läuft dem Sprecher zufolge ein weiteres Verfahren in Wien. Seiferts Unternehmen würden gegen AIH – das ist die Holding über dem französischen Möbelkonzern Conforama – und die Gesellschaft Steinhoff Europe AG (Seag) Ansprüche im Wert von 249 Millionen Euro erheben, zuzüglich Zinsen und Kosten. Streitpunkt sei der noch ausstehende Teil eines rund 300 Millionen Euro schweren Kredits aus dem Jahr 2011. Steinhoff weist diese Ansprüche zurück.

Steinhoff will 7,7 Milliarden Euro umschulden

Der Streit mit Seifert kommt für Steinhoff zur Unzeit, denn der Möbelkonzern verliert durch die Verzögerung wertvolle Zeit. Der Konzern möchte Schulden im Wert von 7,7 Milliarden Euro nach dem britischen Vergleichsverfahren (Company Voluntary Arrangements, CVA) restrukturieren. Dadurch würden die Schulden erst Ende 2021 fällig.

Betroffen sind alle Schulden der Seag und der Finance Holding (SFHG). Über einen neuen Term Loan sollen alle Finanzschulden der Seag abgelöst werden. Das betrifft syndizierte Kredite über 2,9 Milliarden Euro, eine Unternehmensanleihe über 800 Millionen Euro und Schuldscheindarlehen im Wert von 770 Millionen Euro sowie bilaterale Kredite. 

Der Term Loan läuft bis 2021, durch die PIK (Payment-in-Kind)-Komponente fallen die Zinszahlungen erst zum Ende der Laufzeit an. Die SFHG hat dagegen drei Wandelanleihen im Gesamtwert von 2,7 Milliarden Euro ausstehen, die ebenfalls in endfällige PIK-Notes umgewandelt werden sollen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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