Die Gläubiger meinen es gut mit Steinhoff: Der Konzern hat jetzt drei Jahre mehr Zeit bekommen, um seinen Schuldenberg zu ordnen.

picture alliance/dpa/Mohssen Assanimoghaddam

20.07.18
Finanzierungen

Gläubiger geben Steinhoff drei Jahre mehr Zeit

Aufatmen bei Steinhoff: Die Gläubiger sind bereit, dem Krisenkonzern drei Jahre mehr Zeit für die Rückzahlung seiner Schulden zu geben. Wie die Sanierung gelingen soll, ist aber weiter unklar.

Bei Steinhoff überschlagen sich die Meldungen. Die Wichtigste: Zentrale Gläubigergruppen haben einem Stillhalteabkommen des in Schieflage geratenen Konzerns zugestimmt.

Der deutsch-südafrikanische Möbelhersteller hat damit nun drei Jahre Zeit, um seinen Schuldenberg von 9,4 Milliarden Euro neu zu ordnen und zurückzuzahlen – eine ungewöhnlich lange Dauer für ein Stillhalteabkommen. Bis dahin laufen jährliche Zinsen von 10 Prozent auf, die zum 31. Dezember 2021 auf einen Schlag fällig werden.

Steinhoff: Zustimmungsquote sogar übertroffen

Für das Inkrafttreten des Stillhalteabkommens mussten zwei Bedingungen erfüllt werden. Die erste war die Zustimmung der Gläubiger der Gesellschaften Steinhoff Europe AG (Seag), Steinhoff Finance Holding und Stripes US Holding Incorporated (Sushi). Mindestens 75 Prozent der Gläubiger in den jeweiligen Gruppen hätten bis zum heutigen Freitag zustimmen müssen – diese notwendige Mehrheit hatte Steinhoff aber überraschend schon gestern erreicht und sogar übertroffen: Die Zustimmungsquote lag je nach Gläubigergruppe zwischen 89 und 99 Prozent.

Der Konzern hatte mit einer „Early-Bird-Frist“ versucht, die Zustimmung der Gläubiger frühzeitig zu erhalten. Diese wurde allerdings zweimal verschoben, vermutlich um eine höhere Quote zu erhalten. Die zweite Bedingung war eine positive Fortführungsprognose der Finance Holding und Seag. Diese stand zunächst noch aus, wurde aber am heutigen Vormittag erteilt. Damit tritt das Stillhalteabkommen in Kraft.

Steinhoff in der größten Krise der Geschichte

Für Steinhoff ist das eine große Erleichterung: Seitdem im Dezember Bilanzunregelmäßigkeiten enthüllt wurden, steckt der Konzern in der größten Krise seiner Geschichte. Steinhoff bat seine Gläubiger immer wieder um mehr Geduld, die Vorlage der Geschäftszahlen wurde mehrfach verschoben. Vor wenigen Wochen schließlich wurde klar, dass der Konzern 11 Milliarden Euro abschreiben muss.

Über Wasser hielt sich der Konzern bisher nur mit Notverkäufen: Die österreichische Möbelkette Kika/Leiner ging für geschätzte 500 Millionen Euro an den Karstadt-Eigentümer René Benko. Zuvor hatte Steinhoff auch seine Anteile an der deutschen Billigmöbel-Kette Poco für 266 Millionen Euro an den Mitbewerber XXXLutz verkauft. Der Aktienkurs des einst erfolgreichen Ikea-Rivalen ist zu einem Penny-Stock verkommen – nachdem das Stillhalteabkommen absegnet wurde, haben die Papiere heute immerhin einen Sprung nach oben auf 24 Cent gemacht.

Verhandlungen bei Hemisphere kommen voran

Wie der konkrete Sanierungsplan aussieht, ist aber weiterhin unbekannt. In den kommenden drei Monaten soll dieser im Detail ausgearbeitet werden, hat Steinhoff angekündigt. Formal gilt das dreijährige Stillhalteabkommen erst nach diesen drei Monaten.

Fortschritte meldet jetzt auch die Immobilien-Tochter Hemisphere. Dort kommt der Konzern bei den Gläubigerverhandlungen nach eigenen Angaben ebenfalls gut voran. Bei der Immobilientochter will Steinhoff die Gläubiger ebenfalls von einem dreijährigen Stillhalteabkommen überzeugen. Die Einigung ist aber noch nicht unter Dach und Fach.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Der südafrikanisch-deutsche Möbelkonzern kämpft nach dem Bilanzskandal an verschiedenen Baustellen. Bleiben Sie auf dem Laufenden mit der FINANCE-Themenseite zu Steinhoff.