Gründer Willi Balz glaubt daran, dass Windreich gerettet werden kann und will zurück in die Geschäftsführung.

Windreich

22.07.14
Finanzierungen

Windreich-Gründer Willi Balz: Fragwürdige Rettungspläne

Morgen treffen sich die Gläubiger von Windreich. Gründer Willi Balz hat einen eigenen Sanierungsplan erarbeitet und glaubt fest an eine Rettung von Windreich. Er will an die Firmenspitze zurück und macht den Gläubigern große Versprechen. Doch die Bank Sarasin droht ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Am morgigen Mittwoch will Gründer Willi Balz den Gläubigerausschüssen seine selbst erstellten Berechnungen vorlegen, wie die Anteilseigner der insolventen Windreich und der Tochter FC Windenergy befriedigt werden könnten. Der Gründer gibt sich im Vorfeld ausgesprochen optimistisch: „Wenn die Großprojekte Global Tech 1 und MEG 1 verkauft werden, ist Windreich wieder auf einem guten Weg“, sagt Balz gegenüber FINANCE.

Die beiden Windparks sind auch aus Sicht der Gläubiger und des Insolvenzverwalters die wesentlichen Assets, die Windreich noch hat. Allerdings leidet die Verwertung der Windreich-Assets bislang auch unter dem verworrenen Beteiligungsgeflecht, das Balz um Windreich gesponnen hat.

Dass der Großteil der Global Tech 1-Anteile in der Vermögenssphäre von Gründer Willi Balz liegt, hatte Insolvenzverwalter Holger Blümle bereits im Frühjahr in einem internen Bericht mitgeteilt. Unklar war zu diesem Zeitpunkt, ob Balz bereit wäre, die Anteile an das Unternehmen zurück zu übertragen. Daran lässt der Gründer jetzt keinen Zweifel: „Für die Windreich-Gläubiger ist es ein echter Glücksfall, dass die Anteile noch bei mir sind. Ich werde sie im Rahmen des Insolvenzplans vollständig in die Insolvenzmasse einbringen.“

Das dürfte nun aber nicht mehr ohne Weiteres möglich sein: Wie ein Sprecher von Insolvenzverwalter Blümle erklärt, sei in der Zwischenzeit ein Insolvenzantrag gegen eine weitere Gesellschaft aus der Sphäre von Balz gestellt worden. Dabei soll es sich um die Muttergesellschaft für die Global-Tech-Beteiligungen handeln. Demnach sei Balz nicht mehr ohne Weiteres verfügungsberechtigt. Dass über das weitere Vorgehen nun ein vorläufiger Insolvenzverwalter entscheiden könne, sei aus Sicht der Kanzlei Blümles für die Gläubiger aber eher ein Vorteil.

Willi Balz: „Zum Schmollen in den Keller geschickt“

Das Projekt Global Tech 1 sieht Balz als Musterbeispiel für einen Offshore-Energiepark. Nach seinen Erwartungen soll Global Tech 1 im September Strom in das Stromnetz einspeisen – und dann im letzten Quartal des Jahres endlich verkauft werden. Balz hofft auf einen Verkaufspreis von über 175 Millionen Euro.
 
Auch für das zweite große Projekt im Offshore-Bereich, das einstige Kronjuwel MEG 1, das noch nicht so weit vorangeschritten ist wie Global Tech 1, soll auch endlich ein Käufer gefunden werden – allerdings ohne Balz, da MEG 1 zu Windreich gehört und der Gründer seit dem Insolvenzantrag im September 2013 nicht mehr das Ruder in der Hand hat. Balz ärgert sich darüber bis heute: „Ich kann den Verkaufsprozess nicht befeuern, da ich zum Schmollen in den Keller geschickt worden bin.“

Mindestens 180 Millionen Euro könne der Verkauf von MEG 1 laut Balz in die Windreich-Kasse spülen, „und das ist vorsichtig kalkuliert“, betont der Unternehmer. Es gebe Gutachten und aktuelle Marktpreise von vergleichbaren Projekten, die sogar einen doppelt so hohen Verkaufspreis rechtfertigen würden.

Allerdings setzt Insolvenzverwalter Blümle in einer vertraulichen Vermögensaufstellung im Frühjahr den Wert von MEG 1 deutlich vorsichtiger an – mit 120 Millionen Euro. Auch jetzt distanziert sich die Kanzlei gegenüber FINANCE von Balz‘ Berechnungen. Man sei sich im Ziel der bestmöglichen Verwertung der Projekte zwar einig, jedoch sei „die Marktwahrnehmung deutlich unterschiedlich“.

Windreich-Mittelstandsanleihen: Keine Prognosen für Gläubiger

Auf dem erfolgreichen Verkauf von Global Tech 1 fußen die Berechnungen, die Willi Balz mit Unterstützung von Beratern für die Zukunft von Windreich und FC Windenenergy angestellt hat. Die Tochter FC Windenergy soll alle Bankschulden in Höhe von gut 40 Millionen Euro vollständig zurückzahlen. Unter Einrechnung der Kaufpreisansprüche an Global Tech 1 und der Zweidrittel-Beteiligung an MEG 1 würden am Ende sogar 30 Millionen Euro übrig bleiben, die an die Mutter durchgereicht werden könnten, rechnet Balz vor – sofern die Verkäufe der beiden Windparks jeweils jene Summen einspielten, die Balz sich vorstellt.
 
Bei Windreich selbst sollen Sparmaßnahmen dafür sorgen, dass das Unternehmen überleben kann. Unklar bleibt allerdings in den Berechnungen von Willi Balz das Schicksal der beiden Mittelstandsanleihen. Wenn weiterhin eine Zerschlagung verfolgt würde, liege die Quote bei Null – würde er dagegen genügend Zeit für die professionelle Vermarktung der Windreich-Projekte bekommen, könnte sie am Schluss 100 Prozent betragen, glaubt Balz.

Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Blümle sagt, der Vorwurf, Blümle plane eine Zerschlagung, entbehre jeder Grundlage. Balz' Hoffnung auf eine volle Befriedigung teile Blümle nicht. Er halte dies für „eher unwahrscheinlich“, teilte sein Sprecher mit.

Willi Balz will zurück in den Chefsessel von Windreich

Willi Balz kämpft auch um sein Eigenkapital. Mehrere hundert Millionen Euro aus seinem Privatvermögen habe er eingesetzt, außerdem privat für Forderungen über 200 Millionen Euro gebürgt, rechnet der Unternehmer vor. Die Zukunft von Windreich sieht er untrennbar mit seiner Person verbunden: „Ich bin bereit, mich wieder in die Geschäftsführung einzubringen. Ich könnte erhebliche Beiträge im Rahmen einer Fortführung leisten und weit mehr erreichen, als wir von den derzeit Verantwortlichen gesehen haben.“

Aktuell steht für den Insolvenzverwalter eine Einbindung von Balz allerdings nicht zur Debatte. „Eine Einbeziehung in die Geschäftsleitung, die im Moment ausschließlich dem Insolvenzverwalter obliegt, ist aus Sicht der Insolvenzverwaltung nicht opportun“, sagt der Blümle-Sprecher. Zudem müsse Balz damit leben, dass es im Insolvenzverfahren in erster Linie um die Befriedigung der Gläubiger gehen müsse und nicht um die Entschuldung des früheren Unternehmenslenkers.

Indes: Just zum Showdown, der Gläubigerversammlung, könnten Balz‘ Zukunftsvisionen einen entscheidenden Dämpfer erhalten. Wie FINANCE aus für gewöhnlich gut informierten Kreisen erfahren hat, soll die Bank Sarasin, die auch einer der Hauptgläubiger von Windreich ist, derzeit die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Privatvermögen des Windreich-Gründers prüfen lassen. Ein gerichtlich beauftragtes Gutachten werde in den kommenden Tagen erwartet und solle klären, ob Balz noch zahlungsfähig sei.

Das Amtsgericht Esslingen wollte sich dazu nicht äußern. Balz selbst bestätigte allerdings auf Nachfrage, dass ihm dieser Vorgang bekannt sei. Sollte das Amtsgericht ein Insolvenzverfahren gegen ihn einleiten, dürfte die Energiewende auf absehbare Zeit wohl ohne Willi Balz stattfinden.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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