Die Gläubiger der Mittelstandsanleihen von Windreich sind auf die Kooperation von Willi Balz angewiesen.

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21.03.14
Finanzierungen

Windreich: Gläubiger der Mittelstandsanleihen brauchen Willi Balz (Teil 1)

Für die Gläubiger der Mittelstandsanleihen von Windreich ist die Lage nicht aussichtslos, wie ein vertraulicher Bericht des Insolvenzverwalters zeigt, der FINANCE vorliegt. Doch dafür müssen Großprojekte zügig realisiert werden – und Windreich-Gründer Willi Balz mitspielen.

Bei Windreich hat das große Aufräumen begonnen. Doch die Frage, was eigentlich wem gehört, ist auch ein halbes Jahr nach Einreichung des Insolvenzantrags immer noch alles andere als einfach zu beantworten. Das geht aus einem Bericht hervor, den Insolvenzverwalter Holger Blümle kürzlich dem vorläufigen Gläubigerausschuss übermittelt hat und der FINANCE zugespielt wurde.

Größte Gläubigergruppe des insolventen Windparkprojektierers sind die Zeichner zweier Mittelstandsanleihen mit einem Volumen von insgesamt 125 Millionen Euro. Die Papiere mit Laufzeiten bis März 2015 und Juli 2016 waren nach dem Insolvenzantrag von Windreich abgestürzt und notieren zurzeit beide bei rund 8 Prozent.

Komplexes Firmengeflecht im Hause Windreich

Es zeigt sich, dass die anfängliche Vermutung richtig war: Entscheidend für die Befriedigungsquoten der Gläubiger sind die beiden Großprojekte Global Tech 1 und MEG 1. Doch die Zugriffsrechte sind verworren, was dem komplexen Firmengeflecht geschuldet ist, das Willi Balz um die Projekte geknüpft hat. So wurden 50.000 Geschäftsanteile an dem Offshore-Windprojekt Global Tech 1 von Windreich und einer 100-prozentigen Tochter an die Zweckgesellschaft FC Wind 1 GmbH verkauft. Der Kaufpreis von rund 34,8 Millionen Euro wurde gestundet.

Das Problem: FC Wind 1 und einige weitere Zweckgesellschaften werden im Wesentlichen von der FC Consulting GmbH gehalten, deren Anteile zu 100 Prozent bei Willi Balz liegen. Windreich selbst hält dem Insolvenzverwalter zufolge „nur vollkommen untergeordnete Beteiligungen“.

Für die Gläubiger sind das schlechte Nachrichten, denn das Geld fehlt in der verwertbaren Masse: „Die Kaufpreise aus dem Verkauf wurden mehrfach gestundet und sind bis heute nicht bezahlt. Sicherheiten zugunsten der Schuldnerin bestehen nicht beziehungsweise wurden wieder freigegeben“, heißt es in dem Bericht von Insolvenzverwalter Holger Blümle aus dem Februar. Die Anteile an Global Tech 1 lägen „größtenteils bereits in der Vermögenssphäre des Herrn Balz“. Eine Rückübertragung an Windreich oder eine Bezahlung des gestundeten Kaufpreises – beides wäre wohl nur mit Balz‘ Einverständnis oder auf dem Klageweg  zu erreichen.

Kann Windreich MEG 1 noch rechtzeitig verkaufen?

Weiterer Knackpunkt für die Recovery-Aussichten der Gläubiger ist das Offshore-Projekt MEG 1. In das Windparkprojekt in der Nordsee hatte Windreich-Gründer Willi Balz bis zuletzt große Hoffnungen gesetzt und sich noch im vergangenen Jahr im Gespräch mit FINANCE darüber beklagt, er habe kurz vor Abschluss eines Verkaufs gestanden. Der rettende Deal kam aber nicht mehr zustande. Zunächst sorgten Durchsuchungen der Windreich-Büros durch die Staatsanwaltschaft für Unruhe, wenige Monate später folgte die Insolvenz.

Bereits seit dem Januar 2013 sucht dem Bericht des Insolvenzverwalters zufolge die Investmentbank Macquarie nach Eigenkapitalgebern, die Finanzierung und Konstruktion des Windparks unterstützen. Das Bankenkonsortium für die Fremdkapitalseite koordiniert die Deutsche Bank.

Erste Erfolge zeichnen sich wohl ab: Derzeit bestünden bedingte Zusagen für Eigenkapital von mehr als 500 Millionen Euro, das für das Projekt erforderliche Eigenkapital wäre dem Bericht zufolge damit vorhanden. Eine Vendor Due Diligence wurde über ein Massedarlehen des Debt-Fonds Patrimonium finanziert, der kurz vor der Insolvenz noch mit einer Brückenfinanzierung bei Windreich eingestiegen war.

Die vollständige Finanzierung („Financial Close“), die entscheidend für eine erfolgreiche Verwertung der Windreich-Anteile an MEG 1 ist, wurde allerdings durch die Insolvenz akut gefährdet. Jetzt nimmt der Zeitdruck zu, denn die Genehmigung für das Projekt durch das Bundesamt für Seeschifffahrt läuft aus. Eine Verlängerung wurde zugesagt, doch der Baubeginn für das Projekt muss noch 2014 erfolgen.

Keine einfache Situation für einen Verkauf. Und selbst im Erfolgsfall bliebe wohl für die unbesicherten Gläubiger nicht allzu viel übrig: Die Geschäftsanteile am Projekt MEG 1 dienen mehreren Schuldnern, allen voran der langjährigen Windreich-Hausbank J. Safra Sarasin, als Sicherheit für ihre Forderungen. Für die freie Masse kalkuliert Blümle bei einem angenommenen Verkaufspreis von 120 Millionen Euro nur mit einem Zufluss von 11,67 Millionen Euro. Die Abschlussprovision des Equity Arrangers Macquarie über bis zu 14 Millionen Euro könnte diese Summe weiter schmälern.

Was bleibt für die Gläubiger?

Folge: Allein durch die Fertigstellung von MEG 1 und die Verwertung der Anteile an Global Tech 1 „dürfte eine Gesamtrestrukturierung nach allgemeiner Meinung nicht möglich sein“, konstatiert Blümle in seinem Bericht. Der Insolvenzverwalter setzt daher auch auf eine Verwertung der Onshore-Anlagen und will neues Kapital in die Gruppe holen. Nur durch Zuflüsse von Drittmitteln oder die Möglichkeit, mit Zustimmung der Gläubiger Gelder aus Projektverkäufen nutzen zu können, sei eine nachhaltige Restrukturierung möglich. Zu diesem Zweck bringt Blümle auch einen möglichen Debt-Equity-Swap der Anleihegläubiger ins Spiel.

Doch alle weiteren Wege zur Erschließung neuer Geldquellen lassen sich aktuell nur schwer beschreiten, da immer noch unklar ist, welche Werte – neben den beiden Großprojekten in der Nordsee –  noch in der Windreich-Gruppe schlummern. Die Werthaltigkeit der Onshore-Projekte lässt Blümle zurzeit beurteilen. Der Insolvenzverwalter rechnet beim Vermögensansatz von Windreich bewusst konservativ: Die Abhängigkeiten der zahlreichen Forderungen und die Vernetzungen mit der Vermögenssphäre von Willi Balz könnten „noch nicht annähernd abschließend beurteilt werden.“

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Lesen Sie im zweiten Teil, warum es bei Windreich bergab ging, welche Managementfehler gemacht wurden und wie es mit Windreich weitergehen soll.

Alles über die Entwicklungen im Unternehmen und den Gang in die Insolvenz sowie ein Interview mit Willi Balz finden Sie auf unserer Themenseite zu Windreich.