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Die Rückkehr des Restrukturierers: Ziems soll Leoni retten

Hans-Joachim Ziems wird neuer CRO der Leoni AG
Leoni stellt in Jining Kabelsätze und Bordnetz-Systeme für den chinesischen Automobil-Markt her. Foto: Leoni AG

Leoni holt alten Bekannten an Bord: Der angeschlagene Automobilzulieferer beruft den bekannten Sanierungsexperten Hans-Joachim Ziems als Chief Restructuring Officer (CRO) in den Vorstand. Er soll die erforderliche Anpassung des Refinanzierungskonzepts und dessen Umsetzung vorantreiben. Dies war nach dem gescheiterten Verkauf der Business Group Automotive Cable Solutions (BG AM) notwendig geworden. Ziems war bereits von April 2020 bis März 2021 CRO von Leoni.

Ursprünglich sollte die BG AM Ende 2022 an die thailändische Stark Corporation Public Company für rund 442 Millionen Euro verkauft werden. Der Deal war ein wesentlicher Aspekt von Leonis Refinanzierungskonzept, mit dem Erlös sollte ein Teil der Schulden getilgt werden. Doch Stark hatte Mitte Dezember überraschend das Closing des Deals verweigert und damit die geplante Restrukturierung in Gefahr gebracht. Leoni prüft derzeit rechtliche Schritte gegen Stark.

Ziems gilt als Sanierungsexperte

Mit Ziems gewinnt der in Nürnberg ansässige Automobilzulieferer einen ausgewiesenen Sanierungsexperten, der in der Restrukturierungsbranche einen exzellenten Ruf genießt. Zu seinen erfolgreichen Sanierungsfällen gehören unter anderem die Werkstattkette A.T.U und den Holzverarbeiter Pfleiderer. Hinzu kommt: Ziems wird keine Einarbeitungszeit brauchen, da er das Unternehmen aus seiner ersten Amtszeit schon kennt.

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Das ursprüngliche Refinanzierungskonzept sah vor, dass ein Teil der Schulden in Aktien umgewandelt wird und ein anderer Teil mit dem Erlös aus dem BG AM-Verkauf getilgt werden sollte. Ziems wird nun ein Konzept erarbeiten müssen, das ohne diese Verkaufserlöse auskommt. Denn selbst wenn sich in Kürze ein neuer Käufer für die BG AM fände, der Verkaufsprozess würde vermutlich mehr Zeit brauchen als Leoni bleibt.

Ziems muss neues Refinanzierungskonzept erarbeiten

Wie die neue Refinanzierung aussehen könnte und ob Leoni auf der Suche nach einem neuen Käufer der BG AM ist, wollte das Unternehmen auf FINANCE-Nachfrage nicht beantworten. Aktuell hängt Leoni am Tropf der Konsortialbanken, die die ursprünglich zum 31. Dezember fälligen Kreditlinien prolongiert hatten.

Leoni steckt seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. Zu hausgemachten Problemen kamen die Folgen der Corona-Pandemie hinzu. Staatshilfen sicherten damals die Finanzierung, die zum Jahreswechsel refinanziert werden sollte. Der Ukraine-Krieg war ein weiterer Schlag ins Kontor. Leoni hat dort zwei Produktionsstätten für Kabelbäume, teilweise waren die Lieferketten unterbrochen.

An der Börse wurde die Berufung Ziems positiv aufgenommen. Der Aktienkurs legte am Montag leicht zu.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.

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