Rewe

26.01.18
Finanzierungen

Rewe will vom Schuldschein-Boom profitieren

Rewe-CFO Christian Mielsch will das gute Kapitalmarktumfeld nutzen und über einen neuen Schuldschein bis zu 1 Milliarde Euro einsammeln. Bemerkenswert: Der CFO sieht Grund zur Eile.

Der Handels- und Touristikkonzern Rewe hat Banken damit beauftragt, frisches Kapital für einen neuen Schuldschein einzusammeln. Das hat das Unternehmen auf Nachfrage bestätigt, nachdem die „Lebensmittelzeitung“ zuerst darüber berichtet hatte.

Laut des Berichts will Rewe-CFO Christian Mielsch über den Schuldschein mindestens 500 Millionen Euro einspielen. Der Finanzchef hoffe jedoch, bei großer Nachfrage mehr als 1 Milliarde Euro bei Investoren einzusammeln. Den Investoren bietet Rewe Laufzeiten von drei, fünf, sieben und zehn Jahren an. Ausgezahlt werden soll das Darlehen Ende Februar. 

Rewe setzt auf den Marktführer LBBW

Bis dahin hat der aktuelle Schuldschein-Marktführer Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zusammen mit der DZ Bank, BNP Paribas und Unicredit Zeit, um Investoren zu mobilisieren, was im aktuellen Marktumfeld keine große Herausforderung darstellen dürfte.

Die frischen Gelder sollen für die allgemeine Unternehmensfinanzierung verwendet werden. Gegenüber der „Lebensmittelzeitung“ verwies der Rewe-Finanzchef auf die Weiterentwicklung des stationären Geschäfts und die digitale Transformation. 

Rewe stößt mit Schuldschein in neue Dimension vor

Dr. Christian Mielsch, Rewe Group

Nach seinem Studium an der Universität Dortmund und Hagen beginnt Christian Mielsch seine berufliche Laufbahn bei McKinsey in Düsseldorf. Nach vier Jahren wechselt er zu Bertelsmann nach München.

1997 beginnt er seine Karriere in der Einzelhandelsbranche als Bereichsleiter Controlling bei Metro Cash&Carry International. Christian Mielsch ist bis 2012 für Metro Cash&Carry tätig, unter anderem als CFO von Metro Cash&Carry Deutschland und International. Zuletzt ist er COO für die Region Central East Europe.

Im Anschluss daran wird Christian Mielsch im September 2012 zum CFO des Handels- und Touristikkonzerns Rewe berufen.

zum Profil

Neuland ist der Schuldscheinmarkt für Mielsch nicht, der neue Schuldschein würde jedoch in eine für Rewe neue Dimension vorstoßen. Sein Schuldschein-Debüt gab Rewe im Dezember 2014 mit einem nur 300 Millionen Euro kleinen Schuldschein. Diesen hatte Mielsch noch in einer einzelnen Tranche mit einer ungewöhnlich kurzen Laufzeit von drei Jahren platziert. Das Papier wurde laut eines Pressesprechers allerdings schon im November 2016 vorzeitig zurückgezahlt.

Mit dem neuen Schuldschein würde Mielsch die Finanzschulden schlagartig stark ansteigen lassen. Laut eines Pressesprechers betrugen die Nettofinanzschulden von Rewe Ende 2016 rund 650 Millionen Euro, was im Wesentlichen Schulden aus dem Finanzierungsleasing, Bankverbindlichkeiten und sonstige Darlehen wie das German Private Placement aus dem Jahr 2014 seien. Nach eigenen Angaben erwirtschaftete Rewe 2016 mit 45,6 Milliarden Euro Umsatz einen Gewinn vor Zinsen, Steuern (Ebitda) und Abschreibungen von 2 Milliarden Euro. Rewe habe dabei allerdings von einem steuerlichen Sondereffekt in Höhe von 470 Millionen Euro profitiert. Die aktuellen Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 hat Rewe bisher noch nicht veröffentlicht.

Rewe-CFO fürchtet steigende Zinsen

„Wir sehen zu Beginn des Jahres erste Anzeichen, die für eine Trendwende auf dem Finanzmarkt sprechen"

Christian Mielsch, CFO Rewe-Group

Seit Rewes Schuldschein-Debüt im Jahr 2014 ist der Schuldscheinmarkt rasant gewachsen, und Milliarden-Emissionen sind keine Seltenheit mehr. Mit Blick auf die guten Zinskonditionen kommen Mielsch jedoch erste Bedenken. „Wir sehen zu Beginn des Jahres erste Anzeichen, die für eine Trendwende auf dem Finanzmarkt sprechen“, sagt Mielsch. Daher habe man sich entschieden, das günstige Zinsumfeld jetzt zu nutzen. 

Die Reaktion der Investoren auf die Rewe-Emission könnte auch interessante Rückschlüsse auf die Verfassung des Schuldscheinmarktes liefern. Zuletzt hatten die schlechten Nachrichten des stark ausfallgefährdeten Schuldscheinemittenten Steinhoff und des bereits insolventen Baukonzerns Carillion die Stimmung am Markt getrübt.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de