Steinhoff

17.01.18
Finanzierungen

Steinhoff: Verhandlungen über rettende Finanzspritze gehen voran

Der angeschlagene Möbelriese Steinhoff versucht sich FINANCE-Informationen zufolge Luft mit einer Rettungsfinanzierung zu verschaffen. Die Summe von 200 Millionen Euro steht im Raum. Auch ein wichtiges Strukturmerkmal steht wohl schon fest.

Das Möbelunternehmen Steinhoff ist dabei, eine Rettungsfinanzierung für den Konzern zu arrangieren. Mehrere unabhängige Quellen, die mit dem Fall betraut sind, haben dies FINANCE im Rahmen einer Recherche für die kommende  Printausgabe bestätigt. Der Abschluss der dringend notwendigen Finanzspritze könnte schon kurzfristig erfolgen. Mit Hochdruck arbeiten daran die neue Führung um den kürzlich berufenen CFO Philip Dieperink und deren Berater, die Investmentbank Moelis und die Kanzlei Linklaters.

Finanzspritze für Steinhoff käme über Südafrika

Die Brückenfinanzierung umfasst offenbar rund 200 Millionen Euro und soll der Steinhoff Afrika von dortigen Banken gewährt werden (Update um 15 Uhr). Im Anschluss werde dieses Geld dann an die Steinhoff Europe transferiert, erklärten die Quellen gegenüber FINANCE.

Dies habe einen klaren Vorteil, hat FINANCE aus Beobachterkreisen erfahren: Bestehende Gläubiger, die Kredite, Anleihen und Schuldscheine zur Verfügung gestellt haben, müssten im Zuge einer Südafrika-Lösung keine Sicherheiten abgeben, wie das bei einer neuen vorrangigen Kreditlinie („Super Senior Loan“) der Fall  wäre. Die Rettungsfinanzierung ließe sich damit auch kurzfristig umsetzen. Steinhoff wollte sich zu den konkreten Fragen nicht äußern und verwies auf bereits veröffentlichte Pressemitteilungen des Konzerns.

Steinhoff will sich Zeit für M&A-Deals erkaufen

Neue Finanzmittel könnten dem im MDax notierten Möbelkonzern Zeit verschaffen, die geplanten Unternehmensverkäufe zu realisieren. Diese sind nötig, weil Steinhoff allein im Jahr 2018 Verbindlichkeiten von mehr als 1,5 Milliarden Euro tilgen muss. Doch schon jetzt steht die Gruppe wegen drohender Liquiditätsengpässe mit dem Rücken zur Wand. Bei Notverkäufen – zum Beispiel bei zwei Immobilien in Wien, die an den österreichischen Investor René Benko („Karstadt“) gingen, musste Steinhoff deutliche Kaufpreisabschläge hinnehmen.

Grund dafür ist, dass die Gläubiger Druck machen und immer wieder Zahlungen fällig sind. Kreditgebende Banker fürchten um ihre Engagements und sollen laut Marktkreisen verkaufsbereit sein. Am Sekundärmarkt handeln Steinhoff-Kredite nach Angaben des Restrukturierungsberaters One Square Advisors zwischen 40 und 50 Prozent des Nominalbetrags. 

Bilanzmanipulationen nur Spitze des Eisbergs?

In die Wandelanleihen von Steinhoff haben sich bereits in hohem Maße Hedgefonds eingekauft, die auf eine Wertaufholung hoffen, wenn sich die Finanzlage Steinhoffs stabilisiert.

Die große Unbekannte bei den aktuellen Rettungsbemühungen und den Spekulationen auf eine Lösung der Finanzprobleme ist die Frage, ob die bisher bekannten Bilanzmanipulationen nur die Spitze des Eisbergs sind. Kämen weitere Finanzlöcher oder Bilanzierungsfehler ans Tageslicht, könnten die kurzfristigen Bemühungen um eine Finanzspritze schnell Makulatur sein.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Weitere Erkenntnisse zur Krise bei Steinhoff erfahren Sie in der kommenden Printausgabe von FINANCE, die am 26. Januar erscheint, und auf unserer FINANCE-Themenseite zu Steinhoff.