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So hat Corona die Beziehung zwischen Bank und Unternehmen verändert

Die Eröffnungsdiskussionsrunde der diesjährigen SF. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn & B. Hartung
Die Eröffnungsdiskussionsrunde der diesjährigen SF. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn & B. Hartung

Die Corona-Pandemie hält CFOs, Treasurer und Finanzdienstleister weiterhin in Atem – das verändert auch die Beziehung zwischen Banken und Unternehmen sowie deren Finanzierungsstrategie. Wie kann diese aussehen? Darüber diskutieren sechs Experten auf der Eröffnungsdiskussion auf der diesjährigen hybriden Structured Finance.

Mit dabei waren Johannes Anschott, Vorstand bei der BayernLB, Ulf Loleit, Senior Vice President Corporate Finance & Corporate Controlling bei ZF Friedrichshafen, Sara Hennicken, SVP Global Treasury & Corporate Finance bei Fresenius & Fresenius Medical Care, Kai Ostermann, Vorsitzender des Vorstands bei der Deutschen Leasing, Lars Mosdorf, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor beim Flughafen Düsseldorf, und Stephan Ortolf, Bereichsleiter Zentralbereich Firmenkundengeschäft bei der DZ Bank.

Coronakrise: Kernbanken blieben an Bord

Alle Experten sind sich einig, dass sich während der Hochphase der Krise vor allem langfristige Beziehungen zwischen Corporates und Banken ausgezahlt haben. „Wir hatten einen Umsatzeinbruch von 98 Prozent innerhalb weniger Tage. Wir mussten quasi von Null an beginnen“, erinnert sich Lars Mosdorf vom Flughafen Düsseldorf. „Die Kernbanken, mit denen wir schon lange arbeiten, standen währenddessen zu uns. Neue Akquisitionen waren dagegen so gut wie unmöglich.“

Lars Mosdorf. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn & B. Hartung

Auch Ulf Loleit von ZF Friedrichshafen kennt die schwierige Lage, insbesondere da Automotive ein Bereich war, der besonders unter der Krise litt. „Im April 2020 hatten wir einen Umsatzeinbruch von zwei Drittel.“ Die schwierige Situation hätten auch die Banken wahrgenommen. „Ein paar Häuser hatten die Tendenz, mit Branchenlimiten zu arbeiten.“ Dennoch arbeitet ZF mit den allermeisten Kernbanken weiterhin zusammen.

„Man muss verstehen, ob es nur die Sondersituation war oder das Bankhaus weiterhin ein verlässlicher Partner ist“, gibt er zu bedenken. „Die Coronakrise war eine gute Gelegenheit, um zu sehen, wo beide Parteien stehen.“

Nach Corona: Beziehungen werden überdacht

Auch Sara Hennicken von Fresenius hat Bankbeziehungen unter die Lupe genommen: „Erstmal schaffen wir Transparenz für uns selber. Danach schauen wir, in welchen Regionen wir welche Leistungen brauchen und welche Bank dafür infrage kommen würde“, berichtet sie von ihren Erfahrungen während der Pandemie.

Stephan Ortolf. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn & B. Hartung

Dabei würde es auch hin und wieder mal zu kritischen Diskussionen kommen, insbesondere dann, „wenn Banken eine Strategieveränderung einschlagen“, meint sie. Auch das hat Hennicken in der Krise erlebt. „Dann muss man schauen, ob die Beziehung weiterhin noch Sinn macht.“ Fresenius fährt die Strategie – allerdings nicht nur wegen Corona – sich bankenunabhängiger aufzustellen. Dabei geht der Gesundheitskonzern stärker in Richtung Kapitalmarkt.

Für Banken ist Transparenz wichtig

Und wie haben die Banken die Beziehung zu den Unternehmen in der Krise erlebt? Stephan Ortolf von der DZ Bank betont, dass es aufseiten der Bank zentral sei, alle relevanten Informationen des Unternehmens zeitnah zu erhalten. „Das schafft Vertrauen, das besonders wichtig in der Krise ist.“ Beim Produktpaket, auch „Wallet“ genannt, legt die DZ Bank mit ihren Kunden vor allem auf Transparenz Wert. „Hier weiß jeder, woran er ist.“ Wenn eine Beziehung mit dem Kunden beendet werden müsste, sei aber eher das Risikomanagement aufseiten der Bank und nicht die Profitabilität des Kunden der ausschlagegebende Punkt – allerdings passiere das äußerst selten, betont er.

Auch Anschott von der BayernLB meint, dass gerade Transparenz in der Krise enorm wichtig war. Aus Bankensicht war es wichtig, weiterhin lieferfähig zu sein.

Die Lage bei Leasinganbietern sieht etwas anders aus, wie Kai Ostermann von der Deutschen Leasing erklärt. „Die Unterschiede zu Banken ergeben sich in unserem Geschäftsmodell: Wir haben viel stärker Bezug zu einem Asset und haben komplett andere Dienstleistungen, die bepreist werden.“

Dennoch spürte man auch im Leasing-Geschäft die Krise: „Es ist nicht so, dass im Leasing alles schöner ist. Dennoch ist der Markt seit einigen Jahren stabil.“ Gerade der Automobilsektor sei ein gutes Beispiel, dass es viele Graustufen bei der Begleitung des Geschäfts gibt. „Es gibt viele Finanzierungssituationen, die man gut begleiten kann.“

Sarah Hennicken. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn & B. Hartung

Beziehung von Banken und Corporates ist in Balance

Wie werden Beziehungen zwischen Finanzdienstleistern und Unternehmen zukünftig aussehen? Ulf Loleit von ZF Friedrichshafen meint: „Wir schauen besonders darauf, dass Banken im FX-Geschäft und im Cash Management wettbewerbsfähig sind. Deshalb rotieren wir zum Beispiel auch oft bei unserer Bankauswahl für Anleiheplatzierungen.“ Bei den jüngsten Anleiheplatzierungen legte der Autozulieferer dabei zum Beispiel die Priorität bei der Rotation der Mandate auf die Underwriter. „Wir schauen, wo es wirklich Sinn macht, mit der Bank zusammen zu arbeiten. Dabei geht es um die Profitabilität und das Profil der Bank.“

Lars Mosdorf vom Flughafen Düsseldorf nimmt als Learning mit: „Wir müssen uns unterschiedlich aufstellen, das kriegen wir durch Gespräche mit Kernbanken raus.“ Auch eine neue Strategie bei der Finanzierung könnte dazugehören – etwa weg von BAW-Finanzierungen hin zu RFCs. Auch DZ Banker Stephan Ortolf meint: „Jetzt braucht es ab und an einen harten Einschnitt, um den Zyklus (BAW zu RCF) in eine andere Richtung ausschlagen zu lassen.“

Alle Podiumsteilnehmer sind der Meinung, dass die Balance zwischen Unternehmen und Banken trotz Krise in der Summe stimmt. In Zukunft könnten „Corporates wieder mehr Vorteile im Kreditgeschäft bekommen“, glaubt Stephan Ortolf. Laut Lars Mosdorf müsse man nun Zukunftsthemen anpacken. Für den Flughafen steht gezieltes Investieren auf der Agenda, besonders im Bereich Green Finance. Ostermann von der Deutschen Leasing glaubt, dass die Balance in den nächsten Monaten auf die Probe gestellt wird: „Große Investitionen – etwa in die Digitalisierung – stehen an.“

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.