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So lebte Ex-Wirecard-Chef Markus Braun

Refugium für einen Asketen: Markus Brauns Chalet am Kitzbüheler Südhang.

Von außen wirkt das Haus am Ende einer Sackgasse für eine Millionärsvilla fast schon unspektakulär. Erst im Inneren offenbart das im traditionellen Tiroler Stil gebaute Chalet seine Geheimnisse. Eins davon: Unspektakulär ist in dieser Holzhütte so gut wie nichts. Auf rund 500 Quadratmetern Wohnfläche, verteilt auf dreieinhalb Stockwerke, finden sich ein exklusiver Weinkeller, ein Schwimmbad, ein Fitnessraum sowie vier Schlafzimmer.

Treppen gibt es zwar, aber laufen müssen die Bewohner nicht unbedingt – ein eingebauter Aufzug macht‘s möglich. Besitzer des Hauses ist Ex-Wirecard-Chef Markus Braun. Bis zu seiner Verhaftung hielt er sich in den vergangenen Jahren regelmäßig in seinem Chalet auf.

Im österreichischen Nobelkurort Kitzbühel stehen hochpreisige und luxuriöse Immobilien im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Ecke. Hier haben unter anderem die BMW-Erbin Susanne Klatten, der ehemalige Hugo-Boss-Chef Werner Baldessarini und Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler ihren Zweitwohnsitz. Doch das Braun’sche Chalet hat selbst in diesem High-Society-Dorf etwas Abgehobenes.

Da ist zum einen die Lage am Südhang des Kitzbühler Horns, dem Filetstück des Kitzbüheler Immobilienmarkts. Von hier aus bietet sich eine spektakuläre, unverbaute Aussicht über das Leukental. Bei gutem Wetter reihen sich die Gipfel von Brechhorn, Schwarzkogel und Staffkogel nebeneinander auf. Man kann gut nachvollziehen, dass der Skifahrer Markus Braun gerade dieses Haus unbedingt besitzen wollte. Von unten aus betrachtet, thront das noble Holzhaus am „Sonnenhang“ erhaben und scheinbar unangreifbar über dem Tal.

FINANCE konnte den Grundriss und die Räumlichkeiten anhand von Bilddokumenten, die eine Person im Inneren des Chalets aufgenommen hat, und durch Gespräche mit Kennern der Immobilie nachvollziehen. Die Einrichtungsgegenstände orientieren sich am amtlichen Pfändungsprotokoll, bei den im folgenden genannten Preisen handelt es sich, wenn nicht anders angegeben, um Neupreise.

Brauns Chalet: Relevant für die Insolvenzmasse

Irgendwann wird dieses Luxus-Domizil auch wieder auf den Markt kommen. Die Wirecard-Gläubiger – institutionelle wie private – setzen derzeit alles daran, Brauns Vermögen festzusetzen. Das Chalet in Kitzbühel gehört zu den größeren Vermögenswerten des inhaftierten Managers und könnte dabei viel Geld in die Insolvenzmasse spülen, aus der Insolvenzverwalter Michael Jaffé die Ansprüche der Geschädigten befriedigen muss.

Konkret geht es um einen signifikanten zweistelligen Millionenbetrag. Schon 2018 taxierte Engel & Völkers die Preise von Top-Immobilien in Kitzbühel auf bis zu 30 Millionen Euro. Seither haben die Immobilienpreise weiter angezogen. Wie aus dem Kaufvertrag hervorgeht, der FINANCE vorliegt, hat Braun vor acht Jahren aber deutlich weniger für sein Nobel-Chalet bezahlt.

100 Quadratmeter allein fürs Wohnzimmer

Demnach hat der damalige Erfolgsmanager das Haus für 11,7 Millionen Euro erworben. Dies deckte allerdings nur den Rohbau ab. Das rustikale Interior ließ Braun von dem Kitzbühler Innenarchitekten Bernd Gruber gestalten. Kostenpunkt für Beratung und Einrichtung: gut 370.000 Euro. Entstanden ist ein Wohlfühlort, der keine Wünsche offenlässt – der perfekte Platz, um sich von unbequemen Wahrheiten und übelmeinenden Shortsellern zurückzuziehen.

Grubers Meisterstück ist der Wohnbereich, der sich allein auf mehr als 100 Quadratmetern über den Großteil des Erdgeschosses ausdehnt – damit ist allein Brauns Wohnzimmer doppelt so groß wie die durchschnittliche Zwei-Zimmer-Wohnung in Deutschland.

Auch die Raumhöhe ist verschwenderisch. Durch einen Kunstgriff des Architekten öffnet sich das Loft bis nach oben zum Dach und wirkt dadurch wie ein riesiges Zelt. Die in das Loft integrierte Galerie komplettiert den feudalen Eindruck.

In Brauns Weinkeller lagert der „legendärste Wein der Welt“. 

Wein für mehr als 100.000 Euro

Einen Stock tiefer befindet sich ein großes Schwimmbecken, in dem Braun seine Bahnen ziehen konnte, daneben ein großzügiger Wellnessbereich mit teilverglaster finnischer Sauna und Dampfbad. Auf der Südseite sind auch drei weitere Schlafzimmer angesiedelt, alle mit Terrasse und eigenem Bad.

Diese wurden auch genutzt: Ende 2016 lud der Manager zum Beispiel die drei damaligen Gesellschafter des Münchener Privatclubs „Hearthouse” zu sich nach Österreich ein. Später gewährte er den Clubbesitzern einen Privatkredit über 1 Million Euro. Auch der damalige Musikmanager Philip Ginthör sowie der ehemalige Pharma-Manager Helmut Essl waren Brauns Privatgäste. Essl ist wiederum ein Freund von Alexander Schütz, der ebenfalls am Sonnenhang ein Chalet besitzt und beruflich wie finanziell schwere Folgen durch die Wirecard-Pleite erlitt.

Tief unten im Inneren des Hauses befindet sich ein Weinkeller mit vorgelagerter Bar, der selbst für Kitzbüheler Verhältnisse exquisit ist. Hier lagern nach wie vor edelste Tropfen aus den besten Anbaugebieten der Welt. Darunter befinden sich unter anderem eine Holzkiste mit sechs Flaschen Grand vin de Lafite Rothschild 2009 (1.000 Euro pro Flasche) und eine Flasche Chateau Latour 2005 Pauillac (990 Euro). Teuerste Einzelflasche in Brauns Weinsammlung ist ein Petrus Pomerol 2004 für rund 3.000 Euro, der laut Weinhändlern zu den „legendärsten Weinen der Welt“ zählt. Experten schätzen alleine den Wert des Weinkellers auf mehr als 100.000 Euro.

Ausschenken konnte der vermeintliche Asket Braun die edlen Tropfen mit einen handgefertigten Wein-Dekanter, dessen Wert auf 2.500 bis 4.500 Euro geschätzt wird. Auch die Dekoration ist hochwertig: Das handgefertigten Schach-Set von Giobanara kostet neu rund 1.300 Euro.

Keine Versteigerung mehr in diesem Jahr

Ob und wann das luxuriöse Holzhaus unter den Hammer kommt, ist allerdings noch vollkommen offen. „Da die Staatsanwaltschaft München hier nur vorläufige Sicherungsmaßnahmen einleiten kann, ist zunächst das Ergebnis des Strafverfahrens gegen Markus Braun abzuwarten“, sagt der Gläubigeranwalt Jochen Weck von der Kanzlei Roessner. Wann dieses Verfahren beginnt, sei aktuell aber noch nicht absehbar. „Und wenn es begonnen hat, wird es sicherlich lange dauern“, fürchtet Weck.

Erst wenn Braun verurteilt wurde, kann die Staatsanwaltschaft das gesicherte Vermögen auch verwerten. Neben einer Zwangsversteigerung der Immobilie wäre dann auch ein sogenannter freihändiger Verkauf möglich, meint Weck. Aber selbst bei einer Nichtverurteilung von Markus Braun würden die eingeleiteten vorläufigen Sicherungsmaßnahmen greifen. „Dann müssten wir allerdings zunächst einen endgültig vollstreckbaren Titel gegen Herrn Braun erwirken. Auch das würde sicherlich zwei bis drei Jahre dauern.“

Neben dem Chalet in den Tiroler Alpen besitzt Braun noch weitere wertvolle Immobilien im München, Wien und Südfrankreich.

redaktion[at]finance-magazin.de

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Dies ist ein Teil unserer laufenden Enthüllungsserie. Alle Artikel finden Sie auf unserer Spezialseite zu den „Wirecard Files“. Mehr News und Hintergründe zum Wirecard-Skandal gibt es auf der FINANCE-Themenseite zu Wirecard, alle aktuellen Entwicklungen in unserem Wirecard-Ticker.

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