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Mehr Insolvenzen zum Jahresstart

Der neue Insolvenz-Report zeigt, dass zum Jahresstart wieder mehr Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt haben. Foto: conceptcafe – stock.adobe.com
Der neue Insolvenz-Report zeigt, dass zum Jahresstart wieder mehr Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt haben. Foto: conceptcafe – stock.adobe.com

2022 beginnt mit einem Anstieg der Insolvenzen: Im ersten Quartal dieses Jahres beantragten 29 Unternehmen ein Insolvenzverfahren. Das sind nicht nur rund ein Drittel mehr Anträge als im Vorjahresquartal, sondern bereits fast die Hälfte der gestellten Anträge im gesamten vergangenen Jahr, in dem 69 Anträge eingereicht wurden. Dennoch liegt das derzeitige Niveau noch deutlich unter dem Höchstwert der Corona-Pandemie mit 62 Anträgen im zweiten Quartal 2020. 

Die Hauptgründe für die Insolvenzen sollen Umsatzrückgänge infolge der Corona-Lockdowns und altbekannte Branchenprobleme sein. Das geht aus dem aktuellen FINANCE-Insolvenz-Report hervor, für den die Restrukturierungsberatung Falkensteg exklusiv für FINANCE die Großinsolvenzen von Unternehmen mit einer Umsatzgröße ab 20 Millionen Euro auswertet.  

Ukraine-Krieg zeigt sich noch nicht bei Insolvenzfällen  

Ein genauerer Blick in die einzelnen Monate des ersten Quartals offenbart allerdings, dass die Zahl der Insolvenzanträge rückläufig ist. „Die Unternehmer hetzen derzeit von einer Krise in die andere und müssen Lieferkettenabbrüche beseitigen sowie steigende Kosten für Vorprodukte und Energie kompensieren. Dabei rückt die Zahlungsunfähigkeit und damit ein Antragsgrund schon mal aus dem Sichtfeld“, erklärt Studienautor Jonas Eckhardt, Partner bei Falkensteg, die von Monat zu Monat sinkenden Fallzahlen. Nach zehn und 13 Anträgen im Januar und Februar gab es im März – nach Beginn des Ukraine-Kriegs – lediglich sechs Fälle.  

„Die Unternehmer hetzen derzeit von einer Krise in die andere und müssen Lieferkettenabbrüche beseitigen sowie steigende Kosten für Vorprodukte und Energie kompensieren.“

Jonas Eckhardt, Partner bei Falkensteg

Die Folgen des Kriegs wird man laut Falkensteg in der Insolvenzstatistik erst im zweiten Halbjahr sehen – und dann gegebenenfalls stärker als bisher. Insbesondere die höheren Preise für Energie und Vorprodukte sowie Lieferkettenabbrüche belasten die Kostenseite der Unternehmen und dürften die Insolvenzzahlen in den nächsten Monaten weiter anschwellen lassen. Dann könnte es vor allem Energieunternehmen treffen – die ersten Anzeichen dafür sind da. 

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Mit vier Insolvenzen führen sie die Statistik im ersten Quartal 2022 an. Zum Vergleich: Im ganzen vergangenen Jahr gingen lediglich zwei Energieunternehmen in die Insolvenz. „Vor allem Energieversorger, die auf kurzfristigen Einkauf anstatt auf eine langfristige Absicherung setzten, müssen nun teuer Energie beschaffen. Diese Preise lassen sich allerdings wegen der langlaufenden Vertragslaufzeiten nicht an die Verbraucher weitergeben“, heißt es laut der Restrukturierungsberatung Falkensteg. Dass die meisten Insolvenzen aktuell aus der Energiebranche kommen, zeigt sich allerdings jetzt zum ersten Mal.  

Insolvenzantrag: zweite Chance wird schwieriger 

Auffällig ist auch: Für Unternehmen wird der Neustart immer schwieriger. Mit Blick auf die Verfahrensausgänge zeigt sich, dass lediglich 27 der insgesamt 73 Großinsolvenzen aus 2021 beendet werden konnten. Das heißt, im ersten Quartal konnten nur sieben Unternehmen mehr gerettet werden als noch zum vierten Quartal 2021. Die Rettungsquote liegt demnach bei 36 Prozent, im Vorjahr betrug sie noch 56 Prozent.  

In 19 Fällen hat eine übertragende Sanierung in Form eines Asset Deals den Unternehmen eine Zukunftsperspektive eröffnet, in weiteren acht Fällen haben sich die Antragsteller über einen Insolvenzplan saniert. 19 Verfahren – ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorquartal – endeten mit der Liquidation des Unternehmens oder der Anzeige von Masseunzulänglichkeit.  

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de 

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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