Debt-Advisory-Spezialist Pierre Schmidt verstärkt Falkensteg
Die Transformationsberatung Falkensteg baut ihr Debt Advisory aus: Pierre Schmidt hat zum Oktober als Partner die Leitung der noch jungen Sparte übernommen. Das gab das Haus in einer Mitteilung bekannt. Er bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung von Ernst & Young, PwC, der Berliner Bank und der IKB mit. Zuvor baute Schmidt bei EY das Debt-Advisory-Team in der DACH-Region auf und betreute Wachstumsfinanzierungen, Infrastrukturprojekte sowie Restrukturierungen.
Die Spezialisierung auf Debt Advisory folgt einem Markttrend: Banken agieren selektiver, alternative Finanzierungsquellen gewinnen an Bedeutung, und viele Unternehmen benötigen im aktuellen Umfeld Unterstützung bei Neufinanzierungen und Umstrukturierungen ihrer Fremdkapitalquellen. Mit Schmidt setzt Falkensteg auf die Verzahnung von Restrukturierung und Corporate Finance, um Mandanten entlang der gesamten Transaktions- und Finanzierungskette zu beraten. Jonas Eckhardt übergibt die bisherige Verantwortung für Debt Advisory und konzentriert sich auf sein bestehendes M&A-Geschäft.
Rödl bündelt Restrukturierungskompetenz
Steigende Insolvenzzahlen, schwache Nachfrage und tiefgreifender Transformationsdruck prägen derzeit die deutsche Wirtschaft. Auf diesen wachsenden Restrukturierungsbedarf reagiert das Beratungshaus Rödl eigenen Angaben zufolge und bündelt künftig seine Kompetenzen aus Betriebswirtschaft, Recht, Steuern und internationaler Beratung in einer neuen, fachübergreifenden Struktur: dem „Center of Excellence Restructuring & Turnaround“. Dessen Leitung übernehmen die Partner Lars Richter, Head of Business Recovery Services, und Georg Abegg.
Ein besonderer Schwerpunkt soll auf der Automobil- und Automobilzulieferindustrie sowie grenzüberschreitenden Restrukturierungen ganzer Unternehmensgruppen liegen. Dafür will Rödl auf spezialisierte Turnaround-Teams in Spanien, Portugal, Frankreich, Italien, Tschechien, Rumänien und Polen zurückgreifen. So sollen die jeweiligen Maßnahmen unter Berücksichtigung der lokalen Rahmenbedingungen aufeinander abgestimmt und in ein länderübergreifendes Gesamtkonzept überführt werden.
Solar-Anbieter Energiekonzepte Deutschland ist insolvent
Sechs Unternehmen der Energiekonzepte Deutschland (EKD)-Gruppe haben beim Amtsgericht Leipzig Insolvenzanträge gestellt. Die siebte Gesellschaft, die ES Energiesysteme aus Edermünde, soll in Kürze folgen. Das Gericht bestellte Lucas F. Flöther (Flöther & Wissing) zum vorläufigen Insolvenzverwalter aller sechs Gesellschaften. Mit rund 350 Beschäftigten gehört die EKD-Gruppe zu den großen deutschen Anbietern für intelligentes Energiemanagement und montiert Solaranlagen, Stromspeicher und Wallboxen. Seit der Gründung verkaufte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge mehr als 45.000 Systeme.
Auslöser der Insolvenz: Ein Investor habe die erforderliche Finanzierung nicht mehr sicherstellen können, weitere Finanzierungsgespräche blieben erfolglos.
Leuna-Polyamid wird stillgelegt
Trotz intensiver Investorensuche wurde keine tragfähige Fortführungslösung für die Auffanggesellschaft des bereits seit Anfang des Jahres kriselnden Chemiewerks Domo Caproleuna gefunden. Nun muss Leuna-Polyamid den Betrieb abwickeln, rund 400 Beschäftigte sind betroffen. Das Gericht bestellte Lucas Flöther (Flöther & Wissing) zum Insolvenzverwalter, der zuvor bereits seit Juni als Sachwalter tätig war. Das Unternehmen produzierte Caprolactam, Phenol, Aceton sowie Polyamid 6, einen technischen Kunststoff für Automobil-, Elektro- und Elektronikindustrie. Die Stilllegung umfasst die Sicherung, Entleerung und Reinigung der Anlagen. Das Land Sachsen-Anhalt finanziert und überwacht die Maßnahmen, um Gefahren für Menschen und Umwelt zu vermeiden.
Die Kanzlei K&L Gates begleitet die Geschäftsführung bei der geordneten Stilllegung. Die Restrukturierungs- und Insolvenzrechtspartner Georg Bernsau und Nadja Raiß (K&L Gates) hatten das Unternehmen bereits während der Eigenverwaltung beraten und den Investorenprozess begleitet.
Bleiverarbeiter JL Goslar schließt Schutzschirmverfahren
Innerhalb von nur drei Monaten hat JL Goslar die Sanierung geschafft: Die Gläubiger des Bleiverarbeitungsunternehmens stimmten dem Insolvenzplan einstimmig zu. Als Verfahrensbevollmächtigter war Jörg Grau (Heublein Grau Rechtsanwälte) gesetzt, als Sachwalter Torsten Gutmann (Pluta).
Bei der Sanierung wurden in erster Linie die Kapazitäten an die Marktgegebenheiten angepasst und 27 Arbeitsplätze abgebaut. Zudem soll die Tochter JL Goslar Anoden mit der Muttergesellschaft zum Jahreswechsel verschmolzen werden, wodurch Strukturen vereinfacht und Kosten gesenkt werden.
Elektronikspezialist Tech Power Electronics Group ist saniert
Die Gläubiger der deutschen Gruppengesellschaften des Elektrospezialisten Tech Power Electronics Group stimmten Ende September den Insolvenzplänen zu und schlossen damit die operative und finanzielle Sanierung ab. Das teilte das Unternehmen mit. Damit sicherte das Unternehmen alle 800 Arbeitsplätze und fand ein neues Investorenkonsortium: Ein Konsortium um die Healthcare-Investoren Roger Pierenkemper und Alexander Zamora übernimmt die Gruppe.
Die Eigenverwaltung betraf die Tech Power Electronics Group als Muttergesellschaft sowie Manfred Schmelzer und Marschner Tech Power Electronics. Die in Freiburg ansässige Gruppe entwickelt, produziert und vertreibt elektrische Komponenten und Systeme in den Bereichen Leistungselektronik, Stromversorgung und elektronische Steuerung für Industrieautomation, Bahntechnik, Luft- und Raumfahrt, Energie sowie E-Mobility.
Die Sanierungsbevollmächtigten Andreas Kleinschmidt und Johannes Fritzen (White & Case) begleiteten die Gesellschaften durch die Verfahren. Als Sachwalter agierte Tobias Wahl (Anchor), unterstützt von David Blum. Das Investorenkonsortium wurde von Hendrik Boss, Alexandra Prasch und Martin Gwashavanhu (Taylor Wessing) begleitet.
Roland-Berger-Studie: Restrukturierungsdruck steigt massiv
Technologischer Wandel und geopolitische Spannungen zählen für mehr als die Hälfte der 130 befragten Restrukturierungs- und Transformationsexperten derzeit zu den zentralen Risiken für Unternehmen – das ist das Ergebnis der neuen Restrukturierungsstudie von Roland Berger. Die Belastungen zeigen sich dabei vielfältig: Auch Bürokratie und Regulierung (65 Prozent) sowie Energiepreise und Versorgungssicherheit (53 Prozent) treiben die Krise voran.
Gleichzeitig bescheinigt mehr als die Hälfte der Experten den deutschen Unternehmen eine schlechte Vorbereitung auf eine weitere Konjunktureintrübung, nur 8 Prozent halten sie für gut vorbereitet. Zugleich dauern Restrukturierungsprozesse länger, Finanzierungsstrukturen werden komplexer und konsensuale Lösungen fallen schwerer.
Als wichtigsten Erfolgsfaktor nennen 61 Prozent der Befragten belastbare Geschäfts- und Liquiditätsplanungen. Deutlich an Bedeutung gewonnen haben zudem ein ambitioniertes und realistisches Maßnahmenprogramm sowie eine zielgerichtete Stakeholder-Kommunikation: Beide legten gegenüber dem Vorjahr um jeweils 11 Prozentpunkte auf 38 beziehungsweise 32 Prozent zu.
Eine Möglichkeit, Restrukturierungen effizienter zu gestalten, sehen die Befragten in Künstlicher Intelligenz. 89 Prozent verorten das größte Unterstützungspotenzial in der Datenanalyse, 60 Prozent in der Recherche. 74 Prozent erwarten durch KI eine schnellere Diagnose und Umsetzung, 65 Prozent geringere Prozesskosten. Wenngleich keiner der Befragten KI bereits breitflächig in Restrukturierungen verankert sieht. Ein Lichtblick: 45 Prozent berichten von einzelnen Pilotprojekten und weitere 26 Prozent von etablierten Anwendungen in spezifischen Bereichen.
Info
Sie haben eine interessante News, die in unserem nächsten Restrukturierungsticker nicht fehlen sollte? Dann schreiben Sie uns an esra.laubach[at]finance-magazin.de
Die wichtigsten Nachrichten aus der Welt der Restrukturierung finden Sie in unserem Themen-Hub FINANCE-Transformation sowie regelmäßig auch im zugehörigen Newsletter.
Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.
