„Danke, Donald Trump!“ Wer hätte gedacht, dass eine Folge von FINANCE TV einmal mit diesen Worten starten könnte. Doch: Die unberechenbare Zollpolitik des US-Präsidenten dürfte das gerade vereinbarte Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien massiv beschleunigt haben – und damit die wachsende Bedeutung des Subkontinents für deutsche Unternehmen.
Für Sonia Wentzel, Leiterin Firmenkunden DACH-Region bei Standard Chartered, kommt die Entwicklung nicht überraschend. Mehr als 2.000 deutsche Unternehmen sind in Indien bereits aktiv, 79 Prozent planen laut einer Handelskammer-Auswertung Investitionen bis 2030. Von den bereits präsenten Firmen wollen 50 Prozent ihre Engagements um bis zu 50 Prozent ausweiten, so die Wentzel.
EU-Abkommen mit Indien als „i-Tüpfelchen“
Das Abkommen sei dabei gewissermaßen „das i-Tüpfelchen, die Ziellinie“, betont Wentzel. Der indische Markt locke deutsche Konzerne schon lange – nicht zuletzt als Alternative zu China im Rahmen der sogenannten „China Plus One Strategy“. Besonders aussichtsreich seien die Sektoren Automotive, Chemie, Pharma und Maschinenbau, wo es bereits Synergien gebe. Konkret sollen die Zölle für Automobilexporte von Europa nach Indien sukzessive von 110 auf 10 Prozent sinken – „was natürlich gerade für die deutsche Automobilindustrie signifikant sein wird“, so Wentzel.
Ihr Rat an CFOs, die den Sprung nach Indien wagen: Erstens sollten sie klar definieren, was sie erreichen wollen und in welchem Zeitrahmen. Zweitens müsse man das Land verstehen, betont Wentzel. Und drittens sei die Wahl der richtigen Partner entscheidend: „Nutzen Sie Häuser, die den Markt schon lange kennen.“ Von der Kontoeröffnung über Lizenzierungen bis zu lokalen Finanzierungsmöglichkeiten sei eine Begleitung durch erfahrene Banking-Partner unerlässlich.
Mehr zu den Chancen und Herausforderungen, die sich deutschen Unternehmen in Indien bieten, berichtet Sonia Wentzel im Gespräch bei FINANCE TV.
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