Werk in Herbrechtingen: German Pellets scheint trotz unsicherer Lage für Investoren interessant zu sein.

German Pellets

29.03.16
Wirtschaft

30 Kaufinteressenten für German Pellets

Das Auftauchen zahlreicher Kaufinteressenten weckt neue Hoffnung bei German Pellets. Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde scheint entschlossen zu sein, zunächst einen Komplettverkauf des Holzverarbeiters zu versuchen.

Neue Hoffnung für den unter seiner Schuldenlast zusammengebrochenen Brennstoffhersteller German Pellets: Der Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde zufolge gibt es zahlreiche Kaufinteressenten für das insolvente Unternehmen. Der Fokus bei der Suche eines Käufers liegt auf kapitalstarken Unternehmen, die einen Kauf von German Pellets im Gesamtverbund realisieren können, ließ Schmudde ausrichten.

Mit rund 30 Interessenten sei die Insolvenzverwalterin in engeren Gesprächen, gar 130 mögliche Investoren hatten Interesse an German Pellets angemeldet. Wichtiges Kriterium für die Auswahl der Gesprächspartner: Die potentiellen Investoren müssen in der Lage sein, die Fortführung der Geschäfte bei German Pellets zu gewährleisten. Es geht damit auch um die Zukunft der 650 Mitarbeiter an den vier Standorten in Deutschland.

Um die Interessenten von der Produktionsfähigkeit von German Pellets zu überzeugen, werden nach längerem Stillstand seit Anfang März im Werk in Wismar wieder Pellets produziert. Auch in Ettenheim will der Holzpelletproduzent durch die Wiederaufnahme der Produktion seinen zukünftigen Eigentümern beweisen, dass German Pellets handlungsfähig und sanierbar ist.

Diffuse Lage könnte German-Pellets-Investoren abschrecken

Trotz der wiederbegonnenen Produktion: Ob die möglichen Investoren ernsthaft an einem Kauf von German Pellets interessiert sind und einen solchen Deal überhaupt stemmen könnten, ist unklar. Schließlich kämpft das insolvente Unternehmen nach wie vor mit einer unübersichtlichen Lage. Zuletzt wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft auch gegen Wirtschaftsprüfer Hans-Dieter Alt ermittelt. Ihm wird Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Interne Abrechnungen, bei denen viel Geld innerhalb des German-Pellets-Konzerns verschoben wurde, sind in den Fokus der Ermittlungen geraten. Für den Verkaufsprozess sind diese Entwicklungen eine schwere Hypothek.

Ein Asset-Deal, bei dem lediglich bestimmte Vermögenswerte wie Fabriken oder Logistikketten in den Besitz eines neuen Eigentümers übergehen, könnte ein Weg sein, die Altlasten von German Pellets abzustreifen. Offenbar hofft Insolvenzverwalterin Schmudde aber noch, das Unternehmen als Ganzes verkaufen zu können.  

German Pellets, der führende deutsche Hersteller für Holzpellets galt als Hoffnungsträger und Vorzeigeemittent am angeschlagenen Markt für Mittelstandsanleihen. Nach einem Umsatzeinbruch, den das Unternehmen auf die geringere Nachfrage durch den stark gesunkenen Ölpreis zurückführt, musste German Pellets im Februar jedoch einräumen, fällig werdende Anleiheschulden nicht mehr bedienen zu können.

julian.woehr[at]finance-magazin.de

Einen Überblick über die Krise liefert die FINANCE-Themenseite zu German Pellets.