„Traumpartner“ für den VfB Stuttgart: Daimler-Chef Dieter Zetsche fädelt den Einstieg des Autokonzerns bei dem Zweitligaklub ein. Doch noch hängt der Deal am Plazet der VfB-Mitglieder.

Daimler

19.04.17
Wirtschaft

Daimler will beim VfB Stuttgart einsteigen

Noch vor dem Mitgliederentscheid beim VfB Stuttgart über die Ausgliederung der Profiabteilung legt Daimler ein Angebot auf den Tisch: Der Autokonzern will 41,5 Millionen Euro in den VfB pumpen und dafür 11,5 Prozent der Anteile übernehmen. „Ein Traumpartner“, meint die VfB-Führung.

Der Autokonzern Daimler will sich als strategischer Partner am VfB Stuttgart beteiligen. Dies gab der Fußballklub am heutigen Mittwoch bekannt. Das Management des VfB hat für den 1. Juni eine Mitgliederversammlung angesetzt, bei der über die Ausgliederung der Profiabteilung abgestimmt werden soll.

Der Antrag benötigt die Zustimmung von mindestens 75 Prozent der anwesenden Mitglieder. Nur wenn dieses Quorum erreicht wird, dürfen der VfB und Daimler die geplante Beteiligung umsetzen. Daimler-Chef Dieter Zetsche ermunterte die VfB-Mitglieder dazu, „am 1. Juni die Voraussetzung für eine Partnerschaft zu schaffen“.

Daimler bewertet den VfB Stuttgart niedriger als vom Klub erhofft

Kommt es dazu, würde Daimler 41,5 Millionen Euro auf den Tisch legen und sich dafür 11,75 Prozent der VfB-Anteile sichern. Dieser Deal würde den VfB mit rund 353 Millionen Euro bewerten. Dies ist etwas weniger, als VfB-Präsident Wolfgang Dietrich angesetzt hatte, als er vor gut zwei Wochen die Abstimmung über die Ausgliederung der Profiabteilung auf den Weg gebracht hatte.

Dietrich sieht den Wert des VfB bei 400 Millionen Euro. An diesem Ziel scheint er nach wie vor festzuhalten: „Wir sind unserem Ziel nähergekommen, in den kommenden Jahren mehr als 100 Millionen Euro für die maximal 24,9-prozentige Minderheitsbeteiligung von Partnern zu erlösen“, schrieb der VfB in einer Pressemitteilung. Um dies zu erreichen, müsste der VfB für die noch übrigen 13,15 Prozent  einen Preis von rund 60 Millionen Euro erzielen.

Das Geld von Daimler soll laut Aussage des VfB „vollumfänglich in den Profi- und Nachwuchsbereich investiert werden“. Mittelfristig erhofft sich der Klub dadurch zusätzliche Einnahmen aus dem Sponsoring und den TV-Verträgen. Das Volumen dieser Verträge steigt mit zunehmendem sportlichen Erfolg.

Auch bei Nicht-Aufstieg würde Daimler in den VfB investieren

Zunächst einmal muss dem VfB aber der Wiederaufstieg in die Erste Bundesliga gelingen. Scheitert der Traditionsklub, der derzeit Tabellenführer der Zweiten Liga ist, wider Erwarten an diesem Ziel, dürfte eine Zustimmung der Mitglieder unwahrscheinlicher werden, denn Daimler würde seine Geldspritze in diesem Fall deutlich verringern. Lediglich 10,5 Millionen Euro würden dann noch an den VfB fließen, allerdings auch nur für 5 Prozent der Anteile. Damit läge der Unternehmenswert bei 210 Millionen Euro. Der VfB Stuttgart braucht eine größere Finanzspritze dringend, um wirtschaftlich wieder den Anschluss an die alten Bundesligarivalen herzustellen.

Das VfB-Management nutzt die Absichtserklärung von Daimler dafür, kräftig um die Zustimmung der Mitglieder für die Ausgliederungspläne zu werben: „Daimler ist ein wichtiger Ankerinvestor aus der Heimat, dessen Gründungsfamilien bereits vor mehr als 100 Jahren auch an der Gründung des Vorgängervereins unseres VfB beteiligt waren.“ Den Stuttgarter Autokonzern bezeichnet das Management als „Partner, um den uns die Fußballwelt beneiden wird“.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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