Von RTL frisch blondiert: Christian Gieselmann, bis Januar Warsteiner-CFO, hat für eine TV-Show den Undercover-Boss gemacht.

RTL

27.02.19
Wirtschaft

FINANCE-Resterampe: Ein CFO im Undercover-Modus

Warsteiner-CFO Christian Gieselmann wird zum Fernsehstar, in Singapur kommt es zu einer besonders heftigen Kurskapriole – die kuriosesten FINANCE-News der vergangenen Wochen.

Warsteiner-CFO Christian Gieselmann bei RTL

Christian Gieselmann, bis Januar CFO der Warsteiner-Brauerei, gibt sich volksnah: Vor wenigen Wochen ist er bei der RTL-Show „Undercover Boss“ aufgetreten. Dabei verkleiden sich Chefs und mischen sich unter ihre Mitarbeiter. Frei nach dem Motto: Um die Arbeiter zu verstehen, muss ich ein Arbeiter sein.

Dafür hat RTL den Finanzer umgestylt: Die zurückgegelten Haaren wichen einer blondierten Matte. Den Anzug tauschte Gieselmann für ein Deadpool- und ein ACDC-Shirt. Im Gegensatz zu anderen Verwandlungen der Show – allen voran von Detlef „D!“ Soost – war der Warsteiner-CFO danach tatsächlich kaum wiederzuerkennen, weshalb seine fünfjährige Tochter sogar ein paar Tränen vergoss.

Und Gieselmann – seit Februar nicht mehr CFO, sondern sogar Sprecher der Geschäftsführung von Warsteiner – musste ordentlich anpacken: Der CFO sollte Abfüllanlagen reparieren, in der Nachtschicht arbeiten, Leergut prüfen und bei der Hopfenernte helfen.

Nicht nur einmal wird sich Finanzer Gieselmann nach einer Excel-Liste gesehnt haben. Das Fazit des frisch Blondierten nach einer Schicht im Service: „Ich bin hundemüde, die Füße tun weh!“ 

Den müden Füßen zum Trotz: Dass Gieselmann in den Alltag seiner Angestellten hineingeschnuppert hat, war seinem Verständnis für das Unternehmen sicher zuträglich. Immerhin sprechen CFOs gerne davon, dass sie die gesamte Wertschöpfungskette verstehen müssen. Insofern könnten sich auch andere Finanzchefs ein Beispiel nehmen, auch wenn sie dafür nicht zwingend mit RTL zusammenarbeiten müssen. 

Bafin verbietet ICO von Rise

Die einst hochgejubelten Initial Coing Offerings (ICO) sind in den vergangenen Monaten in Verruf geraten. Die Mischung aus fehlender Regulierung und undurchsichtigen Geschäftsmodellen war bislang idealer Nährboden für potentiellen Anlegerbetrug in großem Stil. Prominentestes Beispiel: Envion hat über seinen Token angeblich einen dreistelligen Millionenbetrag eingesammelt. Danach kam heraus, dass das Unternehmen weder über einen Geschäftsbetrieb noch über nennenswerte Umsätze verfügt.

Die Börsenaufsicht Bafin blickt daher jetzt deutlich strenger auf ICOs, wie jetzt die Macher von Rise erfahren mussten. Das Unternehmen entwickelt KI-basierte Handelsstrategien und wollte über einen ICO 120 Millionen Euro einnehmen. Die Bafin hat dem virtuellen Börsengang nun einen Riegel vorgeschoben, berichtete das „Handelsblatt“. Die Alarmleuchten dürften auch angegangen sein, weil beim Rise-ICO einige Hintermänner von Envion ihre Finger im Spiel haben sollen. Nennenswerte Umsätze soll auch Rise nicht vorweisen können.

Die Bafin hat mit dem Verbot einen dringend notwendigen Schritt nachgeholt. Mit ihrem Eingriff in den ICO-Markt zeigt die Behörde eine Präsenz, die viele Experten in den vergangenen Monaten im Zuge diverser ICO-Skandale vermisst haben.

41 Milliarden Dollar verschwinden und tauchen auf

Noch wilder geht es am Finanzplatz Singapur zu. Vor Januar 2019 dürften die wenigsten von den Jardine Matheson Holdings gehört haben. Das änderte sich vor wenigen Wochen schlagartig, als der Singapurer Mischkonzern binnen weniger Minuten 41 Milliarden US-Dollar Börsenwert verlor und wieder zurückgewann. Das entspricht in etwa dem Marktwert des Dax-Konzerns Henkel.

Was war passiert? Eine Flut von Verkaufsaufträgen hatte die Aktie von Jardines Matheson um 83 Prozent auf unter 11 Dollar abstürzen lassen. Der Schlusskurs vom Vortag hatte noch bei 66 Dollar gelegen. Zuerst kursierte das Gerücht, ein sogenannter „Fat Finger“ hätte für einen „Flash Crash“ gesorgt.

Ein solcher Fehler, bei dem etwa ein Bankmitarbeiter eine falsche Zahl eintippt, ist relativ gängig. Die Erklärung schien plausibel. Doch der Singapurer Börsenbetreiber dementierte, dass ein „Fat Finger“ die Ursache sei.

Eine Flut von Verkaufsaufträgen hat die Aktie von Jardines Matheson um 83 Prozent einbrechen lassen.

Was den Blitzcrash genau ausgelöst hat, ist weiterhin unklar. Wahrscheinlich ist aber, dass der aus unbekannten Gründen ausgelöste Jardine-Kurseinbruch noch viel mehr automatisierte Verkäufe ausgelöst hat. Wenig später sprangen dann wohl automatische Kaufprogramme von Investoren an, die nach besonders günstigen Bewertungsrelationen suchen. Die Computer korrigierten sich durch Zufall also gegenseitig. Nach nur wenigen Minuten war der Spuk wieder vorbei.

jakob.eich[at]finance-magazin.de