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26.04.19
Wirtschaft

Großaktionär hält Heckler & Koch am Leben

Heckler & Koch hat im vergangenen Jahr über die Hälfte des operativen Gewinns eingebüßt. Das dadurch entstandene Finanzloch stopft ein ominöser Großaktionär mit einem Überbrückungskredit – schon wieder.

Heckler & Koch hat erneut eine Finanzspritze von einem Großinvestor erhalten: Nachdem der Waffenhersteller bereits im April 2018 einen zinslosen Überbrückungskredit in Höhe von 30 Millionen Euro erhalten hatte, schoss derselbe Aktionär im November noch einmal 50 Millionen Euro nach. Das geht aus dem jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht von Heckler & Koch hervor.

Dieser wirft ein Schlaglicht auf die prekäre finanzielle Situation, in der das Unternehmen aus Oberndorf im Schwarzwald steckt: Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebtida) brach im vergangenen Geschäftsjahr auf 9,7 Millionen Euro ein. 2017 hatte Heckler & Koch im operativen Geschäft mit 21 Millionen Euro noch mehr als doppelt so viel erwirtschaftet.

Der Einbruch erklärt sich vor allem aus einer Kostenexplosion für Personal und Material: Der Waffenhersteller hatte eigenen Angaben zufolge Probleme damit, die Kapazitäten in der Produktion und im Einkauf zu erweitern, um neue Aufträge abzuwickeln. Das habe zu einer „Erhöhung des Personalbestands in nahezu allen Bereichen“ geführt, so schreibt es Heckler & Koch im Geschäftsbericht. Mittelfristig sollen diese Probleme jedoch behoben werden und die Effizienz der neuen Produktionsabläufe steigen, verspricht das Unternehmen.

Die Verschuldung von Heckler & Koch steigt

Dass der Konzern trotz der Misere im operativen Geschäft unter dem Strich mit einem Minus von 8,1 Millionen Euro etwas besser abschnitt als im Vorjahr (minus 13,4 Millionen Euro), lag vor allem an zwei Faktoren: Anders als 2017 erzielte der Waffenhersteller keine Verluste, sondern Gewinne aus Währungssicherungsgeschäften.

Zudem fielen die Zinskosten mit 14,4 Millionen Euro deutlich geringer aus als 2017 (19,6 Millionen Euro) – und das, obwohl die Finanzverschuldung von 180 auf 230 Millionen kletterte. Dies verdeutlicht, wie wichtig die mindestens in Teilen zinslosen Gesellschafterdarlehen für den Waffenhersteller sind: Sie halten Heckler & Koch über Wasser.

Trotz der Finanzspritze bleibt Liquidität schwach

Denn der Überbrückungskredit tritt an die Stelle externer Geldgeber. So nutzte der im vergangenen September angetretene CFO Björn Krönert 35 Millionen Euro für die teilweise Rückzahlung eines 2017 abgeschlossenen Kredits über 130 Millionen Euro. Dieser Kredit hatte Heckler & Koch bereits im vergangenen Sommer in die Bredouille gebracht: Damals drohte ein Covernant-Bruch, obwohl Krönerts Vorgänger als Finanzchef, Wolfgang Hesse, die Kreditklauseln bereits nachverhandelt hatte.

Die restlichen 15 Millionen Euro aus dem Überbrückungskredit waren nötig, um die Liquidität aufzupolstern: Trotz des Zuflusses lag der Cash-Bestand von Heckler & Koch Ende 2018 bei nur 22 Millionen Euro. Früheren Schätzungen der inzwischen nicht mehr mandatierten Ratingagentur Moody’s zufolge braucht der Waffenhersteller wegen des hohen Vorfinanzierungsbedarfs von Großaufträgen mindestens einen Kassenbestand von 30 Millionen Euro.

Wer hat das Sagen bei Heckler & Koch?

Offen ließen die Oberndorfer ein weiteres Mal, wer der ominöse Kreditgeber ist. Im Geschäftsbericht ist lediglich die Rede von „einem Hauptaktionär“. Eine Anfrage von FINANCE über die Identität des Geldgeber, die Laufzeit des Überbrückungskredits sowie die mögliche Höhe der Zinsen wollte der Waffenhersteller nicht beantworten.

Um die Eigentümerfrage von Heckler & Koch wird ein großes Geheimnis gemacht, offenbar ist sie heikel. Es gibt Gerüchte, wonach sich der Finanzinvestor Andreas Heeschen zurückgezogen hat. So behauptet der frühere Geschäftsführer Nicola Marinelli, dass inzwischen der französischen Investor Nicolas Walewski, der die Vermögensverwaltung Alken gegründet hat, die Geschicke bei der Waffenschmiede kontrolliert. Marinelli befindet sich im Rechtsstreit mit seinem früheren Arbeitgeber und pocht auf eine Change-of-Control-Klausel in seinem Vertrag.

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