Karsten Kießling

25.03.19
Wirtschaft

Keine Rettung für Airline Germania

Die insolvente Fluggesellschaft Germania ist endgültig pleite, ein rettender M&A-Deal kam nicht zustande. Den Kaufinteressenten war der Zeitplan für eine Übernahme zu knapp bemessen. Der Investorenprozess stand von Beginn an unter keinem guten Stern.

Nach Air Berlin hat es nun eine weitere deutsche Fluggesellschaft erwischt: Die Billigfluglinie Germania ist pleite. Dies teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg am heutigen Montag mit. Demnach hätten sich alle „seriösen Bieter“ aus dem Investorenprozess zurückgezogen.

Ein wesentlicher Grund dafür soll der zu knapp bemessene Zeitrahmen für eine Übernahme gewesen sein. Der Verkaufsprozess war erst am 4. Feburar gestartet worden. „Weniger als zwei Monate sind für die Investoren sehr wenig, um eine Übernahme zu planen, durchzurechnen, darüber zu entscheiden“, lässt sich Wienberg zitieren. Germania hätte seine rund 1.700 Mitarbeiter nur noch bis zum 31. März, dem Sonntag dieser Woche, aus eigenen Mitteln bezahlen können.

Germania-Rettung von Beginn an „extrem schwierig“

Wienberg zufolge sei von Beginn der Investorensuche an klar gewesen, dass eine Rettung der Airline „extrem schwierig sein würde“. Der Flugbetrieb der Airline war komplett ausgesetzt. „Wir hatten keine eigenen Flugzeuge und kein Geld, die Leasingraten zu bezahlen“, erklärt Wienberg die Situation.

Mitte Januar waren die finanziellen Probleme der Airline bekannt geworden. „Unvorhersehbare Ereignisse“ führte Germania damals als Grund für die Misere an. So hätten etwa die gestiegenen Kerosinpreise sowie die gleichzeitige Abwertung des Euros gegenüber des US-Dollars das Unternehmen unter Druck gesetzt. Zudem hätten zu diesem Zeitpunkt überdurchschnittlich viele Maschinen gewartet und repariert werden müssen. Anfang Februar meldete Germania schließlich Insolvenz an.

Anfänglich großes Kaufinteresse für Germania

Die Hoffnungen hatten damals auf eine Rettung im Rahmen eines Not-Verkaufs geruht. Nachdem die Schweizer Schwestergesellschaft Germania Flug unter neuen Anteilseignern in der Schweiz den Flugbetrieb aufrecht erhalten konnte, teilte auch das deutsche Unternehmen Mitte Februar mit, dass es einen großen Interessentenkreis für die deutsche Germania gebe. Insgesamt 30 potentielle Investoren hätten sich gemeldet, von denen wiederum mehr als zehn eine Due Diligence durchgeführt hätten.

Dabei seien unter den Interessenten überwiegend strategische Investoren gewesen, teilte das Unternehmen damals mit. Einige der Interessenten hatten geplant, die Fluglinie von Mai an mit verkleinerter Flotte wieder in die Luft zu bringen. Doch zu einiger Einigung auf einen M&A-Deal kam es nicht.

Ende Februar hatte Germania auch noch erste Kaufangebote für einen Großteil des Streckennetzes sowie den Wartungs- und Servicebereich. Zwei Investoren hätten damals konkrete Angebote für die Sparten vorgelegt. Doch nun sind auch diese Übernahmeangebote hinfällig geworden. Den Germania-Mitarbeitern muss nun gekündigt werden.

Germania-Chef Karsten Balke unter Verdacht

Die Insolvenz hat für die frühere Germania-Führung womöglich auch rechtliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und des Betrugs gegen den Germania-Chef Karsten Balke.

Germania soll Kunden weiterhin Tickets verkauft haben, als bereits festgestanden habe, dass die Airline zahlungsunfähig sei, so die Vorwürfe.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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