Alle guten Dinge sind Drei? Der sauerländische Freizeitgerätehersteller Kettler ist zum dritten Mal in vier Jahren in der Insolvenz.

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01.08.19
Wirtschaft

Kettler zum dritten Mal insolvent

Der Freizeitgerätehersteller Kettler ist schon wieder insolvent. Dabei ist erst vor rund acht Monaten ein Finanzinvestor eingestiegen, um die Traditionsmarke zu retten.

Es ist ein herber Rückschlag für den westfälischen Freizeitgerätehersteller Kettler, bekannt durch das Kinderauto Kettcar. Das Unternehmen ist zum dritten Mal in vier Jahren in die Insolvenz gerutscht. Entsprechende Medienberichte hat Kettler inzwischen bestätigt: Der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung wurde dem Amtsgericht Arnsberg am gestrigen Mittwoch übergeben. Er betrifft die Kettler Freizeit GmbH und Kettler Plastics GmbH. Der Geschäftsbetrieb laufe uneingeschränkt weiter, teilte das Unternehmen mit.

Kettler lässt sich für das Sanierungsverfahren von der Kanzlei Lambrecht und dem Big-Four Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus Pwc beraten. Rechtsanwalt Georg Keplin wurde vom Amtsgericht Arnsberg zum vorläufigen Sachwalter des Sanierungsverfahrens bestellt.

Kettler zu früh aus vorherigem Insolvenzverfahren geholt

Die Insolvenz kommt überraschend: Erst vor acht Monaten war der Luxemburger Finanzinvestor Lafayette Mittelstand Capital mit ambitionierten Plänen bei dem Unternehmen mit Sitz im sauerländischen Ense-Parsit eingestiegen, Kettler befand sich damals in einem Insolvenzverfahren. Kettler bleibe „als Ganzes“ erhalten und werde „künftig wieder Trends setzen“, hieß es in der damaligen Pressemitteilung optimistisch.

Nun folgt die Feststellung, dass Kettler im vorherigen Insolvenzverfahren nicht ausreichend gut aufgestellt worden sein soll. Es habe sich herausgestellt, dass „die Möglichkeiten im vorherigen Verfahren nicht hinreichend genutzt wurden und nicht alle Aufgaben in der Kürze der Zeit ausreichend erledigt werden konnten, um Kettler zukunftsfähig aufzustellen“, teilte das Unternehmen zur Begründung des Schritts mit.

Mit der Insolvenz folgt nun also die Rolle rückwärts: Die aktuelle Unternehmenssituation mache den Schritt erneut erforderlich. „Unser Ziel ist es, das Verfahren nochmals zu nutzen, um den Geschäftsbetrieb mit geeigneten Maßnahmen nachhaltig zu sanieren“, heißt es in der Mitteilung. Lafayette selbst verwies auf Nachfrage von FINANCE auf die Mitteilung des Unternehmens und wollte sich darüber hinaus nicht äußern.

Lafayette will Kettler nach wie vor sanieren

Für die 550 Mitarbeiter der Kettler-Gruppe kommt damit die Unsicherheit zurück. Die betroffenen Arbeitnehmer seien umgehend über das Verfahren informiert worden, teilte Kettler mit. Ihre Löhne und Gehälter seien bis Ende September über die Bundesagentur für Arbeit gesichert.

Wie es für das Unternehmen weitergeht, ist noch offen. Kettler betont, dass sowohl die Geschäftsführung als auch die Gesellschafterin, der Investor Lafayette, nach wie vor von den Möglichkeiten des Unternehmens überzeugt seien. Die Gesellschafterin habe sich in den letzten Monaten bereits „erheblich finanziell und persönlich engagiert“, heißt es weiter. Konkrete Pläne für die nächsten Schritte sind noch nicht bekannt.

Erste Kettler-Insolvenz im Jahr 2015

Kettler war erstmals im Jahr 2015 in die Insolvenz gerutscht. Nach einem Neuanfang folgte allerdings eine neue Krise, woraufhin das Unternehmen nach einem Investor suchte. Eine Lösung, die bereits in greifbarer Nähe schien, platzte jedoch auf den letzten Metern. Es folgte die Insolvenz im Juli 2018.

In den darauf folgenden Monaten spitzte sich die Lage weiter zu, das Unternehmen stand kurz vor der Schließung des Geschäftsbetriebes. Eine überraschende Zwischenfinanzierung der Heinz-Kettler-Stiftung soll dem Unternehmen Medienberichten zufolge mehr Zeit verschafft haben. Im Dezember war dann der Investor Lafayette bei dem Traditionshaus eingestiegen.

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