Neue Verzögerungen am Berliner Flughafen BER? Diesmal sollen Medienberichten zufolge Probleme bei der Auszahlung eines Kredits eine Rolle spielen.

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28.12.16
Wirtschaft

Kolportierte Kreditprobleme sorgen für Wirbel am BER

Weil angeblich Genehmigungen fehlen, kann offenbar ein wichtiger Milliardenkredit für den Berliner Großflughafen BER nicht ausgezahlt werden. Dies könnte die Eröffnung erneut verzögern – und die Pläne von CFO Heike Fölster durcheinander wirbeln.

Ausgerechnet Probleme bei der Finanzierung sind angeblich dafür verantwortlich, dass sich der Eröffnungstermin des neuen Berliner Großflughafens BER offenbar ein weiteres Mal verschiebt. Wie verschiedene Medien, darunter die „Bild“-Zeitung und die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen berichten, werde die Flughafenführung in wenigen Tagen den geplanten Eröffnungstermin von Ende 2017 auf April oder Mai 2018 verschieben. Dies wäre dann sieben Jahre später als ursprünglich geplant.

Verantwortlich dafür sollen den Berichten zufolge Probleme mit der Elektrotechnik sein, aber auch Schwierigkeiten bei der Bewilligung eines wichtigen Kredits, der für die Vollendung des Milliardenprojekts benötigt wird. Der „Bild“-Zeitung zufolge, die ihren Bericht auf Aussagen eines Aufsichtsratsmitglieds stützt, soll es um einen Kredit in Höhe von 1,1 Milliarden Euro gehen.

Dieser sei eigentlich in trockenen Tüchern: Der Aufsichtsrat habe den Deal bereits genehmigt, der Bund sowie die Bundesländer Berlin und Brandenburg stünden als Bürgen bereit, heißt es. Doch bevor die finanzierenden Banken das Darlehen auszahlen könnten, müsse noch das Bauordnungsamt grünes Licht geben. Dies ist offenbar noch nicht geschehen. Das Unternehmen wollte sich gegenüber der dpa nicht zu den Presseberichten äußern und kündigte weitere Informationen für Januar an.

BER-CFO Heike Fölster hält schnelle Eröffnung für „extrem wichtig“

Kommt es tatsächlich erneut zu einer Verzögerung, dürfte auch der Businessplan von BER-Finanzchefin Heike Fölster ins Wanken geraten. „Aus kaufmännischer Sicht ist es extrem wichtig, dass die Eröffnung bald kommt“, hatte Fölster Anfang November in einem FINANCE-Interview gesagt. Dank deutlich höherer Erträge aus Dienstleistungen, Shoppingflächen und Gastronomie, die der BER ermöglicht, soll der neue Großflughafen die Profitabilität der Betreibergesellschaft der Berliner Flughäfen signifikant verbessern. „Wir rechnen damit, dass der BER zwei Jahre nach der Eröffnung schwarze Zahlen schreibt“, erklärte Fölster.

Der erfahrenen Aviation-Managerin, die seit 2013 CFO am BER ist und zuvor unter anderem in den Finanzabteilungen der Dasa (heute Airbus Deutschland) und des Hamburger Flughafens gearbeitet hat, war es im vergangenen Sommer gelungen, die finanziellen Weichen für die Fertigstellung des Flughafens zu stellen: Banken und die öffentliche Hand brachten Milliardendarlehen auf den Weg, deren Auszahlung nun aber offenbar zumindest zum Teil auf sich warten lässt. Mittelfristig erwägt Fölster, einen Teil der Darlehen über die Ausgabe eines Schuldscheindarlehens zu refinanzieren, wie sie im FINANCE-Interview verriet.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Viel Wissenswertes über die Finanzchefin des BER erfahren Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Heike Fölster.