Bleibt Aufsichtsratschef: Rhön-Gründer Eugen Münch

Rhön-Klinikum AG

04.06.20
Wirtschaft

Niederlage für B. Braun im Machtkampf bei Rhön-Klinikum

Im Clinch der Rhön-Aktionäre hat B. Braun auf der außerordentlichen Hauptversammlung eine herbe Niederlage einstecken müssen. Die forcierte Abwahl von Rhön-Gründer und Aufsichtsratschef Eugen Münch ist gescheitert.

Schlappe für Rhön-Klinikum-Großaktionär B. Braun Melsungen: Der Pharma- und Medizinbedarfanbieter ist mit seinem Versuch, die Machtverhältnisse beim Klinikbetreiber zu verändern, auf ganzer Linie gescheitert. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung wurden die Anträge des zweitgrößten Anteilseigners abgeschmettert.

Auf der virtuell ausgeführten Veranstaltung, die ausschließlich auf Wunsch der beiden sich im Streit befindlichen Aktionäre B. Braun und Asklepios stattfand, wurde zum einen die von B. Braun geforderte Abwahl von Rhön-Gründer und Aufsichtsratschef Eugen Münch mit 68 Prozent der Stimmen abgelehnt.

Zum anderen wurde auch der Änderungswunsch der Mehrheitserfordernisse mit knapp 70 Prozent der Stimmen abgelehnt. So hatte B. Braun gefordert, dass bei künftigen Hauptversammlungen Beschlussfassungen nur noch mit einer 75-Prozent-Mehrheit der Stimmen beziehungsweise des vertretenden Grundkapitals möglich seien. Dies hätten dem Medizintechnikhersteller, der gut 25 Prozent an Rhön hält, eine Sperrminorität verschafft.

Asklepios sägt B. Braun-CFO im Aufsichtsrat ab

Auch bei der Abwahl anderer Aufsichtsratsmitglieder zog B. Braun den Kürzeren. Schlimmer noch: Kontrahent und Mehrheitsaktionär Asklepios setzte sich mit seinen Wünschen für den Aufsichtsrat durch und setzte unter anderem B. Braun-CFO Anette Beller als Vertreterin im Gremium vorzeitig ab. Der Krankenhausbetreiber hatte der Finanzchefin vorgeworfen, „nicht gemäß den Interessen und dem Wohl der Gesellschaft“ zu handeln. Nun sitzt unter anderem Jan Liersch, Leiter Compliance, Recht und M&A bei Asklepios, im Rhön-Kontrollausschuss.

Über den Gewinnverwendungsvorschlag wollen Vorstand und Aufsichtsrat auf der ordentlichen Hauptversammlung entscheiden, die für die zweite Augusthälfte angekündigt wurde. Die von B. Braun geforderte Sonderdividende von 2 Euro je Aktie wurde bereits zurückgewiesen.

Rhön-CEO ruft zum Aktionärs-Frieden auf

Rhön-Klinikum-Chef Stephan Holzinger rief die zerstrittenen Lager mit Blick auf die vielfältigen Herausforderungen und die schwierige Lage aufgrund des Coronavirus zur Aussprache auf: „Insoweit darf ich im Namen des Vorstands auch an dieser Stelle noch einmal eindringlich an alle Aktionäre appellieren, einen Weg zu finden, ihre Interessen auszugleichen und die Situation möglichst zu befrieden.“

Der Showdown ist der Höhepunkt eines schwelenden Streits der Aktionäre, der mit der geplanten Übernahme von Rhön-Klinikum durch den Konkurrenten Asklepios eskalierte. So machte Asklepios mit Rhön-Klinikum-Gründer Eugen Münch im Februar gemeinsame Sache: Sie brachten ihre jeweiligen Anteile in ein Joint Venture ein und sicherten sich so mittlerweile mehr als 50 Prozent an Rhön. Münch wird 16 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen halten. Den übrigen Rhön-Aktionären bietet Asklepios 18 Euro je Papier. In Summe bewertet Asklepios Rhön (inklusive einer Nettofinanzverschuldung von rund 44 Millionen Euro in den ersten 9 Monaten 2019) mit über 1 Milliarde Euro.

Einen Effekt hatte die Torpedierung durch B. Braun indes: Mit der außerordentlichen Hauptversammlung verschiebt sich nun zumindest der Zeitplan der Übernahme. Diese wurde mittlerweile ohne Auflagen vom Bundeskartellamt genehmigt und wäre von Asklepios gerne bereits im zweiten Quartal 2020 abgeschlossen worden. Nun wurde die Annahmefrist für das Übernahmeangebot auf zehn Wochen ab Veröffentlichung der Angebotsunterlage verlängert.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Mehr über die Karriere der B. Braun Melsungen-CFO lesen Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Annette Beller.