Biogasanlage von KTG Energie in Seelow: FINANCE-Informationen zufolge ist der Output um mehr als ein Drittel eingebrochen.

KTG Energie

12.08.16
Wirtschaft

Produktionsprobleme bei KTG Energie

Die Biogastochter KTG Energie gerät in den Strudel des pleitegegangenen Mutterkonzerns KTG Agrar. Interne Produktionsdaten zeigen: An vielen Standorten herrschte zuletzt Substratmangel. Das Unternehmen hält die Versorgungskrise für vorübergehend.

Der Biogasproduzent KTG Energie kämpft mit dem Abwärtssog des Mutterkonzerns KTG Agrar, der Anfang Juli in die Pleite rutschte, nachdem die Zinsen einer Mittelstandsanleihe nicht mehr bezahlt werden konnten. FINANCE vorliegende interne Produktionsdaten belegen, dass KTG Energie in den vergangenen Wochen unter zum Teil schweren Produktionseinbußen litt.

Das Unternehmen betreibt derzeit rund 20 Biogasanlagen. An gleich mehreren davon herrschte Substratmangel – es fehlte an der Versorgung mit dem nötigen Brennstoff, der zu einem großen Teil von den Feldern der KTG Agrar angeliefert werden sollte.

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Produktionseinbrüche in Seelow, Lübs und Flechtingen

Substantielle Produktionsrückgänge gab es im Juni und Juli an den Standorten Seelow, Flechtingen und Lübs. Substratmangel herrschte zwischenzeitlich auch am Standort Schöllnitz südlich von Berlin, doch dort gelang es KTG Energie scheinbar, die Produktion aufrechtzuerhalten – der Output in Schöllnitz ging bis Ende Juli nur unwesentlich zurück. Auch die Biogasanlage in Dersewitz in der Nähe der Ostseeküste bekam offenbar nicht genügend Material, um die Biogaskessel voll auszulasten.

Besonders gravierende Probleme zeigten sich im brandenburgischen Seelow, wo KTG gleich zwei Anlagen betreibt. Deren Leistung sackte zwischen Juni und Juli immer weiter ab und lag Ende Juli in Summe um rund die Hälfte unter dem normalen Niveau. In Flechtingen ging der Output um mehr als ein Drittel zurück, in Lübs zeigte eine von zwei Anlagen beim Ausstoß gravierende Schwankungen. Im Frühjahr hingegen, als die Lage von KTG Agrar noch stabil zu sein schien, arbeiteten alle diese Biogasanlagen noch wie geplant.

KTG Energie behauptet, die Kreditlinien seien wieder frei

Ende Juli deutete die Firma bereits an, dass sie zu kämpfen hat. Die Vorlage des Halbjahresberichts wurde auf Ende August verschoben, mit der Begründung, das Unternehmen konzentriere sich derzeit „hauptsächlich darauf, die Volllast des Anlagenbetriebs vollumfänglich zu gewährleisten“. KTG Energie bestätigt auf FINANCE-Anfrage die zwischenzeitlichen Versorgungsprobleme, behauptet aber, dass diese bereits überwunden sind. „Alle Anlagen laufen wieder planmäßig, auch die beiden in Seelow“, sagte ein Firmensprecher gegenüber FINANCE.

Für die Engpässe im Juni und Juli liefert KTG Energie zwei Begründungen: Zunächst habe die schlechte Ernte des vergangenen Jahres dazu geführt, dass die Silos nicht besonders gut gefüllt gewesen seien. Nach dem Insolvenzantrag von KTG Agrar Anfang Juli hätten dann Banken „an einigen Standorten die für Zukäufe verfügenden Kreditlinien vorübergehend eingefroren“, um die Situation zu bewerten. „Inzwischen sind die Kreditlinien wieder frei und die Silos wieder gut gefüllt“, erklärte Unternehmenssprecher Fabian Lorenz. 

KTG Energie hofft, dass die Versorgungslage sich in den nächsten Monaten entspannt. Als nächstes soll frisch geerntete Grassilage angeliefert werden, Mitte September beginnt dann die Maisernte – Mais ist ein zentraler Brennstoff in den Biogasanlagen des KTG-Konzerns. Dieser Hoffnung liegt die Annahme zu Grunde, dass der Hauptlieferant KTG Agrar trotz seiner Finanzprobleme wie versprochen liefert. Allerdings gibt es Berichte, wonach ein nennenswerter Teil der heranwachsenden Ernte von KTG bereits verpfändet worden sei. Ungeachtet dessen hält KTG Energie die eigene Versorgung für gesichert.
 
Die Zukunftshoffnungen werden allerdings von einer kritischen Personalie überlagert: Am Dienstag wurde bekannt, dass der langjährige KTG-Energie-Chef Thomas Berger aus dem Vorstand ausgeschieden ist. Neuer Chef ist der bisherige COO Christian Heck. Berger war die zentrale Figur bei dem Biogasproduzenten. Schon im Juni, als der Mutterkonzern auf die Pleite zusteuerte, hatte er begonnen, mit Lieferanten, Kreditversicherern und Banken Gespräche zu führen, um den Geschäftsbetrieb von KTG Energie unabhängig vom Schicksal des Mutterkonzerns fortführen zu können.

Aktien und Bonds von KTG Energie wieder im Sinkflug

Der Kapitalmarkt scheint KTG Energie noch gewisse Überlebenschancen einzuräumen: Die 50 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe notierte gestern zum Handelsschluss bei 40 Prozent und damit sogar etwas höher als im direkten Vorfeld des Insolvenzantrags von KTG Agrar. Bis zum heutigen Mittag stürzt sie aber um rund 20 Prozent ab. Die Aktie liegt bei 3,20 Euro, rund 70 Prozent niedriger als vor dem Ausbruch der Liquiditätskrise beim Mutterkonzern. Beide Papiere von KTG Energie befinden sich seit einigen Tagen aber wieder im Sinkflug.

Auch bei der Finanzierung droht KTG Energie durch die Pleite der Mutter möglicherweise Ungemach. Gegenüber KTG Agrar steht der Biogasproduzent noch mit einem langfristigen Darlehen über mehr als 30 Millionen Euro in der Kreide. Berger bezeichnete die Gefahr aus dieser Geschäftsverbindung bis zuletzt als gering, da das Darlehen erst im Jahr 2021 fällig werde. Manche Investoren fürchten aber, dass die Insolvenzverwaltung von KTG Agrar versuchen könnte, die Darlehen vorzeitig fällig zu stellen. Die Anleihe steht schon im September 2018 zur Rückzahlung an.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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