René Lezard ist erneut insolvent

Grosescu Alberto Mihai/iStock/Getty Images Plus

19.07.19
Wirtschaft

René Lezard ist erneut insolvent

Das nächste Modeunternehmen muss Insolvenzantrag stellen – und sogar zum zweiten Mal. Krisenauslöser bei René Lezard ist eine geplatzte Kapitalerhöhung.

Erst in der vergangenen Woche musste Strenesse zum zweiten Mal Insolvenz beantragen, nun trifft es mit René Lezard die nächste Modemarke mit Premium-Anspruch: Für das Modeunternehmen aus Schwarzach am Main ist es ebenfalls bereits der zweite Insolvenzantrag. Der erste liegt gerade einmal zwei Jahre zurück. Damals rutschte René Lezard in die Restrukturierung, nachdem ein Kaufinteressent auf den letzten Metern der Verhandlung abgesprungen war.

Dieses Mal löste eine geplatzte Kapitalerhöhung den Insolvenzantrag aus: Der türkische Textilproduzent Cemsel Tekstil hatte ursprünglich zugesagt, über eine Kapitalerhöhung mindestens 60 Prozent der Anteile zu übernehmen. Einer Mitteilung von René Lezard zufolge soll Cemsel Tekstik sich zu der Kapitalerhöhung „rechtsverbindlich verpflichtet“ haben. Dennoch ließ der Investor die dafür gesetzte Frist verstreichen. Hinter Cemsel Tekstil steht der Unternehmer Yasar Esgin, der in der Branche auch als Geschäftsführer der Modemarke „More & More“ bekannt ist. 

Kein Geld von Cemsel Tekstil für René Lezard

Cemsel Tekstil hätte bis zum 17. Juni Zeit gehabt, die Kapitalerhöhung zu zeichnen. Das Platzen dieser Kapitalerhöhung war René Lezard zufolge „letztendlich der Auslöser für den Insolvenzantrag“. Die durch die Kapitalerhöhung „vertraglich versprochene kurzfristige und überlebensnotwendige Liquidität“ sei dem Unternehmen nicht zugeflossen. Der unter dem inzwischen ausgeschiedenen CFO Thorsten Luig geplante Einstieg des Großinvestors war Kern der Turnaround-Strategie von René Lezard gewesen.

Das Unternehmen hat auf einer außerordentlichen Hauptversammlung inzwischen den Weg für eine neue Kapitalerhöhung freigemacht und hofft, frische Mittel von anderen Geldgebern einsammeln zu können. Das Unternehmen befindet sich nach eigener Aussage „in Verhandlungen mit potenten Investoren“.

René Lezard scheiterte mit Mittelstandsanleihe

René Lezard sucht nun weiter nach Investoren, beschwichtigt jedoch auch: Die Kollektionsentwicklung und die operativen Prozesse würden „nahtlos und ohne Beeinträchtigung fortgeführt“. Für die Branche ist dies eine wichtige Botschaft – in diesen Tagen läuft in Düsseldorf die wichtige Branchenmesse Collection Première Düsseldorf (CPD), bei der bereits die Frühjahr-/Sommerkollektion 2020 im Fokus steht. René Lezard wird künftig von CEO Isabella Hierl sowie dem bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter Hubert Ampferl von der Kanzlei Dr. Beck & Partner geführt.

Das Modeunternehmen hatte bereits im März 2017 einmal Insolvenz angemeldet, nachdem die Anschlussfinanzierung einer auslaufenden Mittelstandsanleihe gescheitert war. Im Rahmen der anschließenden Sanierung hatten die Gläubiger des Unternehmens einem Debt-to-Equity-Swap zugestimmt