Die Modefirma Strenesse hat die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt – es ist schon das zweite Mal binnen weniger Jahre.

Strenesse

09.07.19
Wirtschaft

Strenesse meldet erneut Insolvenz an

Die Krise in der Modeindustrie fordert ihr nächstes Opfer: Dieses Mal trifft es Strenesse. Der Modekonzern muss bereits zum zweiten Mal ins Insolvenzverfahren.

Die Modemarke Strenesse steht vor ihrer nächsten Restrukturierung: Das Unternehmen hat, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits im Juni beim Amtsgericht im bayerischen Nördlingen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.

Neben Geschäftsführerin Micaela Sabatier wird nun Sanierer Hubert Ampferl von der Kanzlei Dr. Beck & Partner die Sanierung umsetzen. Vorläufiger Sachwalter ist Martin Hörmann von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte. Die Produktion und Auslieferung der Modekollektion soll vorerst wie gewohnt weiterlaufen.

Strenesse nennt Altlasten als Insolvenzgrund

Strenesse macht die Betriebs- und Vertriebsstrukturen aus der Vergangenheit für die Schieflage verantwortlich. Diese noch aus der Zeit des Vorgängerunternehmens Strenesse AG stammenden Strukturen hätten sich als „nur bedingt anpassungsfähig“ erwiesen. Das Verfahren biete nun die Möglichkeit zur Neuausrichtung der betrieblichen Strukturen, heißt es in der offiziellen Mitteilung des Unternehmens.

Die Geschäftsführerin Micaela Sabatier erklärte in einem Statement: „Die Eigenverwaltung eröffnet uns die Chance, die aus der Vergangenheit übernommenen Belastungen und Verpflichtungen anzupassen.“ Zuletzt hatte Strenesse nach eigener Aussage bereits ein Effizienz- und Digitalisierungsprojekt durchlaufen und damit IT-Infrastruktur, Lagerlogistik und Produktentwicklung neu aufgesetzt. Mitte Mai erfolgte der Relaunch des Online-Stores. 

Strenesse rutschte schon 2014 in die Insolvenz

Für das Modeunternehmen ist es schon der zweite Anlauf zur Sanierung: Bereits 2014 rutschte das Modehaus in die Insolvenz. Strenesse, das damals auch eine 12 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe emittiert hatte, sollte im Sommer 2016 an die MAEG Holding verkauft werden, diese Transaktion scheiterte jedoch und das Unternehmen rutschte von der Eigenverwaltung in die Regelinsolvenz. Ende 2016 schließlich glückte der Verkauf in die Schweiz, wo eine Treuhandgesellschaft die Modefirma übernahm. Die dahinterstehenden Investoren blieben anonym.

Strenesse ist nicht das einzige Modeunternehmen, das derzeit zu kämpfen hat. Für die insolvente Modemarke Gerry Weber liegt der Investorenprozess in den finalen Zügen, die Tochter Hallhuber wurde gerade an Robus Capital verkauft. Die kriselnde Modefirma Tom Tailor musste kürzlich den als Befreiungsschlag geplanten Verkauf der Tochter Bonita abblasen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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