Eineinhalb Jahre nach dem Säureanschlag auf Innogy-CFO Bernhard Günther hat die Staatsanwaltschaft Wuppertal einen der beiden Tatverdächtigen gefasst.

picture alliance / Sven Simon

24.10.19
Wirtschaft

Verdächtiger nach Säureattentat auf Innogy-CFO gefasst

Die Polizei hat einen 32-jährigen Tatverdächtigen verhaftet, der das Säureattentat auf Innogy-CFO Bernhard Günther verübt haben soll. Dabei waren die Ermittlungen eigentlich schon eingestellt.

Der Säureanschlag auf den Innogy-CFO Bernhard Günther aus dem Frühjahr 2018 könnte nun doch noch aufgeklärt werden. Die zuständigen Ermittler haben vergangenen Freitag einen Tatverdächtigen festgenommen, der nun in Untersuchungshaft sitzt, wie die Wuppertaler Staatsanwaltschaft auf Nachfrage bestätigte.

Eigentlich hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen und Suche nach den Tätern vor rund einem Jahr nach sieben Monaten ergebnislos eingestellt. Die Identität der Täter sowie die Motive für das Attentat hätten nicht geklärt werden können, teilte die Staatsanwaltschaft damals mit.

Wie die Staatsanwaltschaft nun bekanntgab, habe sie die Ermittlungen jedoch aufgrund anonymer Hinweise wieder aufgenommen. Am 18. Oktober sei daraufhin ein 32-jähriger Mann im Rahmen einer Sportveranstaltung in Köln festgenommen worden. Zudem seien in mehreren Städten Durchsuchungsmaßnahmen gegen weitere mutmaßlich an der Tat beteiligte Personen erfolgt. Die Ermittlungen dauern der Staatsanwaltschaft zufolge noch an. 

Tatmotiv für Säureanschlag weiter unklar

Günther und Innogy hatten einem Bericht des Magazins „Focus“ zufolge einen Privatermittler mit der Aufklärung beauftragt und 80.000 Euro als Belohnung für wichtige Hinweise ausgelobt. Über einen Informanten, den Privatermittler und mithilfe weiterer Sicherheitsstellen sei der Tatverdächtige schließlich gefasst worden. Sein Komplize befinde sich dagegen weiter auf der Flucht.

Dem Focus-Bericht zufolge handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um einen Kampfsportler aus Köln mit Verbindung ins kriminelle Milieu. Detaillierte, offizielle Informationen zum Tatverdächten liegen derzeit noch nicht vor.

Wie der Focus – allerdings bisher noch als einzige Quelle – weiter berichtet, soll der 32-Jährige im Auftrag eines mit Günther konkurrierenden Managers gehandelt haben. Die Staatsanwaltschaft machte zum Motiv des Tatverdächtigen bisher noch keine Angaben. 

FINANCE-Köpfe

Dr. Bernhard Günther, Innogy SE

Von 1993 bis 1998 ist Günther in der Unternehmensberatung McKinsey tätig, zuletzt als Projektleiter, anschließend wechselt Günther zu RWE. Die ersten zwei Jahre arbeitet er als Abteilungsleiter des Konzerncontrollings und wechselt 2001 als Bereichsleiter für Unternehmensplanung und Controlling zu RWE Power. 2005 wird er zum Bereichsleiter Konzerncontrolling von RWE befördert.

2007 bis 2008 ist Günther Geschäftsführer und CFO der RWE Gas Midstream. In dieser Position verantwortet er die Bereiche Finance & Reporting, Project Controlling & Valuation, Back Office, IT, Integration & Organisation, Legal & Compliance, sowie Risk. Darüber hinaus vertritt er in Personalunion als Geschäftsführer sowie CFO der RWE Trading in den Jahren 2007 und 2008 die Bereiche Finance & Reporting, Project Controlling & Valuation, Back Office und IT.

Günthers Laufbahn im RWE-Konzern geht weiter. Von 2008 bis 2012 leitet er als Geschäftsführer und CFO der RWE Supply& Trading die Bereiche, Finance, Risk, Back Office, Project Valuation & Control, IT, Legal & Compliance sowie Business Change Management . Im Juli 2012 steigt er in den Konzernvorstand auf und wird im Januar 2013 zum Finanzvorstand ernannt. Im Zuge der Aufspaltung des Energiekonzerns wird Günther im April 2016 CFO der RWE-Tochter Innogy, in der vor allem das Geschäft mit erneuerbaren Energien gebündelt wird. Die RWE-Finanzen übernimmt nach dem Innogy-IPO im Oktober des gleichen Jahres Markus Krebber.

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Bernhard Günther bleibt Innogy-CFO

Im März vergangenen Jahres wurde Günther beim Joggen in der Nähe seines Wohnhauses in Haan bei Düsseldorf von zwei Männern angegriffen und mit Säure übergossen. Er erlitt dabei schwere Verletzungen und schwebte zeitweise sogar in Lebensgefahr.

Bereits zwei Monate nach dem Anschlag nahm Günther seinen Job als Finanzchef wieder auf. Zunächst jedoch nur aus der Ferne, indem er an vielen Terminen telefonisch teilnahm, wie sein Aufsichtsratschef Erhard Schipporeit bei der Hauptversammlung des Essener Energiekonzerns berichtete.  

Der Anschlag und die anschließenden Ermittlungen fielen inmitten des Zerschlagungsprozesses von Innogy. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Günther nach dem Verkauf von Innogy an den Energieriesen E.on CFO von Innogy bleiben wird. Das sorgte für einige Überraschung, da praktisch alle Schlüsselpositionen in dem neuen Konzern von E.on-Managern besetzt wurden.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Lesen Sie mehr über den Innogy-CFO im FINANCE-Köpfe-Profil von Bernhard Günther.