Der Fall Wirecard hat dem Finanzplatz in Deutschland massiv geschadet. Wie kann man Bilanzskandale künftig verhindern?

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FINANCE+ 02.02.21
Wirtschaft

Wirecard-Gesetz: Das sind die Folgen für Unternehmen

Probleme bei der Prüferauswahl, steigende Prüfhonorare oder teurere Sanktionen für Vorstände: Der Wirecard-Skandal hat nicht nur Folgen für Wirtschaftsprüfer – auch Unternehmen müssen sich jetzt warm anziehen.

Einen Bilanzskandal wie Wirecard darf es nie wieder geben – darin sind sich Unternehmen, Mitarbeiter, Wirtschaftsprüfer, Politiker und Anleger einig. Nur die Frage, wie man Bilanzmanipulationen künftig verhindern kann, spaltet die Parteien. Für hitzige Diskussionen sorgt seit Mitte Dezember vor allem ein Entwurf mit dem sperrigen Namen „Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität“, kurz FISG. Darin sind Maßnahmen für Unternehmen, Aufsichtsräte, Wirtschaftsprüfer und andere Kontrollinstanzen aufgelistet, mit denen Bilanzskandale künftig verhindert werden sollen.

„Der Gesetzentwurf ist ein entscheidender Schritt, um die Bilanzkontrolle zu stärken, die Wirtschaftsprüfung zu reformieren und härter gegen kriminelle Machenschaften vorzugehen“, lobt Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, der im Zuge des Wirecard-Skandals unter Druck geraten ist. „Das FISG ist ein 'Politikerentlastungsgesetz'“, kritisiert hingegen Florian Riedl, Wirtschaftsprüfer bei Ebner Stolz, und spricht damit vielen in der Branche aus der Seele. „Der Untersuchungsausschuss zu Wirecard hat seine Arbeit noch nicht einmal beendet, es ist also noch viel zu früh, um Maßnahmen abzuleiten.“

In der Tat gibt es noch viele Fragezeichen bei dem größten Bilanzskandal in der deutschen Nachkriegsgeschichte: Wieso hat niemand früher reagiert, als Vorwürfe aufkamen, dass bei dem ehemaligen Dax-Unternehmen ein Teil des Geschäfts frei erfunden war? Warum fehlten 2 Milliarden Euro auf Konten, die in der Bilanz ausgewiesen waren? Viele sehen Wirecards Prüfer EY in der Verantwortung: Immerhin hat das Big-Four-Haus viele Jahre lang die Bilanzen des Zahlungsdienstleisters uneingeschränkt testiert, was nach Auffliegen des Skandals für heftige Irritationen sorgte.

Höhere Prüferhaftung: Prüferhonorare werden steigen

Wenn nun die Arbeit der WP stärker reguliert wird, dürfte das aber auch gravierende Folgen für Unternehmen haben. Geplant ist laut Regierungsentwurf etwa eine Verschärfung der Haftung des Abschlussprüfers: So soll die Haftungsobergrenze für die Prüfung kapitalmarktorientierter Unternehmen bei 16 Millionen Euro liegen. Allerdings gilt diese Obergrenze nur in Fällen von leichter Fahrlässigkeit – bei Vorsatz oder sogar schon grober Fahrlässigkeit müssen Abschlussprüfer unbeschränkt haften. Bisher galt eine uneingeschränkte Haftung nur bei Vorsatz, ansonsten galt die Obergrenze von 4 Millionen Euro.

Für Dagmar Steinert, Finanzchefin beim MDax-Konzern Fuchs Petrolub, liegen die Folgen für Unternehmen auf der Hand: „Die Wirtschaftsprüfer werden vermutlich versuchen, die höheren Summen zu versichern, was wiederum zu steigenden Prüfhonoraren für die Unternehmen führt.“ Teurer dürften die Prüfungen auch deshalb werden, weil WP-Gesellschaften nun noch mehr Zeit in Dokumentationen der Prüfprozesse stecken, um sich im Zweifel gegen den Vorwurf einer groben Fahrlässigkeit zu schützen, glaubt Rainer Grote, Partner bei der mittelständischen Prüf- und Beratungsgesellschaft RSM.

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