Ein Käufer ohne Namen will bei Heckler & Koch die Mehrheit.

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11.11.19
Wirtschaft

Wirrwarr um Heckler & Koch-Verkauf

Heckler & Koch steht überraschend zum Verkauf. Einem Medienbericht zufolge will der Investor Nicolas Walewski den Waffenhersteller über ein unübersichtliches Firmenkonglomerat übernehmen. Das ist aus mehreren Gründen brisant.

Der hochverschuldete Rüstungshersteller Heckler & Koch (H&K) soll verkauft werden. Doch der Prozess gestaltet sich mehr als undurchsichtig: Wie der bisherige Mehrheitseigentümer, Andreas Heeschen, der Zeitung „Die Welt“ bestätigte, wolle eine Mitaktionärin weitere Anteile von ihm erwerben. Einen Namen nannte Heeschen allerdings nicht.

Auch das Unternehmen selbst hüllt sich in Schweigen, um wen es sich bei dem potentiellen neuen Eigentümer handelt: Man habe „Kenntnis über das Vorliegen eines entsprechenden Antrags beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie“, teilte Heckler & Koch mit. Weiter heißt es: „Die Antragstellerin ist heute bereits an unserem Unternehmen beteiligt, so dass nach unseren Erkenntnissen keine Änderung der strategischen Ausrichtung zu erwarten ist.“

BND untersucht Heckler&Koch-Interessenten

Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin „Focus“ über entsprechende Verkaufspläne berichtet und damit für Aufsehen gesorgt. Denn dem Bericht zufolge handelt es sich bei den Kaufinteressenten um ein unübersichtliches Konglomerat diverser Firmen, die auf Barbados, Malta, Luxemburg, den USA und Neuseeland sitzen. Eine zentrale Rolle soll laut „Focus“ der französische Investor und Gründer der Londoner Fondsgesellschaft Alken Fund, Nicolas Walewski spielen.

Das Bundeswirtschaftsministerium soll bereits seit einem Jahr vom Übernahmevorhaben wissen. So habe es laut „Focus“ im Frühjahr 2019 mindestens ein Treffen zwischen Walewski und dem zuständigen Wirtschaftsstaatssekretär Ulrich Nussbaum gegeben, mit dem Ziel das Verfahren zu beschleunigen. Nun soll das Ministerium den Bundesnachrichtendienst beauftragt haben, herauszufinden, wer genau mit welchem Geld die Mehrheit bei H&K erwerben will.

Auch Heckler&Koch-Großaktionär schweigt zum Käufer

Angesichts der Bedeutung Heckler & Kochs für die nationale Sicherheit gilt ein Verkauf an ausländische Investoren als brisant. Der baden-württembergische Rüstungshersteller ist unter anderem Hauslieferant der Bundeswehr und gilt als Favorit für die Ausschreibung der neuen Sturmgewehre G36. Bereits das alte Model wurde von H&K gebaut. Daneben beliefert das Unternehmen Polizisten und Armeen der meisten Nato-Staaten mit Waffen. Das Außenwirtschaftsgesetz ermöglicht es dem Bund bei Rüstungskonzernen ein Veto gegen einen solchen Einstieg einzulegen.

Die Meldung, der zufolge Walewski Anteile von Heeschen kaufen will, ist aber noch aus einem anderen Grund brisant: Denn die Eigentümerverhältnisse beim Waffenhersteller sind derzeit Gegenstand eines Rechtsstreit, der sich vor dem Landgericht Rottweil abspielt. Dort klagt der frühere H&K-Geschäftsführer Nicola Marinelli auf Abfindung aufgrund einer Change-of-Control-Klausel in seinem Vertrag. In dem Prozess behauptet er, dass der Franzose Nicolas Walewski, längst die Geschicke bei der Waffenschmiede kontrolliert.

Heeschen bestätigte der „Welt“ lediglich, dass Walewski seit dem Jahr 2015 „als Finanzier“ beim Hersteller des Sturmgewehrs G36 an Bord sei. Der Investor erklärte allerdings auch, dass er für den Fall, dass dem Verkaufsantrag nicht stattgegeben werde, er Mehrheitsaktionär bleiben wolle. Der in London lebende Heeschen war 2002 bei den Oberndorfer eingestiegen und übt eigenen Aussagen zufolge sämtliche Stimmrechte aus seinen Aktien seit der Gründung der Aktiengesellschaft aus. Zudem habe er dem klammen Mittelständler in den vergangenen Jahren 105 Millionen Euro teilweise als Eigenkapital zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig sollen weitere Gesellschafter zusätzliche 80 Millionen Euro an Fremdkapital ins Unternehmen gepumpt haben.

H&K mit hoher Schuldenlast

Das Unternehmen selbst ächzt unter einer Schuldenlast von knapp 233 Millionen Euro und zusätzlichen Pensionsforderungen in Höhe von 60 Millionen Euro. 2018 erwirtschaftete Heckler & Koch mit seinen 930 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 221 Millionen und machte dabei einen Verlust von 8 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2019 konnte der Rüstungskonzern erstmals nach zwei Jahre wieder die Verlustzone verlassen. Für das dritte Geschäftsquartal wies der Rüstungskonzern einen Gewinn von 1,3 Millionen Euro aus, nach einem Verlust von 4 Millionen Euro im Vergleichszeitraum.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de