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Ex-Commerzbank Chef Blessing berät Unzer

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Der ehemalige Commerzbank-Chef Martin Blessing ist Vorsitzender des neugegründeten Beirats bei Unzer. Foto Unzer.
Der ehemalige Commerzbank-Chef Martin Blessing ist Vorsitzender des neugegründeten Beirats bei Unzer. Foto Unzer.

Unzer holt den früheren Commerzbank-Chef Martin Blessing in ihren neu eingerichteten Beirat. Blessing wird Vorsitzender des Gremiums, teilten die Heidelberger am vergangenen Freitag mit. Unzer stand zuletzt unter besonderer Beobachtung der Bafin.

Neben Blessing sind der ehemalige CEO von Paypal Europe Rupert Keeley, die Corporate-Governance-Expertin Annika Poutiainen sowie Vertreter des Mehrheitseigners KKR in dem Beirat. Dieser soll laut Mitteilung „eine zentrale Rolle in der Zukunft von Unzer spielen und die Geschäftsführung bei allen wichtigen Entscheidungen in Bezug auf Strategie, Betrieb, Compliance und Finanzen beraten“.

Blessing war von 2008 bis 2016 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank. Danach war er Co-Präsident bei UBS Global Wealth Management. Aktuell ist der Ex-Banker Verwaltungsratsvorsitzender der dänischen Danske Bank, die mitten in der Aufarbeitung eines großen Geldwäscheskandals steckt.

„In seiner Laufbahn hat Martin Blessing Wachstumsinitiativen vorangetrieben, umfassende Transformationsprogramme erfolgreich initiiert und umgesetzt und mit seiner Expertise zur Etablierung erstklassiger Compliance-Standards beigetragen“, erläutert Unzer in einer Mitteilung.

Unzer-Tochter im Fokus der Bafin

Bei Compliance-Strukturen hat der Zahlungsdienstleister offenkundig Nachholbedarf: Im Rahmen einer Bafin-Sonderprüfung, die die Finanzaufsicht in Folge des Wirecard-Skandals bei verschiedenen Zahlungsdienstleistern angestoßen hatte, waren bei der Unzer-Tochtergesellschaft E-Com „zum Teil gravierende Mängel in den Bereichen der angemessenen Maßnahmen der Unternehmenssteuerung, Kontrollmechanismen und Verfahren“ festgestellt worden, wie die Bafin mitteilte. Auch in Verbindung mit dem Geldwäschegesetz monierte die Finanzaufsicht schwerwiegende Mängel.

Die Finanzaufsicht verbat der Tochtergesellschaft Anfang September das Neukundengeschäft. Darüber hinaus bestellte die Bafin einen Sonderbeauftragten, der die Umsetzung der angeordneten Maßnahmen überwachen soll.

Unzer versucht gegenzusteuern: Das Managementteam habe in den vergangenen zwölf Monaten „wesentliche Weiterentwicklungen angestoßen“, beispielsweise einen Chief Compliance Officer eingesetzt, teilte das Heidelberger Unternehmen mit. Eine Sprecherin des Zahlungsdienstleisters sagte bei Bekanntwerden der Bafin-Entscheidung, die Auswirkungen der Anordnung seien überschaubar.

Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.