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Bafin geht hart gegen KKR-Beteiligung Unzer vor

Die Bafin hat einen Sonderbeauftragen für die Unzer-Tochter E-Com bestellt. Foto: Wiresstock - adobe.stock.com
Die Bafin hat einen Sonderbeauftragen für die Unzer-Tochter E-Com bestellt. Foto: Wiresstock - adobe.stock.com

Die Finanzaufsicht Bafin greift bei dem Zahlungsdienstleister Unzer durch. Die Tochtergesellschaft Unzer E-Com darf keine Neukunden mehr aufnehmen. Das Verbot betreffe weder das laufende und neue Geschäft mit Bestandskunden noch das Geschäft anderer Unzer-Unternehmen, betont Unzer in einer Stellungnahme. Zusätzlich bestellt die Bafin einen Sonderbeauftragten, der die Umsetzung der angeordneten Maßnahmen überwachen soll.

Hintergrund: Im Rahmen einer Bafin-Sonderprüfung bei Unzer E-Com ergaben sich eine „Vielzahl von zum Teil gravierenden Mängeln in den Bereichen der angemessenen Maßnahmen der Unternehmenssteuerung, Kontrollmechanismen und Verfahren“, teilte die Bundesbehörde mit. Zudem wurden „schwerwiegende Mängel“ in Verbindung mit dem Geldwäschegesetz festgestellt. Unzer-CEO Robert Bueninck teilte mit, man werde „die von der Bafin beanstandeten Prozesse vollumfänglich korrigieren und vertrauensvoll mit dem Sonderbeauftragten zusammenarbeiten“.

„Gravierende Mängel“ bei Unzer E-Com

Die Unzer-Tochter E-Com steuerte 2021 etwa 12 Prozent des Gesamtumsatzes zum Heidelberger Unternehmen bei. Die Bafin erläutert die Missstände bei Unzer E-Com näher: „Die gravierendsten Mängel betrafen eine spezielle Zahlungsdienstleistungskonstruktion mit mehreren hundert Händlern, der Großteil davon Scheinfirmen. Das Transaktionsmonitoring für dieses Geschäft war lückenhaft oder nicht vorhanden.“ Das zwischen 2018 und 2021 betriebene Geschäft sei ungewöhnlich profitabel gewesen, meldet die Bafin. „Daraus resultierte ein sehr hohes Risiko für kriminelle Geldwäscheaktivitäten“, so die Folgerung der Finanzaufsicht.

Unzer beteuert, dass man Compliance-Systeme und Prozesse weiterentwickele. Das Managementteam habe in den vergangenen zwölf Monaten „wesentliche Weiterentwicklungen angestoßen“ beispielsweise einen Chief Compliance Officer eingesetzt, teilte Unzer mit. Der Zahlungsdienstleister beruft sich außerdem auf ein Urteil von Deloitte: Dieser hatte im Zuge seiner Abschlussprüfung den Prozess zum Onboarding neuer Kunden untersucht und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass er angemessen ausgestaltet sei. Unzer glaubt, dass die Auswirkungen der Bafin-Anordnung überschaubar seien, lässt sich eine Sprecherin des Unternehmens zitieren.

Diverse Managementwechsel bei Unzer

„Insgesamt hat Unzer bisher rund 15 Millionen Euro in die Fortentwicklung von Compliance-Prozessen und die Einführung neuer Softwaretools investiert“, so der Zahlungsdienstleister. Darüber hinaus habe sich das Unternehmen im Vorhinein und im Zuge der Prüfung von Kunden getrennt, bei denen festgestellt wurde, dass sie die Anforderungen in Sachen Compliance und Risikoprävention nicht erfüllten.

Die offenen Fragen muss die Unzer-Geschäftsleitung nun klären. Mitte vergangenen Jahres kam es dort zu einigen Wechseln. Jacob von Ingelheim wurde zum Chief Financial & Risk Officer (CFRO) ernannt. Sein CFO-Vorgänger Axel Rebien wurde CEO, behielt diesen Posten aber nur kurz und wurde schon Anfang Juli überraschend durch Robert Bueninck, zuvor Chief Commercial Officer bei Unzer, ersetzt.

KKR ist Investor bei Unzer

Wenig erfreut dürfte auch der Private-Equity-Investor KKR über die Maßnahmen der Bafin sein. „Auch unser Investor KKR unterstützt uns weiterhin in allen Belangen“, teilte Unzer auf Anfrage von FINANCE mit. Das PE-Haus stieg 2019 bei Unzer für rund 600 Millionen Euro ein und treibt seitdem das Wachstum voran. Unzer beschäftigt rund 750 Mitarbeiter. Zahlreiche Firmen wurden zugekauft, unter anderem auch Geschäftsteile der insolventen Wirecard.

Mit Wirecard hängen auch die aktuellen Entwicklungen bei Unzer zusammen: Infolge des Wirecard-Skandals hatte die Bafin vergangenes Jahr mehrere Sonderprüfungen bei Zahlungsdienstleistern wie Unzer, Payone und Concardis begonnen. Der Bafin wurde im Fall Wirecard Versagen vorgeworfen. Inzwischen wurden ihre Befugnisse gestärkt und auch seitens des Personals wurde aufgestockt.

eva.brendel@finance-magazin.de | + posts

Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.

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