Zu träge, wenig ambitioniert und ohne ihre Berliner Direktbanktochter DKB nicht mal richtig profitabel – in den Augen mancher Mitbewerber und nicht selten auch Kollegen der schreibenden Zunft, kommt die BayernLB oft nicht besonders gut weg. Das zeigt sich auch in den Berichten über die Landesbank, in denen meist vor allem die Abhängigkeit vom starken Geschäft eben jener DKB hervorgehoben wird.
Dieses – und das gehört freilich zur Wahrheit dazu – hat in den vergangenen Jahren stets den überwiegenden Teil zu den immer neuen Rekorden beim Gesamtergebnis der Münchener beigetragen. So hatte Bankchef Stephan Winkelmeier bei der Präsentation der finalen Zahlen für das Geschäftsjahr 2024 nicht umsonst betont, ein dickes Kompliment an das Team der Berliner Tochter zu schicken, die mit den Einlagen ihrer rund 5,8 Millionen Kunden selbst dem deutlich abgeflauten Rückenwind auf der Zinsseite trotzt.
Folglich zeigte sich der BayernLB-Vorstand mit der 2024er-Bilanz hochzufrieden. Unter dem Strich verzeichneten die Münchener ein Vorsteuerergebnis von 1,4 Milliarden Euro – rund 140 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Mit einer Eigenkapitalquote (CET1) von 18,7 Prozent, der auf 42,5 Prozent gesenkten Cost-Income-Ratio (CIR) und einer Eigenkapitalrendite von 12,8 Prozent lässt die Landesbank dabei so manche Mitbewerber blass aussehen.
Niedrige Rückstellungen im Firmenkundengeschäft
Ein Wert im Zahlenwerk der BayernLB sticht besonders hervor: die Risikovorsorge im Firmenkundengeschäft. So schlagen die Rückstellungen für mögliche Ausfälle im Segment Corporates & Markets, in dem die Münchener alle für CFOs relevanten Geschäftsbereiche zusammenfassen, 2024 mit gerade einmal 15 Millionen Euro zu Buche – und damit weit niedriger als beim Gros der Konkurrenz. Angesichts der anhaltenden konjunkturellen Schwäche der deutschen Wirtschaft sowie der in zahlreichen Berichten zitierten „Rückkehr der Risikovorsorge“ ist dies durchaus bemerkenswert.
Zumal auch bei den Münchenern im vergangenen Jahr die Zahl der notleidenden Kredite zugenommen hat: Die NPL-Quote stieg im Vorjahresvergleich um 0,3 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent an. Geschuldet ist dieser Umstand jedoch vor allem dem Exposure der Landesbank im Immobiliengeschäft. In diesem mussten die Münchener vor allem wegen des schwächelnden Geschäfts mit Büroimmobilien in den USA, aber auch für „Einzelfälle bei Projektentwicklungen in Deutschland“ rund 300 Millionen Euro zurückstellen.
Sektoransatz der BayernLB trägt Früchte
Doch was machen die Münchener im Firmenkundengeschäft anders als die Konkurrenz? Der Schlüssel liegt im 2019 noch unter dem damaligen Firmenkundenchef Michael Bücker gestarteten und von dessen Nachfolger Johannes Anschott konsequent vorangetriebenen Umbau des Segments.
Für den Umbau zum „fokussierten Spezialfinanzierer“ hat die Landesbank seitdem knallhart „ausgemistet”, unter anderem die weniger profitablen Teile ihres Kapitalmarktgeschäfts sukzessive reduziert und einen neuen Sektoransatz installiert. Das Ziel: Die Begleitung der Unternehmenskunden aus Branchen, in denen die Bank teils über jahrzehntelange Expertise verfügt, entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette. Fünf dieser Zukunftssektoren gibt es bereits: Mobilität, Energie, Technologie, Maschinen- und Anlagenbau sowie Bau und Grundstoffe. Zum Jahreswechsel kam mit „Life Science“ nun ein weiterer hinzu.
Zugleich hat die BayernLB in den vergangenen Jahren bei der Kreditvergabe merklich selektiver agiert und damit ihre risikogewichteten Aktiva (RWA) deutlich reduziert – nicht immer zur Freude der Kunden, wie das ein oder andere Gespräch von FINANCE mit CFOs und Treasurern gezeigt hat, die sich über „das Aussortiert werden” beklagt haben.
Den ökonomischen Erfolg kann man dem Team von Johannes Anschott derweil nicht absprechen: Wenngleich auch die BayernLB mit Belastungen wie der schwächelnden Konjunktur und hohem Margendruck zu kämpfen hat, dank ihrer Fokussierung stehen die Münchener im Firmenkundengeschäft äußerst stabil da. Das mag zwar nicht für jeden Beobachter ambitioniert genug wirken, solide ist es jedoch allemal.
Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE sowie Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.
