Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte bündelt ihre Aktivitäten in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika in einer gemeinsamen Firma: Zum 1. Juni 2026 soll die neue Gesellschaft Deloitte EMEA ihren Betrieb aufnehmen. 16 Mitgliedsfirmen der Region, die zusammen mehr als 80 Länder abdecken, 132.000 Mitarbeitende beschäftigen und einen Gesamtumsatz von 20 Milliarden Euro erzielen, sind an der Gründung beteiligt.
Rechtlich ändert sich für die Mitgliedsfirmen wenig. Sie bleiben eigenständig und verantworten weiterhin ihr jeweiliges Geschäft, wie Deloitte mitteilt. Die neue Gesellschaft, die ihren Sitz in Belgien haben wird, übernimmt stattdessen die Rolle einer koordinierenden Klammer – sie bündelt Investitionen, setzt Prioritäten und schafft eine gemeinsame strategische Linie für die Region.
Deloitte will Kapazitäten bündeln
Erklärtes Ziel ist es, Ressourcen effizienter einzusetzen und die Kapazitäten im EMEA-Raum auszubauen. In den kommenden vier Jahren plant Deloitte EMEA Zusatzinvestitionen von mehr als 1,5 Milliarden Euro – unter anderem in generative KI, souveräne Cloud-Infrastrukturen, branchenspezifische Lösungen sowie Technologien, die Kunden bei der Bewältigung zunehmender Veränderungen unterstützen.
Die Initiative geht damit über die bisher bestehende Zusammenarbeit der einzelnen Deloitte-Landesgesellschaften hinaus. Diese sind in einem weltweiten, dezentralen Netzwerk organisiert. In der neuen Struktur sollen die EMEA-Gesellschaften schneller und einfacher über die Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten können.
Plattformstrategie wird bei Wirtschaftsprüfern beliebter
Andere Wirtschaftsprüfer haben bereits ähnliche Plattformen gebildet, die über die Zusammenarbeit im Netzwerk hinaus geht. Das von Private Equity finanzierte Grant Thornton US zum Beispiel hat gemeinsam mit den Grant-Thornton-Landesgesellschaften in Irland, der Schweiz, den Niederlanden, den Vereinigten Arabischen Emiraten und einigen weiteren mehr die multinationale Plattform-Holding Grant Thornton Global Advisors gebildet.
Den eigentlichen Anstoß zur Formalisierung liefert laut Deloitte aber der Markt: Fast alle multinationalen Kunden seien selbst regional organisiert – die neue Struktur soll diese Aufstellung spiegeln und Investitionen koordinierter bündeln. Deloitte Deutschland ist nach Deloitte in Großbritannien die zweitgrößte Mitgliedsfirma in der Region. Diese Stellung spiegelt sich in der Führungsstruktur wider: Deutschlandchef Volker Krug wird Deputy CEO der neuen EMEA-Einheit und gestaltet deren Aufbau von Beginn an mit. Den CEO-Posten übernimmt Richard Houston, bislang CEO von Deloitte North and South Europe und Deloitte UK.