Berentzen-Übernahme: Gegenwind für Sazerac
Gegen die geplante Berentzen-Übernahme durch Sazerac regt sich Widerstand. Die Schweizer Pensionskasse Aevum, drittgrößter Aktionär mit rund 10 Prozent, lehnt den Angebotspreis von 5,55 Euro je Aktie als zu niedrig ab und erwägt laut „Bloomberg“ sogar, ihren Anteil aufzustocken. Analysten von Montega beziffern den fairen Wert auf 7 Euro, rechnen aber dennoch mit mehrheitlicher Zustimmung. Die Berentzen-Aktie notierte zuletzt bei 5,74 Euro und damit über dem Angebotspreis.
Sazerac bietet insgesamt rund 53,3 Millionen Euro, was einem Aufschlag von rund 68 Prozent auf den Dreimonatsdurchschnittskurs entspricht. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen die Offerte. Für den Vollzug braucht Sazerac mindestens 50 Prozent plus eine Aktie, anschließend soll Berentzen von der Börse genommen werden. Der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 geplant.
Fresenius übernimmt Mabxience vollständig für 750 Millionen
Fresenius schnappt sich die verbleibenden 45 Prozent an der spanischen Biosimilars-Plattform Mabxience und zahlt dafür bis zu 750 Millionen Euro, davon 50 Millionen als bedingte Zahlung nach erfolgreichen Produktionsstätten-Zulassungen. Verkäufer sind Insud Pharma und Invim Corporativo. Die Transaktion wurde bereits unterzeichnet und vollzogen, da behördliche Genehmigungen nicht erforderlich waren. Fresenius hatte bereits 2022 eine Mehrheitsbeteiligung von 55 Prozent erworben und führte Mabxience seitdem als voll konsolidierte Tochtergesellschaft.
Mit der Vollübernahme bündelt Fresenius seine Biosimilars-Aktivitäten vollständig in seiner Tochter Fresenius Kabi. Der Schritt ist Teil der konzernweiten Strategie „Future Fresenius“, die bis 2030 eine Verdoppelung des Biopharma-Umsatzes bei einer Ebit-Marge von rund 20 Prozent anstrebt. Finanziert wird die Akquisition aus vorhandener Liquidität und operativem Cashflow, eine neue Finanzierung war nicht erforderlich.
Mabxience betreibt drei Produktionsstätten in Spanien und Lateinamerika, beschäftigt mehr als 1.300 Mitarbeitende und erzielte 2025 einen Umsatz von mehr als 320 Millionen Euro. Das Portfolio umfasst vier zugelassene Biosimilar-Produkte sowie acht Entwicklungskandidaten. Linklaters beriet Fresenius bei der Transaktion.
Attestor übernimmt Condor vollständig vom Staat
Condor ist künftig vollends in der Hand von Attestor. Der Finanzinvestor zieht eine Kaufoption und übernimmt die verbleibenden 49 Prozent an dem Ferienflieger Condor, die bislang über die SG Luftfahrtgesellschaft im Auftrag des Bundes und des Landes Hessen gehalten wurden. Der Vollzug ist für den 31. August 2027 geplant. Die Option war bereits beim Einstieg von Attestor im Jahr 2021 vereinbart worden.
Der Staat war inmitten einer doppelten Krise eingesprungen: Nach der Insolvenz des damaligen Mutterkonzerns Thomas Cook traf die Corona-Pandemie die ohnehin geschwächte Airline. Die Staatshilfen zahlte Condor im Frühjahr 2026 vorzeitig zurück, womit der Weg für den vollständigen Rückzug des Bundes frei war.
Mit der Vollübernahme erhält Attestor die alleinige Kontrolle über eine Airline im Umbau. Condor hat in den vergangenen Jahren seine Langstreckenflotte erneuert und baut das Kurz- und Mittelstreckennetz aus. Der Aufbau eines eigenen Zubringernetzes für das Drehkreuz Frankfurt gewinnt zusätzlich an Bedeutung, nachdem Lufthansa den bisherigen Zubringervertrag gekündigt hat.
Viessmann Generations Group steigt bei Venios ein
Die Viessmann Generations Group erwirbt eine Minderheitsbeteiligung an dem Frankfurter Softwareunternehmen Venios. Das 2012 gegründete Unternehmen entwickelt mit Venios.Net eine Plattform, die Mess- und Netzdaten aus unterschiedlichen Systemen zu einem digitalen Zwilling des Stromnetzes zusammenführt. Netzbetreiber können damit Stromverteilung analysieren, Engpässe frühzeitig erkennen und den Netzausbau simulationsgestützt planen.
Für die Viessmann Generations Group fügt sich die Beteiligung in den Aufbau eines Portfolios rund um digitale Energieinfrastruktur ein. Die Venios-Software ergänzt die Hardware-Kompetenz der seit 2024 zur Gruppe gehörenden Gritec, die anschlussfertige Technikgebäude und Trafostationen für Energienetze anbietet. Gemeinsam sollen integrierte Hard- und Softwarelösungen für Energieversorger und Industriekunden entstehen. Die Kanzlei Schalast beriet die Viessmann Generations Group bei der Transaktion.
Weitere M&A-Deals
Certania tritt erstmals in den italienischen Gesundheitsmarkt ein: Die Münchener Zertifizierungs-Holding übernimmt das Unternehmen Class. Das italienische Unternehmen bietet Qualifizierungs-, Validierungs- und Umweltmonitoring-Dienstleistungen für Krankenhausumgebungen an. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Baker Tilly beriet Certania in den Bereichen Financial und Tax Due Diligence.
Die Healthcare-Gruppe Heal übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung an dem deutschen Medizinalcannabis-Anbieter Grünhorn, der Versandapotheke, Pharmagroßhandel sowie Fulfillment- und Telemedizin-Dienste unter einem Dach bündelt. Heal ist über sein Portfoliounternehmen Khiron bereits im deutschen Markt aktiv und will die Marktposition von Grünhorn weiter ausbauen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Pava Partners beriet exklusiv die Gesellschafter von Grünhorn bei der Transaktion.
MBS steigt mit 20 Prozent beim Münchener Antennenspezialisten HPS ein. Für den hessischen Raumfahrtdienstleister ist es nach dem Einstieg beim Berliner Satellitenbauer Berlin Space Technologies im Mai 2026 der zweite strategische Zukauf zum Aufbau einer integrierten Wertschöpfungskette im deutschen Raumfahrtsektor. HPS will die frischen Mittel in Produktion, Serienfähigkeit und Digitalisierung seiner Standorte in Deutschland und Rumänien investieren.
Deals in Verhandlung
Der 4,2 Milliarden Dollar schwere Kauf der israelischen Reederei ZIM durch Hapag-Lloyd kommt vorerst nicht voran. Die israelische Government Companies Authority (GCA) beendete ihre Prüfung der Transaktion Ende September ohne Entscheidung. Kern des Problems: Das Finanzministerium in Jerusalem sieht durch die Beteiligungen Katars (12 Prozent) und Saudi-Arabiens (10 Prozent) an Hapag-Lloyd ein, wie es in einem Protokoll vom 28. September heißt, „reales Risiko für die Entstehung eines israelfeindlichen ausländischen Einflusses“.
Die GCA muss die Übertragung der sogenannten Golden Shares von ZIM auf Hapag-Lloyds israelischen Partner FIMI genehmigen, die Jerusalem Mitspracherechte bei versorgungsrelevanten Entscheidungen sichern. Hapag-Lloyd und FIMI hatten kurz vor dem GCA-Beschluss eine nachgebesserte Offerte eingereicht, die unter anderem eine eigenständige ZIM Israel vorsieht, die vollständig unter israelischer Kontrolle über FIMI verbleiben soll. Für die Prüfung dieses neuen Angebots müsste laut GCA jedoch ein komplett neues Verfahren beantragt werden.
Hapag-Lloyd-CEO Rolf Habben Jansen zeigte sich gegenüber dem Handelsblatt dennoch zuversichtlich: „Wir bleiben zuversichtlich, dass wir am Ende alle erforderlichen Genehmigungen bekommen werden.“ In Branchenkreisen wird dem Handelsblatt zufolge spekuliert, dass Hapag-Lloyd zunächst die israelischen Parlamentswahlen am 27. Oktober abwarten und danach einen neuen Antrag stellen wird. Auch die Arbeitnehmervertreter von ZIM stellen sich gegen den Deal.
M&A-Gerüchteküche
Im Reprivatisierungsprozess von Uniper verdichten sich die Gerüchte. Wie „Bloomberg“ berichtet, haben sich RWE und der Finanzinvestor KKR für ein unverbindliches Gebot zusammengetan. Pikant: RWE-Chef Markus Krebber hatte noch im August erklärt, sein Konzern habe „kein Interesse und keine Absicht, Uniper zu kaufen“. Weitere Bieter sollen „Bloomberg“ zufolge Brookfield gemeinsam mit dem Canada Pension Plan Investment Board, die EP Group von Daniel Křetínský sowie Equinor sein. Alle Genannten lehnten eine Stellungnahme ab. Der Bund hatte Uniper 2022 mit 13,5 Milliarden Euro gerettet und muss den Konzern laut EU-Auflage bis Ende 2028 zu mindestens 75 Prozent reprivatisieren.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
