Die Citigroup verstärkt ihre Präsenz in Deutschland und will wegen des Brexits 46 Milliarden Euro an Bilanzsumme von London nach Frankfurt transferieren.

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03.06.20
Banking & Berater

Citigroup verstärkt Präsenz in Deutschland

Die Citigroup will wegen des Brexits 46 Milliarden Euro an Bilanzsumme von London nach Frankfurt transferieren. Das brockt der Großbank aber zunächst einmal ein ordentliches Minus ein.

Großumzug bei der Citigroup: Die US-Großbank will wegen des Brexit ihre EU-Wertpapierhandelsbank mit Sitz in Frankfurt weiter ausbauen. Wie die „Börsenzeitung“ berichtet, will die Citigroup alleine in diesem Jahr ein Geschäftsvolumen von rund 46 Milliarden Euro auf die Citigroup Global Markets Europe übertragen. Die Bilanzsumme der EU-Wertpapierhandelsbank wuchs im vergangenen Jahr bereits um 6 auf 16 Milliarden Euro an. Damit bahnt sich für 2020 eine Vervierfachung der Bilanzsumme an.

Schon im Sommer 2017 hatte die Citigroup damit begonnen, ihren EU-Wertpapierhandel sukzessive von London nach Frankfurt zu verlegen. Im Zuge dieses Brexit-Umzugs entstanden schon vor rund zwei Jahren auf dem Festland mehr als 150 neue Positionen – teils neu geschaffen, teils durch eine Verlagerung des Hauptstandorts von Großbritannien nach Deutschland.

Citigroup will 250 Stellen in Frankfurt schaffen

Eine neue Dimension bekommen soll der Umzug gegen Ende dieses Jahres: Wie Kristine Braden – seit gut drei Monaten Citi-Europachefin – der „Börsenzeitung“ sagte, soll der EU-Wertpapierhandel ab Ende Dezember deutlich wachsen. Dies betrifft Braden zufolge 250 Arbeitsplätze, die von London in die EU verlegt werden sollen. Das sind rund 100 Arbeitsplätze mehr als bislang geplant. Wie viele der 250 Stellen letztlich nach Deutschland verlegt werden, ist aber noch offen. In Kontinentaleuropa waren 2019 rund 400 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Stärkung des Frankfurter Standorts ist ein Hinweis darauf, dass die US-Bank zumindest in der nächsten Zeit keinen Rückzug aus der EU und damit auch aus Deutschland plant. Nach dem Ausbruch des Coronavirus waren Stimmen laut geworden, die den Auslandsbanken – allen voran den US-Banken – nachsagten, sie würden sich wie nach der Finanzkrise auch jetzt wieder aus dem deutschen Firmenkundengeschäft zurückziehen. Gegenüber FINANCE erklärte die Citigroup dazu Anfang Mai, die Bank ziehe sich nicht zurück, sondern wolle ihr Geschäft mit Firmenkunden sogar „selektiv“ ausweiten.

Ihre Aussage vom Mai bekräftigt die Citigroup nun: Wegen der Coronakrise habe die Bank die Liquiditätsversorgung ihrer deutschen Firmenkunden durch das Gewähren von Krediten beziehungsweise Kreditlinien von März bis heute sogar um 50 Prozent hochgefahren und zusätzlich den „Bestandskunden neue Kreditzusagen in gleicher absoluter Höhe genehmigt“, sagte Braden der „Börsenzeitung“. Die Krise biete sogar Chancen für die Bank: „In unserer Public-Sector-Gruppe beraten wir Regierungen und andere öffentliche Stellen dabei, sich möglichst effizient zu finanzieren“, berichtete Braden.

Citigroup schreibt 46 Millionen Euro Verlust

Unterschätzt hat die Citigroup allerdings die Kosten für den Umzug an den Main, in dessen Zuge auch Aktivitäten der Zweigniederlassungen in Spanien, Italien und Frankreich nach Frankfurt verlegt werden sollen. Wie die „Börsenzeitung“ schreibt, habe dieser Ausbau der deutschen Niederlassung im vergangenen Geschäftsjahr einen Fehlbetrag von 46 Millionen Euro eingebrockt. Eigentlich hatten die deutschen Statthalter der Amerikaner für 2019 einen Gewinn eingeplant.

Die Citigroup insgesamt erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 74,3 Milliarden Dollar. Die Region EMEA steht für 17 Prozent der Umsätze, das entspricht rund 12,6 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 11 Milliarden Euro).

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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