Gerüchten zufolge wirft die Commerzbank ihren Hut in den Ring um die NordLB.

NordLB

25.10.18
Banking & Berater

Commerzbank angeblich an NordLB interessiert

Auf weniger als zehn Bieter ist der Interessentenkreis für eine Beteiligung an der NordLB bereits eingegrenzt. Jetzt kursiert ein neues Szenario: Die Commerzbank soll ein Übernahmeangebot gemacht haben.

Die Zukunft der NordLB ist um ein weiteres mögliches Szenario reicher: Neben frischem Kapital durch den Einstieg eines Private-Equity-Investors oder einer Verschmelzung mit der Helaba steht nun auch eine Übernahme durch die Commerzbank im Raum. 

Diese soll eine unverbindliche Offerte für die NordLB abgegeben haben, berichten sowohl die Agentur Reuters als auch das „Handelsblatt“ jeweils unter Berufung auf namentlich nicht genannte Insider. Die Commerzbank könnte durch den Einstieg bei der NordLB neben dem Geschäft mit Privatkunden auch das Firmenkundengeschäft ausbauen. Die NordLB und die Commerzbank äußerten sich auf FINANCE-Anfrage nicht zu den Marktgerüchten. 

Commerzbank hat bei NordLB Konkurrenz

Die NordLB bestätigte allerdings, dass der Bieterprozess sich in der zweiten Phase befinde und die Zahl der potentiellen Investoren auf weniger als zehn Bieter eingeengt worden sei. „Handelsblatt“ und Reuters berichten übereinstimmend von sechs verbliebenen Interessenten, darunter sind der Agentur zufolge die Banken Helaba und Commerzbank sowie die Finanzinvestoren Apollo, Advent sowie Cerberus, der bereits bei der kriselnden HSH Nordbank eingestiegen ist. Auch der sechste Interessent kommt laut „Handelsblatt“ aus dem Private-Equity-Lager. Die ebenfalls zwischenzeitlich als Interessentin gehandelte LBBW soll aus dem Bieterrennen ausgestiegen sein


Käme die Commerzbank mit ihrer Offerte zum Zuge, wäre dies eine ungewöhnliche Konstellation – sie würde den Einstieg einer Privatbank bei einer Landesbank bedeuten. Die NordLB braucht früheren Berichten zufolge bis zu 3,5 Milliarden Euro an frischem Kapital. Die Bank war unter anderem durch Schiffskredite in Schieflage geraten und hat erst vor wenigen Wochen eine erneute Sparrunde verkündet

Sparkassen prüfen Optionen bei der NordLB

Die NordLB ist mehrheitlich im Besitz des Landes Niedersachsen, das 59 Prozent hält. Ob das Land sich bei einem Einstieg der Commerzbank zurückziehen würde, ist offen – bislang war stets die Rede davon, Niedersachsen wolle lediglich einen Minderheitsanteil abgeben. Weitere große Aktienpakete liegen beim Sparkassenverband Niedersachsen (26,4 Prozent) sowie dem Land Sachsen-Anhalt (5,6 Prozent). Auch Sparkassenverbände aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern halten jeweils mehr als 3 Prozent. 


Die Sparkassen könnten noch eine größere Rolle in dem Prozess spielen. Ihnen werden Sympathien für die ebenfalls zum öffentlichen Sektor gehörende Helaba als neuem Investor nachgesagt – dann müsste die NordLB auch den öffentlichen Einlagensicherungsfonds nicht verlassen. 

Commerzbank bot bereits um Landesbank Berlin mit

Die Commerzbank hatte 2007 bereits um die Landesbank Berlin mitgeboten und war damals vom Sparkassenverband DSGV ausgestochen worden, der den 81-prozentigen Anteil des Landes Berlin für mehr als 5 Milliarden Euro übernahm. 

Offenbar wollen die Sparkassen auch die NordLB nicht ohne Weiteres in den Privatsektor wechseln lassen. Das begonnene Investorenverfahren sei für den Sparkassenverband DSGV „Anlass, mögliche Optionen und Handlungserfordernisse für die Sparkassen-Finanzgruppe aufzubereiten und mit seinen Mitgliedern zu beraten”, zitiert die Agentur Reuters aus einem Statement des DSGV mit, der rund 400 Sparkassen vertritt. Etwas Handlungsspielraum bleibt den Sparkassen noch. Laut „Handelsblatt“ können Interessenten noch bis zum 28. November verbindliche Angebote für die NordLB abgeben.