Ulrich Reinecke, NORD/LB

10.10.18
Banking & Berater

LBBW springt offenbar bei NordLB ab

Die LBBW hat offenbar kein Interesse mehr, ein Gebot für die in Schieflage geratene NordLB abzugeben. Zeitgleich sickert durch, wie viel Kapital die niedersächsische Landesbank wirklich braucht.

Der Kreis der Interessenten an der NordLB verkleinert sich: Die LBBW soll einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge kein Gebot für die in Schieflage geratene Landesbank abgegeben haben. Am Montag war die Frist für vorläufige Angebote abgelaufen. Die LBBW wollte auf Nachfrage von FINANCE dazu keinen Kommentar abgeben.

Zu den potentiellen Investoren sollen wohl unter anderem Finanzinvestoren – darunter Cerberus, bereits bei der HSH Nordbank zum Zuge gekommen, sowie Apollo – und die Helaba als einzige verbleibende Landesbank gehören, berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Finanzkreise. Zwischenzeitlich war auch über Interesse seitens chinesischer Banken spekuliert worden, davon war zuletzt aber nichts mehr zu hören.

Niedersachsen will Mehrheit an NordLB behalten

Die niedersächsische Landesbank sucht gemeinsam mit ihrem Haupteigentümer, dem Land Niedersachsen, nach einem Weg, um die Kapitalquoten zu stärken. Die NordLB war 2016 durch faule Schiffskredite unter Druck geraten und hatte einen Rekordverlust von 2 Milliarden Euro eingefahren. Die Mehrheit will das Land aber offenbar behalten, auch wenn eine offizielle Entscheidung noch nicht getroffen ist. Es hält derzeit etwa 59 Prozent. Weitere rund 26 Prozent liegen bei niedersächsischen Sparkassen und etwa 5,6 Prozent bei dem Land Sachsen-Anhalt.

Ohne einen weiteren Investor darf Niedersachen kein frisches Kapital in die Bank schießen. Sonst könnte die EU-Kommission das als Beihilfe werten, und staatliche Beihilfen dürfen nur unter Auflagen und nach Genehmigung vorgenommen werden. Bis zum Jahresende will die Bank ein tragfähiges Konzept für die Zukunft vorlegen.

NordLB benötigt bis zu 3,5 Milliarden Euro

Dabei braucht die NordLB dringend frisches Kapital. Erst kürzlich hat die Bank die nächste Sparrunde eingeleitet und wird weitere Stellen streichen. Die Aufwendungen für das Sparprogramm dürften die Landesbank in diesem Jahr wieder in die roten Zahlen rutschen lassen.

Niedersachsen soll den Kapitalbedarf der Bank nun mit bis zu 3,5 Milliarden Euro beziffert haben. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf interne Unterlagen. Bis zu 2,5 Milliarden sollen von Niedersachsen kommen, etwa 1 Milliarde sollen externe Investoren beisteuern, wie aus den Angebotsunterlagen hervorgehe, berichtet die Zeitung.

Die Investoren könnten die notwendigen Mittel entweder als Eigenkapital in die Bank einbringen oder eine Wandelanleihe zeichnen, die später in Eigenkapital gewandelt wird, heißt es weiter. Zudem soll die Bank von Altlasten befreit werden. Medienberichten zufolge soll die Bank planen, Portfolios notleidender Kredite zu verkaufen.

Konsolidierung unter den Landesbanken möglich

Noch ist völlig offen, ob sich letztlich eine Landesbank als Bieter für die NordLB durchsetzen kann. Die Lösung würde jedenfalls im Sparkassenkreis auf positive Resonanz stoßen. Es wäre zudem ein großer Schritt zur Konsolidierung der Landesbankenlandschaft.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de