Deutsche Banken polieren ihren Gewinn gerne mit Sondereffekten auf. Die Deutsche Bank trieb das dieses Jahr auf die Spitze, bei der DZ Bank machten die Sondereffekte "nur" 800 Millionen aus.

DZ Bank

28.02.20
Banking & Berater

DZ Bank profitiert von neuem Firmenkundenansatz

Angetrieben von einem robusten Firmenkundengeschäft hat die DZ Bank ihren Vorsteuergewinn auf 2,7 Milliarden Euro verdoppelt. Davon entfallen aber 800 Millionen auf Sonder- und Bewertungseffekte, weil die Bank 2019 im M&A-Fieber war.

Die genossenschaftliche DZ-Bank-Gruppe hatte 2019 wieder viele Hausaufgaben zu erledigen: Das operative Geschäft wurde von der Holding getrennt, Randaktivitäten wurden verkauft, und ein neuer Betreuungsansatz erhielt im Firmenkundengeschäft Einzug. Hinzu kamen gleich mehrere signifikante marktbedingte Bewertungseffekte.

Was genau hat sich strukturell bei den Genossen geändert? Die DZ-Bank-Gruppe weißt neben der operativen Kernbank künftig separat eine „Holdingfunktion“ aus. Diese sei ein reines Kosten-Center, in dem die Bank übergeordnete Kosten für Steuerungsaufgaben, IT-Dienstleistungen oder Regulatorik bündelt. Diese Holdingkosten beliefen sich 2019 auf 258 Millionen Euro. Die Holdingstruktur entstand nach dem Zusammenschluss mit der WGZ Bank, der nun komplett abgeschlossen sei. 

Neu ist auch, dass sich die ehemalige DZ Bank AG nun „DZ Bank – Verbund- und Geschäftsbank“ nennt. Sie umfasst wie bisher die CFO-relevanten Bereiche Firmenkundengeschäft , Transaction Banking und Kapitalmarktgeschäft. Jedoch fließen hier nun keine Beteiligungserträge aus anderen Geschäftsfeldern wie beispielsweise der Bausparkasse Schwäbisch Hall oder der R+V Versicherung mehr ein. Die Bank will dadurch mehr Transparenz über die operative Ertragskraft der DZ Bank AG schaffen. 

DZ Bank wächst im Firmenkundengeschäft

Tatsächlich ist zu erkennbar, dass die Genossen im Firmenkundengeschäft kein schlechtes Jahr hatten. Für 2019 hatte sich die DZ Bank vorgenommen, eine „Lücke im oberen Mittelstand“ zu schließen, wie Co-Chef Uwe Fröhlich vor einem Jahr angekündigt hatte. Firmenkunden, die zu groß für Volks- und Raiffeisenbanken, aber noch zu klein für die DZ Bank waren, sollten vor Ort mit Kapitalmarkt-, Transaction-Banking- und Außenhandelsfinanzierungsprodukten bedient werden – und nicht mehr über die Zentrale in Frankfurt, was offenbar nicht besonders gut funktionierte.

So führt die DZ Bank den 2019 erzielten Anstieg beim Kreditvolumen mit Firmenkunden um 10 Prozent auf 58,5 Milliarden Euro vor allem auf die Zusammenarbeit mit den Genossenschaftsbanken zurück. Allein das Volumen im Gemeinschaftskreditgeschäft sei um 7 Prozent auf 14,4 Milliarden Euro geklettert. Zudem sei die Exportfinanzierung um 13 Prozent gewachsen. Absolute Zahlen nannte die Bank hierzu allerdings auch auf Nachfrage nicht. 

Die Bank spricht aber auch von Fortschritten mit Bestandskunden. Die eine oder andere Bank dürfte neidisch an den Frankfurter Platz der Republik blicken, ist die Anzahl der Hausbankbeziehungen der DZ Bank doch um 9 Prozent gestiegen – und die Erträge aus dem Cross Selling sogar um 13 Prozent. Einer Banksprecherin zufolge fragten Firmenkunden vor allem Produkte zur Zins- und Währungsabsicherung nach.

Aber auch das Corporate-Finance-Geschäft sei erfreulich gelaufen, insbesondere die M&A-Beratung, wo die DZ Bank sich bei Mittelständlern für Nachfolgelösungen positioniert. Ihren Marktanteil im Firmenkundengeschäft beziffern die Genossen selbst auf 22 Prozent. Die Zielmarke liegt nach eigener Aussage bei 25 Prozent.

Risikokosten der DZ Bank steigen

Im Transaction Banking sei die Anzahl abgewickelter Zahlungsverkehrstransaktionen um 10 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro gestiegen. Im Verwahrstellengeschäft erhöhten sich die Assets under Custody um 18 Prozent auf 254,2 Milliarden Euro, was nach Bankangaben unter anderem an einem nicht offen gelegten Zukauf gelegen habe.

Wie stark sich diese Zahlen auf das Ergebnis auswirken, lässt sich nur erahnen, da die DZ Bank den Zins- und Provisionsüberschuss bei den vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 nur auf Gruppenebene ausweist. Zumindest im Firmenkundengeschäft und Transaction Banking sei er aber „durch eine Ausweitung des Geschäftsvolumens deutlich gesteigert“ worden, berichtet die DZ Bank. 

Indes: Der Vorsteuergewinn im Firmenkundengeschäft und Transaction Banking ist um 19 Prozent auf 293 Millionen Euro gesunken. Dies erklärt die DZ Bank mit der gestiegenen Risikovorsorge, die sich normalisiert hat und 2019 in der Gruppe von 21 auf 329 Millionen Euro geklettert ist. Der Großteil davon dürfte auf Firmenkunden entfallen.

DZ Bank dreht M&A-Karussell

Trotz dieses unschönen Trends konnte die DZ-Bank insgesamt ihren Konzernvorsteuergewinn auf rund 2,7 Milliarden Euro beinahe verdoppeln. Jedoch enthält diese Gewinnexplosion eine ganze Reihe an Sonder- und Bewertungseffekten, die zusammen rund 800 Millionen Euro ausmachen. Um diese bereinigt, läge der Vorsteuergewinn bei rund 1,9 Milliarden Euro, knapp 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Die Commerzbank verdiente 2019 vor Steuern nur 1,1 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank machte um Sondereffekte bereinigt sogar 2,6 Milliarden Euro Verlust.

Die Sondereffekte der DZ Bank sind vielfältig. Da wäre zunächst ein bunter Strauß an M&A-Aktivitäten, vor allem in der Abbaueinheit DVB Bank. Hier hat die DZ Bank 2019 gleich drei Geschäftsbereiche verkauft: Das Flugzeugfinanzierungsgeschäft wurde an die MUFG abgegeben, das Landtransport-Finanzierungsgeschäft an die Helaba. Außerdem ging Log Pay an Volkswagen Financial Services. Ein Teil der Verkaufserlöse aus diesen Geschäften soll dafür verwendet werden, um den restlichen Kreditbestand der DVB möglichst wertschonend abzubauen. Das restliche Kundenkreditvolumen der DVB beträgt immer noch 7,4 Milliarden Euro.

Auch das Leasing-Angebot wurde gestrafft: VR Immobilien Leasing wurde an Loancos verkauft, BFL Leasing ging an die Bawag. Darüber hinaus trennte sich die DZ Bank von Beteiligungen im Ausland: Die tschechische Bausparkasse CMSS wurde an die niederländische Großbank KBC verkauft, Union Investment Polen ging an Generali.

Unter dem Strich drehten diese Deals das „sonstige betriebliche Ergebnis“ von minus 109 Millionen Euro in 2018 auf plus 250 Millionen Euro im Jahr 2019 und leisteten damit einen wesentlich Beitrag zum Gewinnanstieg. 

Bewertungseffekte treiben Gewinn der DZ Bank

Darüber hinaus profitierte die DZ Bank auch von erheblichen Bewertungseffekten. So ist der Gewinnanstieg der Immobilienbank DZ Hyp von 232 auf 687 Millionen Euro im Wesentlichen auf Wertzuwächse im Staatsanleihendepot zurückzuführen.

Auch der sagenhafte Gewinnanstieg der R+V Versicherung von 413 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro hat in erster Linie nicht-operative Gründe: Die Zuwächse seien maßgeblich durch das hohe Kapitalanlageergebnis getrieben, erklärt die DZ Bank – nicht ohne davor zu warnen, dass der Rückgang der Zinsen zwar kurzfristig die Ergebnisse beflügele, langfristig aber eine Belastung sei. 

Wie kosteneffizient die DZ Bank gearbeitet hat, ist schwer zu beurteilen, da sie keine bereinigte Cost-Income-Ratio angibt, sondern nur die unbereinigte. Diese sank zwar von 74,5 auf 57,3 Prozent – allerdings bezogen auf die von hohen Sondereffekten aufgeblähten Erträge. In absoluten Zahlen blieben die Verwaltungskosten mit rund 4 Milliarden Euro in etwa konstant. Für 2020 prognostiziert die DZ Bank einen Vorsteuergewinn zwischen 1,5 und 2 Milliarden, jedoch eher am unteren Ende der Spanne. Verglichen mit den bereinigten 1,9 Milliarden Euro wäre dies ein Gewinnrückgang. 

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Die DZ Bank hat sich 2019 im Firmenkundengeschäft ganz gut geschlagen. Wie Commerzbank, Deutsche Bank & Co. im Corporate Banking abgeschnitten haben, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.