Die Gerüchteküche um den Deutsche-Bank-CFO James von Moltke und den Chef des Investmentbankings Garth Ritchie brodelt.

Deutsche Bank

18.06.19
Banking & Berater

Sortiert die Deutsche Bank CFO und Investmentbanking-Chef aus?

Zieht Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing die Reißleine? Medienberichten zufolge erwägt er die Ablösung von CFO James von Moltke sowie von Investmentbanking-Chef Garth Ritchie. Die Aktionäre goutieren die Gerüchte.

Bei der Deutschen Bank könnte ein Umbau im Top-Management anstehen: Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge, die sich auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person bezieht, soll CEO Christian Sewing die Auswechslung von CFO James von Moltke erwägen. Von Moltke ist seit Juli 2017 Finanzchef bei dem krisengeplagten Finanzinstitut.

Darüber hinaus berichtet das „Manager Magazin“, dass Sewing zudem Garth Ritchie, den Chef des Investmentbankings, ablösen könnte, um den geplanten Umbau der Sparte selbst zu übernehmen. Er diskutiere derzeit den Schritt mit Vertrauten, heißt es in dem Bericht. Ob er den Umbau tatsächlich selbst in die Hand nähme, hänge allerdings auch von dem Zuschnitt der Einheit nach dem geplanten Umbau ab, heißt es weiter.

Zwar seien endgültige Entscheidungen noch nicht gefallen, doch die Insider beschreiben die Personalunion zwischen CEO und Investmentbankchef dem Manager Magazin gegenüber als die wahrscheinlichste Lösung. Die Deutsche Bank wollte die Gerüchte nicht kommentieren.   Das Magazin „Der Spiegel“ hatte kürzlich berichtet, dass Sewing zudem große Stücke auf Stefan Hoops halte, den derzeitigen Leiter der Globalen Transaktionsbank. Er wurde in dem Bericht ebenfalls für weitere Führungsaufgaben ins Gespräch gebracht. 

Garth Ritchies Vertrag wurde erst verlängert

Investmentbank-Chef Ritchie sitzt seit Januar 2016 im Vorstand der Deutschen Bank, wurde im Frühjahr 2017 gemeinsam mit dem damaligen CFO Marcus Schenck zum Co-Chef des Investmentbankings berufen und verantwortet den Posten seit April 2018 alleine. Seitdem gab es immer wieder Spekulationen um einen möglichen Weggang, doch schließlich wurde sein Vertrag im September 2018 noch um fünf Jahre verlängert. 

Vor einigen Tagen kam Ritchie in die Schlagzeilen, weil er in den Cum-Ex-Ermittlungen ins Visier der Staatsanwaltschaft Köln geraten ist. Er hat bereits dementiert, dass er in Cum-Ex-Aktivitäten involviert sein solle.

Die Aktionäre jedenfalls scheinen einen Vorstandsumbau zu begrüßen – die Aktie machte nach den ersten Medienberichten zu den Umbaugerüchten am späten Dienstagnachmittag einen Satz nach oben und stieg um gut 4 Prozent auf mehr als 6,30 Euro. Etwas Auftrieb kann die Aktie gut gebrauchen: Das Papier des Geldhauses befindet sich seit Jahren im Sinkflug und knackte zuletzt einen Negativrekord nach dem nächsten.

FINANCE-Köpfe

James von Moltke, Deutsche Bank AG

Nach seinem Bachelor-Abschluss an der Universität Oxford beginnt James von Moltke seine Karriere 1992 bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston in London. Drei Jahre später und bis 2005 ist er für JP Morgan in New York und Hongkong tätig. Anschließend wechselt er zu Morgan Stanley in New York. In diesen Rollen berät er vor allem Unternehmen aus dem Financial-Services-Bereich.
 
2009 übernimmt von Moltke die Leitung der Corporate M&A Abteilung bei der Citigroup und drei Jahre später die Verantwortung für die weltweite Finanzplanung der US-Bank. 2015 wird er zum Treasury-Chef der Citigroup befördert. Im Frühjahr 2017 verkündet von Moltke seinen Wechsel zur Deutschen Bank, wo er seit Juli des gleichen Jahres Konzern-CFO ist.

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Sewing will Investmentbanking umbauen

Schon lange arbeitet die Bank am Befreiungsschlag, doch dieser ist bislang nicht gelungen. Ein Tiefpunkt war die Hauptversammlung Ende Mai, als Vorstand und Aufsichtsrat um ihre Entlastung bangen mussten. Vor allem das Investmentbanking, einst die Vorzeigesparte, kommt nicht aus der Krise, im ersten Quartal 2019 überschritt die Cost-Income-Ratio die 100-Prozent-Marke.

Um die Aktionäre zu beruhigen, kündigte CEO Sewing auf der Hauptversammlung harte Einschnitte an, unter anderem bei der Unternehmens- und Investmentbank. Konkret will er die Transaktionsbank, die ein Teil der Unternehmens- und Investmentbank ist, zum Herzstück machen.

Laut „Manager Magazin“ sollen zum geplanten Umbau der Bank auch radikale Einschnitte im Aktienhandel sowie im Anleihe- und Derivategeschäft gehören. Risikogewichtete Aktiva von rund 40 der zuletzt 347 Milliarden Euro sollen abgebaut werden, vielleicht auch mehr. Außerdem wolle Sewing die Kosten deutlich stärker senken als bisher geplant. Die Details seines Plans werde er voraussichtlich im Juli verkünden.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Erfahren Sie mehr über die bisherige Karriere des Deutsche-Bank-CFOs im Köpfe-Profil von James von Moltke.