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So viel verdienen Wirtschaftsprüfer bei den Big Four

Die Big Four sind beliebte Arbeitgeber. Wie viel Gehalt ist drin? Foto: Deloitte/PwC/KPMG/EY – FINANCE-Montage
Die Big Four sind beliebte Arbeitgeber. Wie viel Gehalt ist drin? Foto: Deloitte/PwC/KPMG/EY – FINANCE-Montage

Die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften KPMG, PwC, Deloitte und EY gehören seit jeher zu den beliebtesten Arbeitgebern bei Uni-Absolventen. Das zeigt zum Beispiel das jährliche Ranking des Marktforschers Trendence, wo die sogenannten Big Four stets auf den vorderen Plätzen landen.

PwC, KPMG, EY und Deloitte locken nicht nur mit einem weltweit bekannten Namen. Durch ihre Oligopol-Stellung im Wirtschaftsprüfungsmarkt gehören auch die größten und bekanntesten Konzerne zu ihren Kunden, in Deutschland etwa fast alle Dax-Unternehmen. Die Aussicht, als Abschlussprüfer Einblicke in solche bekannten Konzerne zu erhalten, lockt zusätzlich viele Kandidaten.

Doch wie sieht es beim Gehalt aus? Wie viel zahlen KPMG, PwC, Deloitte und EY ihren Wirtschaftsprüfungsassistenten, Senior Beratern, examinierten Wirtschaftsprüfern und Co.? Bei welcher Big-Four-Firma verdient man am meisten?

Berufsanfänger: Keine großen Unterschiede bei Big Four

Die Frage nach dem Gehalt bei den Big Four gehört zu den häufigsten in Foren für Berufseinsteiger im Wirtschaftsbereich. So hoch das Interesse um die konkreten Zahlen ist, so groß ist auch das Geheimnis, das darum gemacht wird. „Grundsätzlich gibt es gerade in den ersten Berufsjahren keine großen Unterschiede zwischen der Bezahlung bei PwC, Deloitte, KPMG und EY“, berichtet ein Personalberater gegenüber FINANCE.

Zwar suchen alle vier händeringend nach gutem Personal und betreiben ein aufwendiges Hochschulmarketing. Doch besondere Kenntnisse, die einen Kandidaten so attraktiv machen, dass er bei einem Konkurrenten ein höheres Gehalt erhalten würde, hat man meist erst viel später in der beruflichen Karriere.  

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Aber selbst bei einem Arbeitgeberwechsel zwischen den Big Four bleiben die Gehaltssprünge meist überschaubar. Das liegt an der starren Hierarchiestruktur bei den WP-Gesellschaften: „Es ist meist recht klar festgelegt, wie viel man etwa als Junior Consultant, Manager oder Senior Manager verdient. Erhält ein neuer Mitarbeiter signifikant mehr, würde das Gehaltsgefüge auseinanderbrechen“, so der Berater weiter. Größere Gehaltssprünge lassen sich also meist nur dann realisieren, wenn man in eine höhere Hierarchiestufe befördert wird.

Das verdienen Consultants bei PwC, Deloitte, KPMG und EY

Diese Stufen sind bei allen Vieren sehr ähnlich und klar strukturiert. Wer nach der Hochschule bei einer WP-Gesellschaft einsteigt, arbeitet als (Junior) Consultant, manchmal wird die Position auch als Wirtschaftsprüfungsassistent bezeichnet. Als Berufseinsteiger sammelt man erste Erfahrungen in der Wirtschaftsprüfung beim Kunden, nimmt bereits einfachere Prüfungen vor oder holt Saldenbestätigungen ein.

Verhältnismäßig niedrig ist in dieser Stufe noch das Gehalt, zeigen etwa Daten des Jobportals Kununu. Die Daten stammen von aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern der Unternehmen. Sie sind damit zwar nicht repräsentativ, liefern aber gute Hinweise. So zahlt KPMG den Berufseinsteigern zwischen 38.500 und 56.200 Euro, im Durchschnitt sind das 47.400 Euro. Bei EY ist die Spanne ganz ähnlich, im Schnitt zahlt der Wettbewerber einem Junior 47.000 Euro. Bei PwC sind es mit durchschnittlich 47.500 Euro etwas mehr. Die Unterschiede sind aber derart marginal, dass sie sich auch durch Statistikeffekte erklären lassen.

Ein Ausreißer ist jedoch Deloitte, dort ist die Spanne laut Kununu am größten: Die kleinste der Big Four zahlt zwischen 43.900 und 62.000 Euro, was im Durchschnitt 51.800 Euro sind. Grundsätzlich sind die Zahlen zu Deloitte bei Kununu aber mit Vorsicht zu genießen, da das Big-Four-Haus dort der Branche „Consulting“ zugeordnet ist. Hier könnten also Beratergehälter mit einfließen, die generell höher sind als die in der reinen Wirtschaftsprüfung.

Etwas niedriger sind die Zahlen der Gehälterdatenbank Gehalt.de, die FINANCE vorliegen. Wirtschaftsprüfer, die weniger als drei Jahre Berufserfahrung vorweisen können (was bei WP-Assistenten meist der Fall ist) verdienen im Schnitt 41.541 Euro. Allerdings differenziert Gehalt.de hier nicht nach Unternehmensgrößen, sodass in dieser Summe sowohl die Big Four als auch kleinere WP-Gesellschaften enthalten sind – letztere dürften den Schnitt beim Gehalt herunterziehen. Allerdings wird der Gehaltsunterschied zwischen großen und mittelständischen WP-Häusern teilweise geringer, je höher die Berufsposition ist

Vom Junior zum Senior: 10 Prozent mehr Gehalt?

Für Berufseinsteiger bei einem Big-Four-Haus gehört eine hohe Arbeitsbelastung zum Alltag. Mit der Aussicht auf eine Beförderung ziehen viele das straffe Programm durch – doch in der nächsten Karrierestufe als Senior Consultant nimmt der Stress eher noch zu. In dieser Position übernimmt man mit etwa drei Jahren Berufserfahrung schon viel mehr Verantwortung bei der Abschlussprüfung des Kunden. Senior Consultants leiten Teilprojekte, übernehmen komplexere Prüfungshandlungen, arbeiten bei der Erstellung des Jahresabschlusses mit und lernen Juniors ein.

Lohnt sich der zusätzliche Stress auch finanziell? Wie man aus dem Markt hört, liegt die Gehaltssteigerung bei diesem ersten Karriereschritt aber nur bei etwa 10 Prozent. Dies entspricht im Schnitt einem Gehalt von rund 52.000 Euro. In eine ähnliche Richtung gehen auch die Zahlen bei Kununu: So verdienen Senior Consultants bei EY im Schnitt 52.700 Euro, bei PwC sind es 54.600 Euro. Bei KPMG kommen Seniors demnach auf 50.200 Euro, während es bei Deloitte sogar 59.200 Euro sein sollen, doch auch hier könnten Berater-Gehälter den Wert verzerren.  

EY zahlt Senior Managern 83.500 Euro

Die Position des Seniors ist auch deshalb besonders stressig, weil man parallel zu seinem regulären Job beim Mandanten auch noch sein Wirtschaftsprüferexamen ablegen muss, falls man zum examinierten Prüfer aufsteigen will. Die Prüfung gilt als besonders anspruchsvoll. Doch wer es schafft, kann bei den Big Four mit einem deutlichen Gehaltssprung rechnen, denn beim nächsten Hierarchiesprung wird man zum „Manager“.

Kununu zufolge verdient ein Manager bei KPMG im Schnitt 90.400 Euro, bei PwC sind es 86.600 Euro. Manager bei EY kommen demnach auf 83.400 Euro, bei Deloitte ist es mit 95.100 Euro wieder die höchste Summe.

Auch die Daten von Gehalt.de deuten in eine ähnliche Richtung: Mit einer Berufserfahrung von sieben bis zehn Jahren, was etwa der Position eines Managers oder Senior Managers entspricht, erhalten Wirtschaftsprüfer im Schnitt 85.255 Euro – hier dürften wieder die Gehälter bei kleineren WP-Gesellschaften den Schnitt herunterziehen.

Wie viel verdienen Director und Partner bei den Big Four?

In der nächsten Karrierestufe des Senior Managers liegen die Gehälter bei den Big Four im Schnitt bei 115.000 Euro, wie FINANCE aus dem Markt gehört hat. Kununu weist dazu keine gesonderten Daten aus, teilweise dürften die Gehälter auch schon in der Position der Managers verrechnet worden sein. Gehalt.de zufolge liegt das Gehalt eines Wirtschaftsprüfers mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung bei 103.000 bis 127.000 Euro.

Für die nächsthöhere Position des Directors gibt es ebenfalls keine Gehaltsangaben mehr bei Kununu, was auch daran liegen dürfte, dass die Gehaltspakete in dieser hohen Position schon deutlich individueller ausgestaltet werden. Dem Vernehmen nach könnten aber durchaus Gehälter um die 170.000 Euro drin sein. Die nächste – und letzte – Beförderungsstufe ist dann schließlich der Equity oder Salary Partner. Das höchste Gehalt erhält der Equity Partner, Marktbeobachtern zufolge häufig eine Viertelmillion Euro oder mehr.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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Julia Schmitt ist Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung, Controlling und Bilanzierung. Julia Schmitt hat einen Abschluss in Volkswirtschaftslehre und Publizistik und arbeitete während ihres Studiums unter anderem in der Online-Redaktion der ZDF heute.de-Nachrichten.