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EY profitiert von neuem Dax40

EY bekommt mehrere neue Kunden in Deutschlands erster Börsenliga Dax.
EY bekommt mehrere neue Kunden in Deutschlands erster Börsenliga Dax. Foto: Markus Mainka/adobe-stock.com

Der neue Dax40 steht – zehn weitere Unternehmen werden vom 20. September an in Deutschlands erste Börsenliga aufsteigen. Das hat nicht nur Folgen für die betroffenen Unternehmen und ihre Aktionäre. Auch für die Wirtschaftsprüfer hat die neue Dax-Zusammensetzung Konsequenzen: Sie verändert ihren Marktanteil in dem begehrten Börsensegment. 

Auch wenn es für die konkrete Arbeit des Abschlussprüfers auf den ersten Blick keinen Unterschied macht, ob sein Kunde zuvor im MDax und nun im Dax40 notiert, so ist die Außenwirkung doch eine andere. Zum einen ist die Betreuung eines Dax-Konzerns mit hohem Prestige verbunden und macht den Abschlussprüfer damit attraktiver für Bewerber. Und auch gegenüber ihrer ausländischen Partnergesellschaften rühmen sich die lokalen Gesellschaften der Big Four gerne mit Mandaten in Deutschlands erster Börsenliga.

Gleichzeitig stehen die neuen Dax40-Unternehmen nun deutlich stärker im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit – kommt es zu Problemen bei dem Unternehmen, hängen die Wirtschaftsprüfer prominent mit drin. Wie genau sieht also die neue Verteilung aus, wer profitiert und wer verliert an Marktanteil?

KPMG und PwC liegen wieder gleichauf

Für KPMG bringt die neue Zusammensetzung Vorteile: Mit dem Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, dem Diagnostiker Qiagen und dem Lieferdienst Hello Fresh betreut das Big-Four-Haus drei Aufsteiger im erweiterten Dax. Damit prüft die Gesellschaft künftig insgesamt 14 Dax-Unternehmen und zieht damit gleich mit PwC, das ebenfalls 14 Kunden in diesem Börsensegment prüft. Bei PwC kommen mit der Erweiterung der Chemiekonzern Brenntag und der Autokonzern Porsche zu den zwölf bestehenden Dax-Mandaten hinzu.

KPMG hat im Zuge der Prüferrotation bisher die meisten Dax-Konzerne abgeben müssen, darunter große Namen wie BMW und die Deutsche Bank. Im Gegenzug konnte KPMG aber kaum neue Kunden in dem Segment gewinnen. Dadurch musste das Big-Four-Haus seine Marktführerschaft im Dax zuletzt an PwC abtreten, das viele neue Dax-Konzerne von sich überzeugen konnte. Durch die Erweiterung herrscht im Dax40 künftig aber wieder Gleichstand zwischen den beiden Häusern.

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Gute Nachrichten gibt es auch für Deloitte: Der kleinste der Big Four prüft mit dem Sportartikelhersteller Puma nun ein weiteres Dax-Unternehmen. Bisher sah es bei Deloitte eher mau aus: Trotz der Chancen, die die Prüferrotation bot, konnte die Gesellschaft im Dax bisher nur Bayer und vor Kurzem noch Merck sowie die Deutsche Post ab 2023 von sich überzeugen. Nun kann Deloitte künftig immerhin schon mit vier Prüfmandaten glänzen.

EY gewinnt vier neue Dax-Konzerne

Die meisten neuen Dax-Kunden erhält aber EY durch die Neuaufstellung: Es kommen die Siemens-Tochter Healthineers, der Online-Händler Zalando, der Dufthersteller Symrise und das Schwergewicht Airbus hinzu. Damit prüft EY künftig zehn Dax-Kunden und rückt damit deutlich näher an KPMG und PwC heran.

EY kann den höheren Marktanteil in dem angesehen Börsensegment gut gebrauchen, denn die Gesellschaft kämpft mit einem herben Image-Verlust durch den Wirecard-Skandal und musste in dem Zuge schon einige prominente Prüfkunden abtreten, wie die Deutsche Telekom oder die Commerzbank. Auch die Deutsche Bank hat das Mandat ausgeschrieben.

In manchen Fällen forderten Aktionäre vereinzelt eine neue Prüferwahl – aktuell etwa bei Siemens und den beiden Töchtern Healthineers und Energy – konnten sich auf der Hauptversammlung aber letztlich nicht durchsetzen. Ähnlich war es auch bei dem Dax-Konzern MTU Aero Engines, doch auch hier konnte EY das Mandat bislang noch verteidigen.

Damit positionieren sich PwC und KPMG nun als die Marktführer im neu aufgestellten Segment, dicht gefolgt von EY, während Deloitte noch eher im Abseits ist. Doch noch ist nichts festzementiert: Nachdem die Rotationsfrist im Zuge des Wirecard-Skandals nun von 20 auf zehn Jahre verkürzt wurde, wird es in Deutschlands erster Börsenliga in den kommenden Jahren wieder zu Verwerfungen kommen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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Julia Schmitt ist Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung, Controlling und Bilanzierung. Julia Schmitt hat einen Abschluss in Volkswirtschaftslehre und Publizistik und arbeitete während ihres Studiums unter anderem in der Online-Redaktion der ZDF heute.de-Nachrichten.

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