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EY wird unbeliebter bei Absolventen

Der Eingang zum EY-Standdort in Eschborn – welche Absolventen finden ihren Weg dorthin?
Der Eingang zum EY-Standdort in Eschborn – welche Absolventen finden ihren Weg dorthin? Foto: EY

Jedes Jahr stellen sich zig Hochschulabsolventen die gleiche Frage: Wo bewerbe ich mich nach meinem Abschluss? Gerade bei den Absolventen der Wirtschaftswissenschaften stehen Jobs als Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder Unternehmensberater hoch im Kurs. Für Deutschlands große Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften ist das ein wichtiger Pol, um Top-Talente zu gewinnen und sie längerfristig an sich zu binden – auch um die traditionell hohe Fluktuation in der Unternehmensberatung auszugleichen.

Dabei stehen sie in einem großen Konkurrenzkampf miteinander, was eine Frage für fast jede Unternehmensberatung relevant macht: Welche Arbeitgeber sind gerade besonders beliebt bei den Berufsanfängern, und wer rutscht in der Attraktivitätsskala ab? Das dazu passende Ranking erhebt das Marktforschungsunternehmen Trendence jährlich. Die Ergebnisse für 2021 zeigen größere Verschiebungen.

PwC bleibt die Nummer 1 der Absolventen

Mit Blick auf Prüfungs- und Beratungsgesellschaften sind PwC und McKinsey die Nummer 1 unter den Absolventen. Über alle Branchen hinweg, rangieren die beiden auf Platz 10. Dabei hat McKinsey im Vergleich zum Vorjahr einen Platz gut machen können, während PwC sein Vorjahresranking gehalten hat. PwC ist schon seit vielen Jahren der beliebteste Arbeitgeber unter den Big Four.

Robindro Ullah, Geschäftsführer von Trendence, hat eine Vermutung, warum sich PwC weiterhin oben halten kann: „Dass PwC sich im vergangenen Jahr mit dem Karriere-Podcast ‚Versprochen‘ auf den Markt begeben hat, das war sicherlich nicht verkehrt. Immerhin geben 47 Prozent aller Studierenden der Wirtschaftswissenschaften an, dass Podcasts zum festen Bestandteil der von ihnen genutzten Medien gehören.“

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Dabei war das Corona-Jahr durchaus auch für PwC herausfordernd. Der Umsatz ist nur um magere 1,5 Prozent auf 2,35 Milliarden Euro gewachsen. Das Beratungsgeschäft ist sogar um 2 Prozent geschrumpft. Die Prüfung konnte immerhin um 5 Prozent zulegen – ein krisensicheres Geschäftsfeld, bei dem PwC davon profitiert, zuletzt viele prominente Prüfmandate gewonnen zu haben.

EY und KPMG teilen sich Platz 16

Auf Platz 15 der beliebtesten Arbeitgeber folgt BCG, die ihre Position aus dem Vorjahr ebenfalls halten konnten. Auf Rang 16 findet sich EY – eine Verschlechterung von vier Plätzen im Vergleich zum Vorjahr. Platz 16 ist zudem die schlechteste Platzierung seit mehreren Jahren für EY – meistens schwankte das WP-Haus zwischen Platz 10 und 12.

EY hat ein schwieriges Jahr hinter sich: Seit dem Wirecard-Skandal steht das WP-Haus unter Druck und musste bereits einige Prüfmandate abgeben. Das Unternehmen wird verklagt und steht unter Beschuss der Politik. Es herrscht Unsicherheit darüber, wie es bei EY weitergeht. Die Vermutung liegt nahe, dass dies manche Berufseinsteiger abschreckt.

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Headhunter zu Wirecard-Skandal: „Bei EY herrscht jetzt Unruhe“

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Nach dem Wirecard-Skandal steht die Wirtschaftsprüferbranche am Pranger – was sind die Folgen für den Berufsstand? „Manche Hochschulabsolventen sind jetzt etwas vorsichtiger und beobachten die Lage“, hat Hellmuth Wolf, Headhunter bei der Personalberatung Signium, beobachtet. „Wir können aber nicht feststellen, dass weniger Leute das Wirtschaftsprüferexamen anstreben.“ Während der Prüfer-Nachwuchs die Lage also eher entspannt sieht, ist es bei den gestandenen Prüfern anders, insbesondere bei EY selbst: „Im Prüfungsbereich von EY herrscht eine gewisse Unruhe“, so Wolf – vor allem in jenen Bereichen, in denen EY jetzt wegen Wirecard Prüfmandate verloren hat. Ob bei EY bereits ein Mitarbeiterexodus eingesetzt hat und wie die Branche auf die strenge Prüferregulierung reagieren dürfte – der Talk bei FINANCE-TV.

Ebenfalls auf Platz 16 der beliebtesten Arbeitgeber liegt KPMG. Damit kann das Big-Four-Haus die Position des Vorjahres halten, was in Krisenzeiten nicht selbstverständlich ist, wie Robindro Ullah bemerkt. Auch KPMG hat unter Corona gelitten, der Umsatz stagnierte bei 1,9 Milliarden Euro. Die Wirtschaftsprüfung schrumpfte um 2 Prozent, während die Beratung nicht vom Fleck kam.

Deloitte bleibt hinter EY, PwC und KPMG

Am wenigsten beliebt unter den Big Four ist Deloitte, die auf Rang 19 landen. Für die Gesellschaft, die auch die kleinste der vier ist, ist das zudem eine Verschlechterung um drei Plätze verglichen mit dem Vorjahr. Betrachtet man das größere Bild, hat Deloitte aber in den vergangenen Jahren unter den Absolventen deutlich an Beliebtheit gewonnen: 2016 war der Prüfer und Berater noch auf Platz 32 und damit weit abgeschlagen hinter den drei Konkurrenten PwC, EY und KPMG.

Die beliebtesten Arbeitgeber von Absolventen der Wirtschaftswissenschaften 2021

Top-ArbeitgeberRang
McKinsey10
PwC10
BCG15
EY16
KPMG16
Deloitte19
Accenture52
Bain & Company52
Roland Berger65
DATEV83
IBM83
Horváth & Partners92
Quelle: Trendence


Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Zahlen von Deloitte wider, die seit 2016 starke Umsatzzuwächse zeigen. Nur das Corona-Jahr verpasste Deloitte einen Dämpfer: Der Umsatz wuchs nur leicht um 3 Prozent auf 1,69 Milliarden Euro, die Beratung schrumpfte um 1 Prozent.

Insgesamt gehören alle Big Four zu den 20 beliebtesten Arbeitgebern von Berufsanfängern mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund. Andere Beratungshäuser liegen deutlich weiter hinten. Bain und Accenture finden sich auf Rang 52 wider, wobei Accenture sich sogar um 15 Plätze verschlechtert hat. Roland Berger liegt auf Platz 52, Horváth auf Rang 92 und Capgemini auf 107 – eine Verschlechterung um 17 Positionen. Zehn Plätze musste außerdem die PwC-Tochter Stragegy& einbüßen, die auf Rang 113 abgefallen ist.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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Julia Schmitt ist Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung, Controlling und Bilanzierung. Julia Schmitt hat einen Abschluss in Volkswirtschaftslehre und Publizistik und arbeitete während ihres Studiums unter anderem in der Online-Redaktion der ZDF heute.de-Nachrichten.

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