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Roland Berger erwägt Börsengang

Das Beratungshaus Roland Berger prüft offenbar einen Börsengang. Foto: Roland Berger
Das Beratungshaus Roland Berger prüft offenbar einen Börsengang. Foto: Roland Berger

Zieht es die Unternehmensberatung Roland Berger an die Börse? Intern erwägt die Unternehmensberatung offenbar einen IPO, wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ unter Berufung auf „mit der Angelegenheit betraute Personen“ berichtet.

Demnach prüfen die Münchener diese Möglichkeit seit einigen Monaten, Vorgespräche mit potenziellen Beratern liefen bereits. Möglicherweise könnte der Börsengang sogar noch in diesem Jahr steigen. Die Beratungsgesellschaft selbst wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren, was für gewöhnlich darauf hindeutet, dass an der Sache etwas dran ist.

Offiziell heißt es von Seiten der Münchener nur, man wolle das eigene Wachstum nach dem Rekordjahr 2021 weiter vorantreiben. Seine Zahlen für das vergangene Jahr hat Roland Berger zwar noch nicht vorgelegt, es wird jedoch mit einem zweistelligen Umsatzwachstum gerechnet. Im Corona-Krisenjahr 2020 hatte die Beratungsgesellschaft einen Umsatz von 588 Millionen Euro sowie einen Vorsteuergewinn von 40 Millionen Euro verzeichnet.

Roland Berger: Bewertung von 2 Milliarden Euro möglich

Glaubt man den „Bloomberg“-Informationen, könnte Roland Berger im Falle eines IPOs mit rund 2 Milliarden Euro bewertet werden. Würde ein Börsengang auf Basis dieser Bewertung von einer Kapitalerhöhung begleitet, könnten den Münchener mehrere hundert Millionen Euro frisches Kapital zufließen, mit denen sich strategische Zukäufe finanzieren ließen. Das „Handelsblatt“ berichtete unter Berufung auf Firmenkreise bereits, dass Roland Berger noch in diesem Jahr eine größere Übernahme plane.

Obwohl für kleinere Deals genügend Liquidität und Kreditkapazität vorhanden sein dürfte, könnte der Schritt an den Kapitalmarkt notwendig sein, um dauerhaft mit der starken Konkurrenz mithalten zu können. Das einzige große Beratungshaus mit deutschen Wurzeln war in den vergangenen Jahren etwas zurückgefallen, und angesichts der enorm hohen Zuwachsraten der Konkurrenz wäre der Versuch einer Aufholjagd mit rein organischen Mitteln wenig aussichtsreich, zumal gerade die Big Four seit Jahren im großen Stil kleinere, tech-affine Beratungshäuser aufkaufen.

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Berger-CEO Schaible setzt auf Wachstum

Nach Aussagen von Roland-Berger-Chef Stefan Schaible will das Beratungshaus vor allem seine Beratungskompetenz in den Zukunftsbereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit stärken. Mit dieser Strategie will Schaible den Umsatz der Münchener bis 2024 auf 1 Milliarde US-Dollar steigern.

Mit einem IPO würde Roland Berger zu einem der wenigen Beratungshäuser werden, die tatsächlich den Schritt an den Kapitalmarkt wagen. In der Regel scheuen die Partner von Beratungsfirmen die Transparenz- und Mitsprachewünsche externer Teilhaber. Auch die Partner von Roland Berger hatten der Wachstumsstrategie von CEO Schaible im vergangenen Juli nur unter der Maßgabe zugestimmt, dass die Mehrheit der Gesellschaft dauerhaft bei ihnen verbleibt. Dies bedeutet, dass im Falle eines IPOs wahrscheinlich nur ein Minderheitsanteil an externe Aktionäre ginge.

Dass der Gang an die Börse jedoch auch Vorteile hat, beweist Capgemini. Das schnell wachsende französische IT-Beratungshaus wird derzeit mit 31 Milliarden Euro bewertet, einem Multiple, das dem 15-Fachen Ebitda entspricht.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

thomas.holzamer@finance-magazin.de | + posts

Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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