Erst Anfang des Jahres musste KPMG seinen Leiter für internationale Steuerrecht zu WTS ziehen lassen. Jetzt hat Franz Prinz zu Hohenlohe seine ehemalige Kollegin nachgeholt.

WTS

06.09.18
Banking & Berater

KPMG verliert erneut Steuerrechtlerin an WTS

KPMG muss mit Gabriele Rautenstrauch erneut eine renommierte Steuerrechtlerin zum Konkurrenten WTS ziehen lassen. Anfang des Jahres verließ bereits Franz Prinz zu Hohenlohe das Big-Four-Haus, um WTS-Vorstand zu werden.

Der Steuerberatungsgesellschaft WTS ist es erneut gelungen, einen Tax-Experten von dem großen Wettbewerber KPMG zu gewinnen. Gabriele Rautenstrauch verstärkt ab sofort am Standort München das Geschäftsfeld Tax Advisory, wie WTS bekanntgab.

Rautenstrauch, zuletzt als Director International Tax bei KPMG tätig, war für die Big-Four-Gesellschaft auch ein wichtiges Gesicht nach außen. Sie war deutschlandweit für die KPMG-Kunden die Hauptansprechpartnerin für die BEPS-Initiative der OECD. Zudem hatte KPMG sie für zwei Jahre als nationale Expertin zur Europäischen Kommission entsandt, wo sie an der Ausarbeitung einer Richtlinie für die „Gemeinsame konsolidierte Körperschaftssteuer-Bemessungsgrundlage“ mitwirkte. Dabei geht es um die Besteuerung von Unternehmen der Digitalwirtschaft.

Rautenstrauch hat sehr lange für KPMG gearbeitet, 2002 begann sie ihre Karriere in der steuerlichen Grundsatzabteilung. Bei WTS wird sie die Themen Ertragssteuern, grenzüberschreitende Restrukturierungen, Finanzierung und internationales Steuerrecht betreuen.

Franz Prinz zu Hohenlohe verließ KPMG für WTS

Mit ihrem Weggang von KPMG folgt Rautenstrauch Franz Prinz zu Hohenlohe. Der bekannte Steuerrechtler, zuletzt Leiter der Beratungseinheit internationales Steuerrecht bei KPMG, war Anfang des Jahres zu WTS gekommen, um zweiter Vorstand neben Fritz Esterer zu werden. Für zu Hohenlohe hat KPMG derweil mit Claus Jochimsen-von Gfug einen Nachfolger gefunden, wie das Branchenportal „Juve“ schreibt. Er war zuvor neun Monate lang bei Deloitte tätig, wo er den Bereich International Tax Advisory leitete.

Gemessen am Umsatz von mehr als 130 Millionen Euro ist WTS zwar wesentlich kleiner als KPMG, die im Geschäftsjahr 2017 über 1,6 Milliarden Euro umsetzte. Davon entfielen knapp 440 Millionen Euro auf die Steuerberatung, was einem Wachstum von 3 Prozent entsprach. 

Dennoch ist WTS ein wichtiger Player in der Tax-Branche und nach den Big Four die Nummer 5 im deutschen Steuerberatungsgeschäft. WTS betreut eigenen Angaben zufolge über 70 Prozent der Dax-Unternehmen, darunter Siemens und die Deutsche Post. Um auch im Ausland beraten zu können, setzt WTS – ähnlich wie die Big Four – auf ein internationales Netzwerk.

WTS will mit Übernahme von FAS wachsen

WTS ist gerade dabei, die Steuerberatung zu digitalisieren. „Ein Ziel lautet beispielsweise, alle umsatzsteuerrelevanten Daten mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz auszuwerten und zu strukturieren, so dass die Angaben aus allen Datenquellen auf Knopfdruck zur Umsatzsteuervoranmeldung genutzt werden können“, erklärte WTS-Chef Esterer vor einigen Monaten in einem Interview mit FINANCE. Im Juli gründete die Steuerberatungsgesellschaft ein Joint Venture mit dem Business Intelligence- und Data Analytics-Spezialisten Qunis.

Im Sommer 2017 übernahm WTS das mittelständische Beratungshaus FAS. Gemeinsam wollen die beiden Mittelständler den großen Strategieberatern sowie den Big Four die Kunden streitig machen, wie Esterer und FAS-Chef Ingo Weber damals ankündigten.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Personalien, Übernahmen, Geschäftszahlen: Was sich sonst so bei KPMG, PwC, Deloitte und EY tut, lesen Sie auf unserer Themenseite zu den Big Four nach.