Das Berliner Rating- und Researchhaus Scope übernimmt Feri Eurorating Services von dem Finanzdienstleister MLP. Wie beide Unternehmen heute mitteilten, wurde der Deal in der vergangenen Woche unterschrieben und wird am 1. August vollzogen. Das Vermögensverwaltungsgeschäft der Feri-Gruppe bleibt unter dem Dach von MLP.
Scope erschließt sich mit Feri Ratings neue Geschäftsfelder
Scope erhofft sich von Feri in erster Linie Expertise in den Bereichen Länderratings, Immobilienresearch und Fondsanalyse. Dort ist Scope bislang noch nicht nennenswert vertreten. Die Übernahme von Feri führt bei Scope zur Gründung neuer Geschäfsfelder: „Scope Analysis“, wo vor allem Fonds und Asset-Manager unter die Lupe genommen werden, sowie “Scope Investor Services“. „Durch Feri gewinnen wir Geschäftsbereiche hinzu, die wir bislang noch nicht abgedeckt haben“, begründet Florian Schoeller, Chef der Scope-Holding, den Zukauf. Auch im Bereich der Sovereign Ratings – der Bewertung von Staatsanleihen – werde Feri Scope stärken, ließ Schoeller verlauten.
Bislang liegt der Schwerpunkt der Berliner auf Unternehmens- und Bankenratings sowie der Beurteilung von strukturierten Finanzprodukten (Structured Finance). Geleitet wird das Geschäft von Torsten Hinrichs, dem ehemaligen Deutschlandchef von S&P, der im September 2014 zu Scope wechselte. Hinrichs brachte zahlreiche renommierte Ratingspezialisten von S&P mit und hat Scope ehrgeizige Wachstumsziele verordnet: Er will die kleine Ratingagentur zu einer europäischen Ratingagentur aufbauen und auf Augenhöhe mit S&P, Moody’s und Fitch bringen. Zielrichtung ist derzeit noch das Small- und Midcap-Segment, mittelfristig strebt Scope aber auch eine nennenswerte Marktposition bei der Bewertung von Blue-Chip-Konzernen an.
Auch Feri Ratings befand sich eine Weile auf dem Expansionspfad und hatte zum Sprung in das damals noch wachsende Segment der Mittelstandsanleihen angesetzt. Doch die Offensive blieb früh stecken, als sich die Pleitefälle häuften und auch Feri davon betroffen wurde – die Bad Homburger hatten den an einem Bilanzskandal zu Grunde gegangenen Fahrradproduzenten Mifa geratet.
Stefan Quandt und Manfred Gentz finanzieren Expansion von Scope
Die Expansion lassen sich die Berliner viel Geld kosten. Über 20 Millionen Euro hat Scope laut eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren investiert. Finanziert wird das Wachstum von prominenten Investoren. Neben dem Ankerinvestor Stefan Quandt sind viele weitere bekannte Köpfe aus der deutschen Industrie bei Scope investiert. so zum Beispiel der langjährige Daimler-Chrysler-CFO Manfred Gentz und der Gründer des Beratungsunternehmens Simon-Kucher & Partners, Hermann Simon.
Laut Scope beträgt das rollierende 12-Monats-Umsatzwachstum derzeit über 50 Prozent. Konzernchef Schoeller kündigt eine Fortsetzung dieses Kurses an: „Wir werden weiterhin sowohl in interessante Wachstumsfelder als auch in passende Übernahmekandidaten investieren.“
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