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Deutsche Bank setzt bei Kreditvergabe auf Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz bei der Deutschen Bank
Die Deutsche Bank setzt künftig verstärkt auf Künstliche Intelligenz Foto: putilov denis - stock.adobe.com

Die Deutsche Bank und Nvidia, ein Hersteller von Grafikprozessoren, haben heute eine mehrjährige Partnerschaft bekanntgegeben. Das Ziel ist, den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen (ML) im Finanzdienstleistungssektor zu beschleunigen.

Mit der Finanzexpertise der Deutschen Bank und der führenden Position von Nvidia in den Bereichen KI und beschleunigtes Rechnen sollen verschiedene KI-gestützte und aufsichtsrechtlich konforme Dienstleistungen entstehen. Die neue Partnerschaft soll auch der Cloud-Transformation der Deutschen Bank zugutekommen und beispielsweise Cloud-Migrationsentscheidungen vereinfachen und beschleunigen.  

Deutsche Bank erhofft sich besseren Kundenservice

Für die Deutsche Bank ist die Partnerschaft zudem Teil ihrer Strategie, KI-gestützte Sprache, Sprach-, Bildverarbeitungs- und Betrugserkennungsanwendungen für den eigenen Gebrauch zu entwickeln. „KI und maschinelles Lernen werden das Bankwesen neu definieren, und wir arbeiten bereits eng mit Nvidia zusammen, um diese Technologien zu nutzen, um den Kundenservice zu verbessern und Risiken zu minimieren“, sagt Gil Perez, Chief Innovation Officer und Leiter des Cloud & Innovation Network des Geldhauses.

Die neueste Version der KI-Software von Nvidia soll Unternehmen bei der Entwicklung und Bereitstellung von KI-Modellen helfen, die wichtige Prozesse automatisieren und schnelle Erkenntnisse aus unstrukturierten Daten gewinnen. Das war für Banken bislang schwierig.

Für bestehende Sprachmodelle ist es schwer, nützliche Informationen aus Big Data in Finanztexten zu gewinnen. Die Deutsche Bank und Nvidia testen deshalb verschiedene große KI- und ML-gestützte Sprachmodelle, sogenannte Financial Transformer, die hier Abhilfe schaffen sollen. Die Deutsche Bank hofft auf diesem Weg, Warnzeichen bei Finanztransaktionen frühzeitiger erkennen und gleichzeitig die Beratung der Kunden sowie Produktempfehlungen verbessern zu können.

Schnellere Datengewinnung

Außerdem will die Deutsche Bank dank KI Daten schneller gewinnen und auf Qualität prüfen können. Schon jetzt wird KI zur Automatisierung von Prozessschritten genutzt, etwa bei sich wiederholenden Aufgaben wie dem Abgleich und der Validierung von Daten. Ebenso beim Einlesen großer Mengen unstrukturierter Daten und deren Umwandlung in strukturierte Daten, die dann weiterverarbeitet werden können.

Im Kreditgeschäft wird eine KI-Lösung eingesetzt, um den bisher stark manuell geprägten Prozess der Prüfung und Bearbeitung von Kreditunterlagen zu beschleunigen, indem die KI die notwendigen Daten aus den Kreditunterlagen zieht und in die entsprechenden Systeme einspeist. Die KI verkürze damit die Kreditprüfung, teilt die Deutsche Bank auf FINANCE-Nachfrage mit. Das dürfte früher oder später auch für Firmenkunden relevant werden.

Deutsche Bank setzt auf Künstliche Intelligenz im Risikomanagement

Ein weiteres Einsatzfeld der neuen KI-Partnerschaft betrifft das Risikomanagement der Deutschen Bank. Hierzu plant die Deutsche Bank, Nvidia AI Enterprise zu nutzen, eine umfassende Software-Suite, die das Entwickeln und Nutzen von KI-Lösungen vereinfacht – in der Cloud sowie im Rechenzentrum.

„Beschleunigtes Computing ermöglicht es Händlern, Risiken zu managen und mehr Szenarien schneller auszuführen und gleichzeitig die Energieeffizienz zu verbessern. Nvidia AI Enterprise bietet die Flexibilität, um die KI-Entwicklung in unserer hybriden Infrastruktur zu unterstützen“, erklärt Perez. Dank dieser Flexibilität können die KI-Entwickler, Daten- und IT-Experten der Deutschen Bank die KI-Workflows von Nvidia sowohl im eigenen Rechenzentrum als auch in der Google Cloud nutzen.

„Diese Partnerschaft ist ein bedeutender Schritt nach vorn in unseren Ambitionen, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zu nutzen. Sie wird uns dabei helfen, eine führende Rolle bei der Nutzung dieser Technologien für Finanzdienstleitungen einzunehmen“, ergänzt Bernd Leukert, im Vorstand der Bank verantwortlich für Technologie, Daten und Innovation.

IT-Erneuerung nimmt Form an

Der ehemalige SAP-Manager Leukert war 2019 angetreten, um die IT zu erneuern, die der ehemalige CEO John Cryan öffentlich als „lausig“ bezeichnet hatte. Im Jahr 2020 folgte eine Partnerschaft mit Google, die helfen sollte, die Komplexität der Systeme zu reduzieren und Anwendungen in die Cloud zu verlagern.

Die jetzt angekündigte Partnerschaft mit Nvidia ist ein weiterer Schritt der strategischen Transformation der Deutschen Bank, die CEO Christian Sewing nach seinem Amtsantritt angestoßen hatte. Erste Erfolge sind schon sichtbar: Beim diesjährigen FINANCE Bankensurvey belegte die Deutsche Bank in der Rubrik Digitalisierung den zweiten Platz hinter der Commerzbank.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.