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Deutsche Bank macht erneut Gewinn, aber …

Trotz gesunkener Erträge kann die Deutsche Bank auch im zweiten Quartal 2021 einen Konzerngewinn verbuchen.
mario-andreya

Ein langsames Abkühlen der Finanzmärkte, die anhaltende Niedrigzinsphase und zuletzt die Auswirkungen des BGH-Urteils zu den Gebührenerhöhungen im Privatkundengeschäft haben das Ergebnis der Deutschen Bank im zweiten Quartal belastet. Nach einem furiosen ersten Quartal 2021 sanken die Erträge im Konzern im zweiten auf 6,2 Milliarden Euro – im Vergleich zum Q2 des Vorjahres ein Minus von 1 Prozent.

Mit Blick auf das gesamte erste Halbjahr 2021 konnte die Bank die Erträge gegenüber dem Vorjahreszeitrum dennoch um 833 Millionen auf knapp 13,5 Milliarden Euro steigern. Das Ergebnis vor Steuern wächst im Vorjahresvergleich um 2,4 auf 2,75 Milliarden Euro. Die Bank verzeichnet zudem zum vierten Mal in Folge einen Quartalsgewinn. Das hören die Anleger gerne, so reagierte der Aktienkurs der lange skandalgeschüttelten Bank zunächst positiv.

Deutsche Bank kann Risikovorsorge reduzieren

Dabei profitiert die Deutsche Bank im ersten Halbjahr dieses Jahres vor allem von einem massiven Rückgang bei der Risikovorsorge, da die Kreditausfälle durch die Folgen der Corona-Pandemie deutlich geringer als befürchtet ausfielen. Zudem verzeichneten die Frankfurter starke Zuwächse im Investmentbanking und dem Asset Management. Während im Letzteren die Erträge um 18 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden anstiegen, legte Ersteres um 9 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro zu.

Auch bei dem Abbau von Krediten in der Einheit zur Freisetzung von Kapital („Capital Release Unit, CRU“) kam die Bank voran. Schwieriger lief es im Privatkundengeschäft.

Zudem macht sich ein Abflauen der Sonderkonjunktur im Investmentbanking bemerkbar. Die Finanzmärkte normalisierten sich im Vergleich zum zweiten Quartal 2020 spürbar, wie CFOJames von Moltke  bei der Präsentation der Zahlen am Mittwochmorgen erläuterte. So lagen die Erträge im Investmentbanking nach dem starken Jahresauftakt im zweiten Quartal bei 2,4 Milliarden Euro und damit 11 Prozent unter denen des Vorjahrszeitraums.

Erträge der Unternehmensbank stagnieren

Doch wie sieht es im Firmenkundengeschäft aus, in dem die Deutsche Bank im FINANCE-Banken-Survey 2021 erstmals seit fünf Jahren wieder am Dauerkonkurrenten Commerzbank vorbeiziehen und sich Platz 1 sichern konnte? Schließlich hatten die Zahlen der Unternehmensbank zuletzt ein gemischtes Bild gezeigt.

Dieser Eindruck bestätigte sich auch im zweiten Quartal: Zwar hat sich der Vorsteuergewinn der Unternehmensbank im Vergleich zum Vorjahresquartal mit 246 Millionen Euro nahezu verdreifacht, die Erträge sanken jedoch um 8 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Den stärksten Rückgang verzeichnete die Unternehmensbank dabei im Bereich Corporate Treasury Services, in dem die Erträge um 10 Prozent auf 728 Millionen Euro einbrachen.

Auch das Business Banking und das Geschäft mit institutionellen Kunden büßten im Vergleich mit den Vorjahresquartal ein. Bereinigt um Währungseffekte, die geringere Auflösung von Rückstellungen für Kreditabsicherungen und Portfoliomaßnahmen wären die Erträge jedoch stabil geblieben, heißt es von Seiten der Bank. Im ersten Halbjahr beliefen sich die Erträge auf 2,5 Milliarden Euro, ein Rückgang um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dennoch sieht dich die Deutsche Bank nach den harten Jahren des Umbaus auf einem guten Weg.

Personalkosten steigen in der Unternehmensbank

Wie in den übrigen Geschäftsbereichen profitiert die Deutsche Bank im zweiten Quartal auch im Firmenkundengeschäft auf die Gewinne wesentlich von der massiv gesunkenen Risikovorsorge. Musste die Unternehmensbank im Q2 2020 noch 144 Millionen Euro zurücklegen, konnte sie in diesem Rücklagen in Höhe von 20 Millionen Euro auflösen. Gleichzeitig sanken die Kosten um 115 Millionen auf 1 Milliarde Euro. Dies gilt allerdings nicht für die Personalaufwendungen, die um 11 auf 271 Millionen Euro angewachsen sind.

Zusammen mit den Ergebnissen des Banken-Surveys dürften die aktuellen Zahlen durchaus den Schluss zulassen, dass es der Deutschen Bank in den vergangenen zwei Jahren gelungen ist, die Basis für ein künftiges Wachstum im Firmenkundengeschäft zu legen. Nun muss sich zeigen, ob es der Unternehmensbank gelingen wird, diese auch zu nutzen.

Denn eines ist klar: Unbegrenzt werden sinkende Kosten die Gewinne der Unternehmensbank nicht sichern können. Will die Deutsche Bank tatsächlich den Rückzug aus Teilen des Investmentbankings auf Dauer kompensieren, braucht es in diesem Segment deutliche Zuwächse.

Zudem lag die Cost-Income-Ratio (CIR) im zweiten Quartal über 80 Prozent, was im internationalen Vergleich sehr hoch ist und weiter über den von Christian Sewing angepeilten 70 Prozent liegt. Das Kostenziel von 16.7 Milliarden Euro bis 2022 wurde zuletzt kassiert, Gründe: Beiträge zum europäischen Abwicklungsfonds und zur gesetzlichen Einlagensicherung in Deutschland stiegen in Folge des Desasters um die Greensill Bank.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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