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Die trügerische Erholung des Firmenkundengeschäfts

Laut einer aktuellen Studie von Bain erholt sich das Firmenkundengeschäft der deutschen Banken. Foto: Vitalii Vodolazskyi
Laut einer aktuellen Studie von Bain erholt sich das Firmenkundengeschäft der deutschen Banken. Foto: Vitalii Vodolazskyi

Good News für die deutsche Bankenbranche: Das Firmenkundengeschäft erholt sich – und zwar massiv. Wie die jüngste Bankenstudie, der Corporate-Banking-Index, der Strategieberatung Bain & Company zeigt, lag die Probabilität der Banken im zweiten Halbjahr 2021 so hoch wie zuletzt 2015. Der entsprechende Index rangiert aktuell bei einem Wert von 110, nach 106 im ersten Halbjahr 2021. Zum Vergleich: Während der Corona-Hochphase im Jahr 2020 rutschte der Profitabilitätsindex sogar in den Minusbereich. Damit beenden die Banken die jahrelange Talfahrt im Firmenkundengeschäft.

Allerdings: Verantwortlich für die gestiegene Profitabilität ist laut Bain nicht etwa ein besseres Kostenmanagement, sondern die Normalisierung der Kreditvorsorge der Banken. Pandemiebedingt hatten die Geldinstitute vorsorglich größere Rückstellungen vorgenommen, um mögliche Kreditausfälle auffangen zu können – diese aber letztlich nicht oder nur zu einem kleinen Teil antasten müssen.

Eigenkapitalrendite: Banken verbrennen wieder weniger Geld

Auch die Kreditmarge der Banken im deutschen Firmenkundengeschäft hat sich verbessert, sie ist im zweiten Halbjahr 2021 auf 1,8 Prozent gestiegen – drei Jahre zuvor lag sie bei lediglich 1,1 Prozent. Insgesamt haben die Banken im vergangenen Jahr Kredite über 1,3 Billionen Euro ausgereicht – laut Bain ein neuer Rekordwert. Deutlich wird diese Verbesserung auch am Ertragsindex von Bain, der im zweiten Halbjahr bei 143 Punkten stand – das entspricht einem deutlichen Plus von 10 Prozent im Vorjahresvergleich.

Beide Effekte, die gestiegene Profitabilität sowie höhere Erträge, führten letztlich dazu, dass die Eigenkapitalrendite der Banken im Schnitt deutlich angestiegen ist. Sie lag im zweiten Halbjahr 2021 mit 7 Prozent nur leicht unter den Kapitalkosten, sprich: Die Wertvernichtung im Corporate Banking nimmt weiter ab. Zudem haben die Banken ihren Verwaltungsaufwand 2021 zumindest stabilisieren können.

Bain sieht noch keine Trendwende im Firmenkundengeschäft

Von einer Trendwende will Bain-Partner Christian Graf aber noch nicht sprechen. „Derzeit ist nicht absehbar, inwieweit der Ukraine-Krieg mit seinen Folgen für Lieferketten, Preise und Konjunktur in den kommenden Monaten das Firmenkundengeschäft belasten wird“, sagt Graf. Zudem hätten die Banken 2021 „erheblich von den günstigen Refinanzierungsoptionen der Europäischen Zentralbank sowie den staatlichen Corona-Hilfen für die Wirtschaft profitiert“.

Ein weiteres größeres Hindernis ist der Studie zufolge der harte Wettbewerb im Firmenkundengeschäft. Und die Konkurrenz diversifiziert sich weiter: Immer stärker auf den Markt drängen neben den Sparkassen auch ausländische Kreditinstitute und die Landesbanken. Interessant: Über Kooperationen gelangen Sparkassen zunehmend auch an Finanzierungen für größere Mittelständler – ein Segment, in dem diese Institute bislang eher nicht aktiv waren. „Die Wettbewerbsintensität im Corporate-Banking bleibt hoch“, fasst Bain-Partnerin Stefanie Jacobsen zusammen.

Zinsen und Provisionen: Wann schaffen Banken den Absprung?

Für die Banken gäbe es dabei eine auf den ersten Blick einfache Lösung, dem harten Konkurrenzdruck zu entgegnen: Noch immer sind die Institute stark abhängig vom zinsbasierten Geschäft – dieses bringt den Banken weniger Rendite ein als der Provisionsüberschuss aus dem deutlich profitableren Beratungsgeschäft. Laut Bain lag der Anteil des Zinsüberschusses an den Erträgen im zweiten Halbjahr 2021 bei 69 Prozent. Dies seien zwar 7 Prozentpunkte weniger als vor gut zehn Jahren, aber immer noch deutlich mehr als zum Beispiel im Ausland üblich.

Bain-Partnerin Jacobsen ist dennoch optimistisch, was die Steigerung der Provisionsüberschüsse angeht: „Der Ausbau des Transaction-Bankings und ein forciertes Cross-Selling beispielsweise von Kapitalmarktprodukten tragen erste Früchte, die Provisionsüberschüsse steigen. Höhere Gewinne schaffen zudem mehr Spielraum, um verstärkt in digitale Plattformen und Services investieren zu können“, sagt sie.

ESG als Treiber im Firmenkundengeschäft

Als weiteren positiven Push-Faktor im Rennen um Provisionsgeschäft macht Bain das Thema Green Finance aus. Dadurch, dass die Banken ihr Leistungsspektrum um ESG-konforme Produkte und Services erweitern, ergeben sich laut Bain neue Ertragschancen für die Branche. „Gerade der Mittelstand ist auf die Banken als Finanzierungspartner angewiesen, um die Mammutaufgabe Dekarbonisierung zu bewältigen“, sagt Bain-Partner Graf.

Und die Zeit drängt: „Der Handlungsdruck hat sich durch den Anstieg der Preise für fossile Energien nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine noch einmal erhöht“, ergänzt Graf. Laut Bain dürfte die Dekarbonisierung dazu beitragen, dass sich der Trend in Richtung steigender Kreditvolumina in den kommenden Jahren fortsetzt.

paul.siethoff[at]finance-magazin.de

paul.siethoff@faz-bm.de | + posts

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt über verschiedene CFO- und Corporate-Finance-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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