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Firmenkundengeschäft: Citi will in den deutschen Mittelstand

Rückzug sieht anders aus: Die Citi will jetzt auch im deutschen Mittelstand Fuß fassen. William – stock.adobe.com
Rückzug sieht anders aus: Die Citi will jetzt auch im deutschen Mittelstand Fuß fassen. William – stock.adobe.com

Die Citi geht in Deutschland in die Offensive. Die US-Bank eröffnet die Citi Commercial Bank (CCB), sprich: sie will jetzt auch große mittelständische Unternehmen im Rahmen ihres Firmenkundengeschäfts adressieren. Diesen Schritt, der „Teil einer globalen Expansion, die zu Beginn des Jahres 2022 angekündigt wurde“ sei, gab das Institut am heutigen Dienstagvormittag bekannt.

Künftig will die Citi eine „breite Palette an institutionellen Produkten und Lösungen“ anbieten. Die Zielgruppe ist der gehobene Mittelstand sowie „vielversprechende Digitalunternehmen, die schnell wachsen und international expandieren“. Diesen Unternehmen will die Bank „den sofortigen weltweiten Zugang ermöglichen“, kündigt Auke Leenstra, Leiter CCB Western Europe, an.

Citi unterstützt bei Zahlungsverkehr und Währungs-Hedging

Konkret will die Citi deutsche Unternehmen unter anderem beim grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, bei der Minimierung von Währungsrisiken sowie beim Liquiditätsmanagement unterstützen. Außerdem Teil des Leistungsangebots sind Finanzierungen sowie Investment Banking und Private Banking.

Der Kundenschwerpunkt liege dabei zunächst auf Unternehmen aus den Sektoren Industrie, Gesundheitswesen und Mobilität – Branchen, in denen die Bank gutes Wachstumspotential sieht und nach eigener Aussage schon „fundiertes Fachwissen“ hat – das sind aber auch jene Branchen, die für andere Banken interessant sind. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, will die US-Bank mit ihrem globalen Netzwerk bei den Firmenkunden punkten, wie sie in der Mitteilung mehrfach betont. Die Bank verfügt nach eigener Aussage über Niederlassungen in 95 Ländern.

Citi-Deutschlandchef Hafke: „Wollen Beziehungen mit Kapital verankern“

Deutschland ist nicht das erste europäische Land, in dem die Citi ihre (gehobene) Mittelstandsoffensive ausrollt. Laut Europachefin Kristine Braden betreibt die US-Bank ihre Commercial Bank bereits seit einigen Jahren „erfolgreich“ in Mittel- und Osteuropa. Zudem sei die Bank in den vergangenen zwei Jahren in mehr als zehn westeuropäische Länder expandiert.

Das Thema Expansion ist auch eines, das die Citi bei ihren Kunden begleiten möchte, wie Deutschlandchef Stefan Hafke Ende Juli im Interview mit FINANCE sagte. Ein Beispiel: Laut Hafke hat das Geldinstitut 2020 ein neues Team für die Beratung von sogenannten High Growth Digital Companies aufgebaut, hier will die Bank unter anderem weiter wachsen.

Die Citi hat es dabei vor allem auf die lukrativen Beratungsmandate abgesehen, die Provisionen abwerfen. Aber auch für kreditsuchende CFOs will die Bank da sein: „Wir sind seit fast einem Jahrhundert in Deutschland aktiv und intensivieren existierende Beziehungen und bauen neue langfristige auf, die wir auch mit Kapital verankern wollen“, lässt sich Deutschlandchef Hafke in der aktuellen Unternehmensmitteilung zitieren.

Doch nicht nur im klassischen Firmenkundengeschäft will die Citi wachsen, die Bank hat es auch auf Wachstum in der M&A-Beratung abgesehen, wie M&A-Deutschlandchef Holger Knittel Ende März im FINANCE-Interview ankündigte. Allerdings hieß es damals noch, das Geschäft auf den Mittelstand auszuweiten, stehe aktuell nicht auf der Agenda. Aufgrund der Gebührenstruktur in der M&A-Beratung ist es für Großbanken in der Regel schwierig, auskömmlich mit kleineren und mittelständischen Deals zu verdienen.

Patrick Frowein wechselte von Deutscher Bank zur Citi

Die Offensive im deutschen Mittelstand will die Citi auch mit einer größeren Mannschaft angehen. Das Team in Deutschland stelle derzeit neue Mitarbeiter für verschiedene Positionen ein und plant, „erheblich zum expandieren“ – allerdings mit einem kleinen Disclaimer: Das Wachstum erfolge „im Einklang mit dem Geschäftswachstum“. Aktuell arbeiten bei der Citi in Deutschland rund 450 Mitarbeiter.

Einen großen Fisch im deutschen Firmenkundengeschäft hat sich die Citi jüngst geschnappt: Ende Juli wurde bekannt, dass der Top-Investmentbanker Patrick Frowein von der Deutschen Bank zur Citi wechselt. Dort ist er Vice Chairman Banking, Capital Markets und Advisory für die EMEA-Region.

olivia.harder@finance-magazin.de | + posts

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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