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Firmenkundengeschäft: Kein Flächenbrand in Sicht

Gipfel der Firmenkundenbanker
Deutschlands führende Firmenkundenbanker schauen verhalten optimistisch in die Zukunft. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn & B. Hartung

Steigende Rohstoffpreise, Lieferschwierigkeiten und zur Rückzahlung anstehende Corona-Hilfen stellen viele Unternehmen vor Herausforderungen. Banken müssen in diesem Umfeld besonders auf ihre Risiken achten. Das gelingt nur im intensiven Austausch mit den Kunden, war der allgemeine Tenor des prominent besetzten Podiums des Gipfels der Firmenkundenbanker auf der 18. Structured FINANCE in Stuttgart.

„Unser Verhältnis zu unseren Kunden hat sich nicht so sehr verändert“, betonte Christiane Lübke, Managing Director und Head of Corporate Lending Advisory Germany der BNP Paribas. „Wir sind nah am Kunden geblieben.“ Verändert habe sich nur die Form der Gespräche, ergänzte Stephan Ortolf, Bereichsleiter des Zentralbereichs Firmenkundengeschäft der DZ Bank: „Wir setzen uns wieder öfter ins Auto, in die Bahn oder das Flugzeug, um unsere Kunden persönlich zu treffen, als zu Beginn der Corona-Pandemie.“

Firmenkundengeschäft: Die Hausbank gewinnt an Bedeutung

Besonders in einem unsicheren, volatilen Marktumfeld sei man in einem intensiven Austausch mit seinen Kunden, sagte Jürgen Harengel. Der Managing Director der LBBW sieht die klassische Hausbank wieder an Bedeutung gewinnen. Neben dem Thema Finanzierungen würden Service und Erreichbarkeit für die Kunden wieder wichtiger.

Eine kurze Umfrage unter den rund 2.000 Zuschauern zur Frage, ob sich das Verhältnis zwischen Banken und Kunden in der Krise verändert habe, lieferte dagegen kein eindeutiges Bild. 10 Prozent der abstimmenden Zuschauer gaben an, das Verhältnis sei schlechter geworden. 27 Prozent haben eine Verbesserung bemerkt und für 67 Prozent hat sich demnach nichts geändert.

Allerdings kommen aktuell mit der Zinswende, dem Krieg in der Ukraine, der Inflation und den gestörten Lieferketten sowie den explosionsartig gestiegenen Energiepreisen viele Themen zusammen, die neu sind, betonte Jan-Peter Müller, Bereichsleiter und Leiter Tribe, Energie & Mobilität der BayernLB. Er glaubt aber, durch die sektorale Aufstellung der BayernLB besser mit den einzelnen Themen vertraut und deshalb als Ratgeber gefragt zu sein. Ein Eindruck, den Robert Schindler, Bereichsvorstand Mittelstandsbank Süd der Commerzbank, bestätigte: „Die Sektorexpertise baut Vertrauen auf und schafft Schnelligkeit.“

Finanzierungen müssen neu gedacht werden

Einig war sich das Podium, dass es eine Rezession geben wird. Nur wie stark diese ausfallen und welchen Einfluss sie auf Unternehmensfinanzierungen haben werde, sei noch nicht klar. Aber: „Es wird auch künftig Finanzierungen geben“, stellte die BNP-Bankerin Lübke klar. Diese müssten aber breiter aufgestellt und neu gedacht werden.

Leasing könnte solch eine zusätzliche Finanzierungsform sein. Dieter Behrens, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Leasing AG jedenfalls hat eine stärkere Nachfrage nach dieser Form der Finanzierung festgestellt. Insgesamt sieht er den Mittelstand für diese Krise besser gerüstet als in der Vergangenheit.

Schindler bestätigte diesen Eindruck. Der Mittelstand sei resilienter als noch vor 20 Jahren. Die Kapitalausstattung sei besser, die Unternehmen agierten flexibler und entschieden sich schneller. Aktuell bemerke er vor allem eine erhöhte Nachfrage nach kurzfristigen Working-Capital-Finanzierungen. Die Nachfrage nach langfristigen Krediten sei dagegen rückläufig. Viele Unternehmen scheinen Investitionen zurückgestellt zu haben.

Wer nicht investiert, verliert

Und das, obwohl es bei vielen Firmen eine hohe „Transformationsnotwendigkeit“ gebe, die große Investitionen erfordern, wie Behrens feststellte. Als Beispiel nannte er die Umrüstung von Nutzfahrzeugen auf elektrischen Antrieb. Rund 93 Prozent der Fahrzeuge seien zurzeit noch dieselbetrieben. Harengel von der LBBW sieht die Gefahr, dass Unternehmen, die Investitionen zu lange zurückstellen, in eine „Negativspirale“ geraten, die mittelfristig ihrer Wettbewerbsfähigkeit schaden könnte.

Sich selbst sehen die Bankenvertreter mit Verweis auf das erfolgreiche Geschäftsjahr 2022 gut für die kommende Rezession gerüstet. Die Risikovorsorge bilde den Status Quo gut ab, sagte DZ-Banker Ortolf: „Ich sehe keinen Flächenbrand kommen.“

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Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.