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Nach über 3 Jahren: Commerzbank stoppt Großprojekt

Die Commerzbank schreibt durch Beendigung eines IT-Projekt einen Betrag in sechsstelliger Millionenhöhe ab.
Comfoto - stock.adobe.com

Der Umbau bei Deutschlands zweitgrößter Privatbank gerät immer mehr ins Stocken. Nun hat die Commerzbank bekannt gegeben, die Wertpapierabwicklung doch nicht an die HSBC auszulagern. Als unmittelbare Konsequenz steht für das zweite Quartal eine Sonderabschreibung in Höhe von etwa 200 Millionen Euro zu Buche. Sie belastet weder die Liquidität, noch die harte Kernkapitalquote, betont die Bank. Zudem muss die Commerzbank Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe vornehmen.

Commerzbank befindet sich in der Transformation

Ein Rückschlag für die Bank, die sich gerade in einer großen Transformation befindet. Anfang des Jahres verkündete sie eine neue Strategie inklusive Filialschließungen, Jobabbau und Fokussierung der bestimmte Geschäfte – auch das Firmenkundengeschäft ist betroffen. Im Mai gab das Geldhaus bekannt, Teile des Kapitalmarktgeschäfts an Oddo BHF abgeben zu wollen.

Schon vor über einem Jahr macht die Commerzbank negative Schlagzeilen, als sie den Verkauf der polnischen MBank absagte – und dies mit der schwierigen Marktentwicklung unter Corona begründete. Das Corona-Jahr 2020 war für die Commerzbank ohnehin kein gutes Jahr, unterm Strich verzeichnete sie einen Verlust in Höhe von 2,9 Milliarden Euro.

Kooperation mit HSBC stammt aus 2017

Für den nun gestoppten Deal mit der HSBC gibt die Commerzbank „technische Umsetzungsrisiken und veränderte Marktbedingungen“ als Grund an. Das Projekt mit der HSBC wurde schon im Dezember 2017 initiiert; ursprünglich war dazu die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens geplant. Die Auslagerung sollte bis Anfang 2020 beendet sein. Aber auch dieser Zeitplan konnte schon nicht eingehalten werden, unter anderem da der Vorstand erst die Integration der Onlinetochter Comdirect über die Bühne bringen wollte. Schließlich wurde Mitte 2021 angepeilt.

Dass die Bank das Projekt nach dieser Verzögerung letztlich doch wieder zurückdreht, ist unglücklich. Das Digitalressort wird von IT-Chef Jörg Hessenmüller geleitet, der sich erst Mitte Juni seine 5-jährige Vertragsverlängerung sicherte. Allerdings leitet er das Ressort erst seit Jahresbeginn 2019 und übernahm damit den Prozess der Auslagerung der Wertpapierabwicklung von seinem Vorgänger Frank Annuscheit. 

Was sind die Folgen für die HSBC?

Bereits übertragene Stammdaten und Steuerabrechnungen zum Wertpapiergeschäft sollen nun bis Anfang 2022 auf die Commerzbank zurückübertragen werden. Das Kundengeschäft wird hiervon nicht beeinträchtigt, betont die Bank. Sie hält zudem weiterhin an dem operativen Kostenziel von 6,5 Milliarden Euro zum Ende des Geschäftsjahres fest.

Die Commerzbank selbst zeigt sich nun optimistisch: „Das deutlich gewachsene Handelsvolumen und die technologische Weiterentwicklung ermöglichen uns, die Wertpapierabwicklung profitabel fortzuführen", sagt COO Jörg Hessenmüller. Tatsächlich hat sich der Markt für Wertpapiere während der Pandemie erholt, immer mehr Privatanleger eröffneten neue Depots.

Diese positive Marktentwicklung wirft allerdings die Frage auf, was das Platzen des Deals für die HSBC bedeutet. Immerhin hatte sie auf ein höheres Trade-Volumen durch den Deal gesetzt und hat stark in neue Fachkräfte investiert. Die HSBC selbst bezeichnete die Transaktion als „eines der großen Zukunftsprojekte“. Die Bank wollte sich zu der geplatzten Transaktion nun nicht offiziell äußern.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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