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Präventive Sanierung: Banken kämpfen um ihre Stellung

Bei einer präventiven Sanierung könnten einzelne Banken von anderen Gläubigern überstimmt werden. Die Branche will sich gegen solche Szenarien absichern.
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Unter Restrukturierern wird die neue präventive Sanierung heiß diskutiert. Während Berater in erster Linie ein gutes Geschäft wittern, geht in Banken eine Sorge um: Das präventive Verfahren ermöglicht eine Restrukturierung über Mehrheitsentscheidungen. Einzelne Banken können als betroffene Gläubiger überstimmt werden.

Die Branche überlegt nun fieberhaft, wie sie sich gegen solche Szenarien absichern kann. „In den Rechtsabteilungen mehrerer Banken wird das Thema gerade heiß diskutiert“, sagt Oliver Kehren, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Restrukturierung TMA Deutschland und Head of Lending und Loan Trading bei Morgan Stanley.

Brisant ist vor allem ein Punkt: Die Überlegungen könnten gängige Vertragsgestaltungen betreffen – und damit auch Folgen für Unternehmen haben, für die eine präventive Sanierung derzeit überhaupt kein Thema ist.

Nutzen Banken Working Capital als Druckmittel?

Andreas Naujoks, Leiter des Bereichs Banking & Finance bei der Kanzlei Noerr, beobachtet ebenfalls, dass die Verantwortlichen in den Bankentürmen sich mit dem Szenario beschäftigen, dass sie bei einer präventiven Sanierung von anderen Gläubigern überstimmt werden können. Die Konsequenz: „Einige Banken holen sich derzeit juristischen Rat dazu ein, wie sie ihre Rechtsposition verbessern können.“ Denn eine Finanzierung im Zweifelsfall zu kündigen, nur weil ein Unternehmen eine präventive Sanierung einleitet, ist einer Bank nicht gestattet. 

„In einer Klausel könnte etwa drinstehen, dass ein Kreditnehmer die Verfügung über das Umlaufvermögen nur mit Zustimmung der Bank ausüben darf.“

Oliver Kehren, Morgan Stanley

Für Banken geht es nun vielfach darum, bereits vorab zu verhindern, dass sie irgendwann einmal als überstimmte Gläubiger in eine missliche Lage geraten. Konkrete Überlegungen zum Thema Sicherheiten gibt es bereits: Einige Banken prüfen schon, ob sie die Working-Capital-Fazilitäten als Hebel verwenden könnten, um ihre Position zu verbessern. Gerade im Krisenfall ist das Working Capital wichtig, schließlich soll das operative Geschäft parallel zur Restrukturierung weiterlaufen, um einen Neuanfang zu ermöglichen. 

Häufig ist jedoch das Umlaufvermögen Teil eines Sicherheitenpakets. Das Unternehmen als Kreditnehmer hat eine Verfügungsbefugnis, darf also über das Umlaufvermögen auch in einem Moratorium frei verfügen. In einigen Banken überlegen Juristen jetzt, ob sich an dieser Stelle nicht eine Klausel einfügen ließe: „Da könnte beispielsweise drinstehen, dass ein Kreditnehmer die Verfügung über das Umlaufvermögen nur mit Zustimmung der Bank ausüben darf“, skizziert Kehren ein mögliches Szenario.

Working Capital: Kommen neue Klauseln zu Sicherheiten?

Einem CFO könnte dies im Krisenfall auf die Füße fallen: Schlimmstenfalls könnte die Bank das Umlaufvermögen einfrieren, mit dramatischen Folgen für das Tagesgeschäft. Umgekehrt hätte die Bank ein starkes Druckmittel in der Hand, um sich bei einer Sanierung ein Mitspracherecht zu sichern, und das ganz unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen unter den Gläubigern. „In dem Moment, in dem ein Finanzierer ein solches Druckmittel in der Hand hält, wird kein Unternehmen sich gegen ihn stellen“, sagt Kehren.

Der Morgan-Stanley-Banker rät Finanzchefs daher, bei Verträgen genau hinzuschauen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass neue Vertragsklauseln Einzug halten, würde dies Unternehmen in der Breite betreffen, auch wenn sie nicht unmittelbar vor einer präventiven Sanierung stehen. „Noch gibt es entsprechende Klauseln nicht. Die aktuellen Diskussionen in der Branche zeigen aber deutlich, dass die Banken nach Möglichkeiten suchen, um sich besser abzusichern.“

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.