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So teuer könnte Heike Pauls für die Commerzbank werden

Wie hoch wird eine mögliche Abfindung für die umstrittene Wirecard-Analystin Heike Paus ausfallen? Erste Details aus der Urteilsbegründung sickern durch und befeuern die Spekulationen.
Commerzbank

Vor rund einem Monat wurde bekannt, dass die Commerzbank die umstrittene Wirecard-Analystin Heike Pauls wieder einstellen muss. Die Bank hatte sich Ende Januar von der Analystin getrennt, die lange Zeit die Aktien des Zahlungsdienstleisters empfahl – auch als die Kritik gegen den Konzern immer lauter wurde. Gegen den Rauswurf hatte Pauls geklagt und Recht bekommen.

Nun sind erste Details aus der Urteilsbegründung an die Öffentlichkeit gedrungen, die „Wirtschaftswoche“ berichtet: „Nach Auffassung der Kammer ist die außerordentliche Kündigung unverhältnismäßig“, heißt es demnach dort. Das Geldhaus hätte die Analystin vorrangig abmahnen müssen, zitiert die Wiwo.

Commerzbank hätte Pauls abmahnen müssen

Pauls selbst kommt in der Urteilsbegründung allerdings auch nicht ungeschoren davon. Die Analystin hatte Wirecard davon in Kenntnis gesetzt, dass sich ein Hedgefondsmanager kritisch über das Unternehmen äußerte. Laut Wiwo heißt es in der Urteilsbegründung, Pauls habe gegen die „wesentlichen Grundsätze der Objektivität, Neutralität und Unabhängigkeit“ des Analystenberufs verstoßen.

Eine Abmahnung wäre demnach aber nur dann nicht nötig gewesen, wenn absehbar gewesen wäre, dass Pauls ihr Verhalten trotz Warnung nicht ändert oder noch schwerwiegendere Pflichtverletzungen vorgelegen hätten. Zudem habe die Analystin durch ihr Handeln keinen eigenen Vorteil erzielt und darüber hinaus viele Jahre für die Bank ohne Beanstandung gearbeitet, heißt es.

Wie hoch wird die Abfindung?

Die Commerzbank könnte nun versuchen, in der nächsten Instanz doch noch Recht zu bekommen. Alternativ könnte sie der Analystin eine Abfindung zahlen oder sie weiter beschäftigen. Über die mögliche Höhe der Summe, die die Bank an Pauls zahlen müsste, wird nun heftig spekuliert. Dem Bericht zufolge geht aus der Urteilsbegründung hervor, dass Pauls zuletzt durchschnittlich 17.000 Euro verdiente und seit 2005 für die Bank tätig war.

„Die Abfindung kann knapp 1 Million Euro betragen, die das Institut zahlen muss“, sagte Kaja Keller, Arbeitsrechtlerin der Berliner Kanzlei Gansel, gegenüber der Wirtschaftswoche. Es gäbe Fälle, in denen das Gehalt für die Abfindungssumme mit den Beschäftigungsjahren und dem Faktor 3 multipliziert werde. Dabei handelt es sich jedoch um einen außerordentlich hohen Multiplikator.

Die Commerzbank wollte zu der Urteilsbegründung und der aktuellen Berichterstattung auf Anfrage von FINANCE keine Stellungnahme abgegeben.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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